Freude am Experiment und Können

Greiz  Die Bläsersolisten der Jenaer Brass-Band Blechklang und Organistin Klara Rücker bieten in der Greizer Stadtkirche St. Marien ein abwechslungsreiches Neujahrskonzert.

Mit dem Programm Blech trifft Orgel gastiert die Jenaer Brassband Blechklang erstmals in der Greizer Stadtkirche St. Marien. Auf der Orgel spielt Klara Rücker. Foto: Katja Grieser

Foto: zgt

Von „geordneten“ Verhältnissen konnte schwerlich die Rede sein bei dem Ensemble, das Sonntagabend die Orgelempore der Greizer Stadtkirche St. Marien in Beschlag nahm. Binnen weniger Minuten änderten sich immer wieder Zahl, Kombination und Position der Mitwirkenden. Man musste hellwach sein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das muntere Wechselspiel leuchtete jedoch ein; es unterstrich die Experimentierfreude und das solide Können der Bläsersolisten der Jenaer Brass-Band Blechklang, die zu einem Neujahrskonzert unter dem Motto „Blech trifft Orgel“ eingeladen hatten.

Die siebenköpfige Crew bot im Verein mit der Organistin Klara Rücker Bekanntes aus Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Folklore, Welt- und Filmmusik. Dabei agierte man nicht allein in voller Besetzung, sondern formierte auch kleinere Einheiten oder präsentierte solistische Leistungen. Da brachte etwa Alexander Richter, seit 2005 künstlerischer Leiter der insgesamt 30 Mitglieder zählenden Brass-Band, Franz Schuberts „Ave Maria“ auf dem Kornett zum Klingen, jenem an eine Trompete erinnernden weich tönenden Horn, das typisch ist für die aus England kommende Blechbläsertradition, der man sich in Jena verpflichtet fühlt.

Franz Schubert als Zugabe

Robert Voigt blies auf dem Flügelhorn eine hauchzarte Version von „Maria durch den Dornwald ging“ und Hendrik Bernhardt „zauberte“ mit dem Bariton, einem tiefen Horn, gar das Winter-Largo aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ herbei.

In puncto Mut übertraf alle der argentinische Tubist Patricio Cosentino, der seit geraumer Zeit in Jena zu Hause ist. Cosentino wagte sich unter anderem an Ennio Morricones Filmhit „Gabriels Oboe“ oder an Sergei Rachmaninoffs „Vocalise“ heran. Auch die zuverlässig an der Kreutzbach-Jehmlich-Orgel begleitende Klara Rücker hatte ihr Solo. Die gebürtige Geraerin, die derzeit ein Meisterstudium im Weimar absolviert und seit zwei Jahren bei „Blech trifft Orgel“ auftritt, improvisierte einfallsreich über Martin Luthers „Komm, du Heiland aller Welt.“

Insgesamt war für die Jenaer Bläser ein inniges, auf Schönheit und Wärme des Tons bedachtes Musizieren charakteristisch. Die gut 150 Zuhörer spendeten am Ende lebhaft Beifall und bekamen als Zugabe noch ein zu Herzen gehendes „Heilig, heilig“ von Franz Schubert zu hören.

Blechklang wurde 2000 gegründet. Die Anfänge der Berufs- und Amateurmusiker vereinenden Band reichen bis ins Jahr 1971 zurück, als beim VEB Carl Zeiss Jena ein Blasorchester ins Leben gerufen wurde.

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