Greizer fertigt seit 25 Jahren Geigen

Gerd Mallon ist Geigenbaumeister. Damit ist in die Fußstapfen bekannter Greizer Geigenbauer getreten. Am 15. Mai feiert er 25-jähriges Firmenjubiläum. Seine Instrumente sind bei Musikern gefragt.

Gerd Mallon mit einer Geige, die auf der internationalen Musikmesse Frankfurt 2012 ausgestellt wird. Foto: Christian Freund

Gerd Mallon mit einer Geige, die auf der internationalen Musikmesse Frankfurt 2012 ausgestellt wird. Foto: Christian Freund

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"Und der Himmel hängt voller Geigen..." – diese Operettenmelodie gehört wohl zu den schönsten Ohrwürmern, die einem beim Besuch des Greizer Geigenbauers Gerd Mallon gleich in den Sinn kommt. Nicht der Himmel, sondern die Wände der Werkstatt hängen hier voller Geigen, allesamt Unikate, wie der Meister bestätigt, Bögen und halbfertige Hälse, die auf Weiterverarbeitung warten. Darunter ein besonders schönes Exemplar, das kürzlich die Reise zur Frankfurter Musikmesse antrat und auf einem Gemeinschaftsstand der "Migma" zu sehen war.

Schon im Eingangsbereich zur Werkstatt begegnen dem Besucher historische Instrumente, darunter Celli, ein Kontrabass und Gitarren, letztere sind allerdings nicht unter seinen Händen entstanden. "Wenn Leute mit einer sehr kaputten billigen Gitarre kommen, dann rate ich denen, lieber eine Neue mitzunehmen, als das alte Instrument teuer reparieren zu lassen", erklärt er die Vielzahl der Instrumente, die aufgereiht auf neue Besitzer warten. Schnell kommen die Besucher mit dem 1964 in Greiz geborenen Geigenbaumeister ins Gespräch, spüren sofort, dass er seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt. Seine Eltern, die eine Kfz-Werkstatt führten, erkannten bald die musische Begabung ihres Jungen, ließen ihn die Greizer Musikschule besuchen.

Das seltene Handwerk des Streichinstumentenbaus erlernte Gerd Mallon von 1981 bis 1983 in der Markneukirchener Werkstatt Johannes Rubner. Gern erinnert er sich an seinen Lehrausbilder Bernhard Wölz, der ihn in die Geheimnisse des Geigenbaus einweihte, seine Fähigkeiten förderte. "Bis 1986 fertigten wir dort Bratschen und Geigen. Der Schwerpunkt lag auf dem Neubau der Instrumente, schließlich brachte das Devisen ins Land. 90 Prozent unserer Produktion wurden ins westliche Ausland exportiert. Wir erhielten pro Geige 96 DDR-Mark, der Außenhandel verkaufte sie für 1500 DM und in den Geschäften der Bundesrepublik wurden sie für etwa 3000 DM angeboten. Davon hatten wir nichts abbekommen, im Gegenteil, wir mussten mit primitivem Werkzeug arbeiten, nicht mal ein Pinsel aus Fischotter war drin, um optimal den Lack aufbringen zu können", erinnert sich Gerd Mallon an diese Zeit.

Dem Meister bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, ist hochinteressant – und außerdem ist viel Zeit mitzubringen. Schließlich ist Geigenbau auch eine Wissenschaft, und bis ein solch wohlklingendes Instrument handwerklich gefertigt ist, vergehen in der Regel bis zu sechs Wochen.

Die Decke des Instrumentes entsteht aus Fichte, Ahorn wird für den Boden und den Hals verarbeitet. Das hat sich bewährt, da dieses den gleichen Quell- und Schwindfaktor besitzt. Dafür ist vor allem Hochgebirgsholz geeignet, es ist gleichmäßig gewachsen und besitzt daher eine ebenso gleichmäßige Struktur. "Das Holz kann ich dünn ausarbeiten, und es bleibt trotzdem noch stabil. Das ist wichtig, schließlich muss es durch die gespannten Saiten bis zu 20 Kilogramm Belastung aushalten. "Es gibt Sägewerke, die sich darauf spezialisiert haben spezielles ’Klangholz’ in den notwendigen Abmessungen und Schnitt- richtungen anzubieten", erklärt der Meister.

Bereits die Holzauswahl verleiht der Geige einen ganz bestimmten Klang, wie zum Beispiel der weltberühmten Stradivari, die weiche, feine und brillante Töne zaubert und für Geigenbauer das große Vorbild ist. Für andere Klangvorstellungen, zum Beispiel für einen großen schwarzen Ton, hat Gerd Mallon ein eigenes Modell entwickelt. Durch reine Handarbeit wird Zentimeter für Zentimeter die Wölbung herausgearbeitet, die letztendlich den Klangcharakter bestimmt. Die Zargen werden auf den Boden und die Decke aufgeheftet, anschließend wird die äußere Form fertig gestellt, später die Innenausarbeitung und der Hals angebracht, der vorher ebenfalls mit großem handwerklichen Geschick gefertigt wurde. Abschießend erhält das Instrument noch die Lackierung. Selbst der richtige Leim will ausgewählt sein. Lediglich der Perlleim wird traditionell im Geigenbau verwendet, einerseits bringt er eine feste Verbindung, andererseits lässt er sich für Reparaturarbeiten am besten lösen, so dass sich die Teile problemlos auseinander nehmen lassen. Für Gerd Mallon ist das wichtig, denn es macht ihm großen Spaß, historische Instrumente zu restaurieren.

Über Auftragsmangel kann sich der Geigenbaumeister nicht beklagen. Seine Kunden sind vor allem Berufsmusiker, immer mehr Studenten, aber auch Musikschulen, die handwerklich gefertigte Instrumente maschinell gefertigten vorziehen. Deshalb sind seine Geigen auch ein begehrter Exportschlager. International bekannte Musiker spielen auf einer Mallon-Geige. Dazu gehört auch der ehemalige Konzertmeister des Leipziger Gewandhauses, Karl Suske.

Und was ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung des Geigenbaumeisters – natürlich Geige spielen. Seit Jahren gehört er dem Greizer Collegium musicum, einem namhaften Orchester der Region, dem Werdauer Collegium musicum und dem Folk-Projekt Greiz an und engagiert sich auch in Konzerten und Gottesdiensten mit Kantoren der Region, wie zum Beispiel dem zwischenzeitlich an die Dresdner Frauenkirche gewechselten Matthias Grünert, dem Greizer Probsteikantor Oliver Scheffels oder der Pohlitzer Organistin Elena Hasanov.

Um das alles zu bewältigen, steht ihm seine Frau Angela zur Seite. Die beiden Kinder, Tochter Ines und Sohn Christian, sind bereits aus dem Haus. Christian hat die Tradition des Geigenbaus fortgesetzt und diesen interessanten Beruf erlernt. Er absolviert zur Zeit ein Musikstudium.

Gerd Mallon freut sich auf den 15. Mai, sein 25-jähriges Firmenjubiläum. Schließlich ist er in die Fußstapfen bekannter Greizer Geigenbauer getreten. Laut Aufzeichnungen begann das mit Albert Ellersieck bereits 1897 in der Greizer Marktstraße, ab 1907 unterstützt durch seinen Sohn Helmuth, ihm folgten Karl Theodor Otto (1944-47) und Herbert Thoß (ab 1947). Auch der vielen Greizern bekannte Zitherspieler Karl-Heinz Arzt erlernte in Markneukirchen das Geigenbauerhandwerk sowie der gebürtige Greizer Winfried Michael in Mittenwald. Gustav Dillner (um 1900), Großvater des berühmten Cellisten Clemens Dillner, und der pensionierte Oberlehrer Mayerosch (um 1932) beschäftigten sich zwar nicht beruflich mit diesem Handwerk, verfertigten aber nach damaligen Quellen eine ganze Reihe höchst interessanter Instrumente in der Vogtlandstadt, von denen einige schon wieder im restaurierten Zustand in Mallons Werkstatt zu bewundern sind.

Anlässlich der Greizer Musikwoche im November dieses Jahres ist geplant, eine Ausstellung über den Greizer Geigenbau zusammen zu tragen.

Über Hinweise, Fotos oder Instrumente zu diesem Thema würde sich Gerd Mallon sehr freuen.

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