In Jena soll Musikgeschichte geschrieben werden

Mit ihrem zweiten Konzert "Brass & Sinfonik" und einer eigenen Komposition wollen die Jenaer Philharmonie und die Brass Band BlechKlang Musikgeschichte schreiben.

Ulrich und Alexander Richter von der Brass Band BlechKlang und Bruno Scharnberg, Intendant der Jenaer Philharmonie (von links) fiebern gespannt ihrem gemeinsamen Konzert im März entgegen. Für das nunmehr zweite Projekt unter dem Motto "Brass & Sinfonik" wurde extra für die beiden Orchester eine gemeinsame Komposition angefertigt.
Foto: Rebecca Rech

Ulrich und Alexander Richter von der Brass Band BlechKlang und Bruno Scharnberg, Intendant der Jenaer Philharmonie (von links) fiebern gespannt ihrem gemeinsamen Konzert im März entgegen. Für das nunmehr zweite Projekt unter dem Motto "Brass & Sinfonik" wurde extra für die beiden Orchester eine gemeinsame Komposition angefertigt. Foto: Rebecca Rech

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Jena. Musikliebhaber aus ganz Deutschland sollen dieses Frühjahr nach Jena blicken, so die Zielsetzung des Dreiergespanns Bruno Scharnberg, Intendant der Jenaer Philharmonie, sowie Ulrich und Alexander Richter, von der Brass Band BlechKlang. Dass dieses Vorhaben gar nicht so abwegig ist, wird bei einem genaueren Blick auf das gemeinsame Konzert "Brass & Sinfonik II", das am 12. März, um 20 Uhr, im Volkshaus Jena uraufgeführt wird, deutlich.

Auch wenn sich die Brass Band Szene in Deutschland in den letzten Jahren enorm entwickelt hat, sind gemeinsame Auftritte mit einem Sinfonieorchester noch Neuland. "So ein Projekt findet man sonst nirgends", betont Ulrich Richter, Vereinsvorsitzender von BlechKlang, die Pionierarbeit. Deutlich wurde das dem Trio bereits in der Vorbereitungsphase des Konzerts. Es gab kaum Stücke, die sich eigneten, um die zwei renommierten Klangkörper Jenas zusammenzubringen. In der ersten Auflage von "Brass und Sinfonik" 2011 umging das Team die Problematik, indem es auf Kontraste setzte. Jedes Orchester spielte die Werke in seiner eigenen Version, um Unterschiede hervorzuheben.

Dieses Jahr stehen hingegen die Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Um das Problem des mangelnden Werkrepertoires zu umgehen, ließen sich Philharmonie und Brass Band von Oliver Waespi eine eigene Komposition fertigen. Der Schweizer zählt zu den gefragtesten Komponisten im Bereich Blasorchester und Brass Band. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Erforschung sich scheinbar widersprechender ästhetischer Möglichkeiten. Eine Herausforderung, die er auch in der Zusammenführung der beiden so verschiedenen Jenaer Gruppen, vorfand. "Aber gerade im Unterschied der Klangfarben liegt auch ein enormes musikalisches und gestalterisches Potenzial", so Oliver Waespi.

In dem zirka 20-minütigen Stück "At the Crossroads" setzt er auf musikalische Interaktion. Beginnend als Kontrast der schweren und leichten Klänge, entwickelt sich langsam das Zusammenspiel. Ganz im Sinne der "Crossroads", steht nicht das Nebeneinander im Zentrum, sondern das Kreuzen und das Verschmelzen der Klänge zu einer neuen Einheit. So werde die Brass Band in ihrem Solo etwa von den Streichern des Sinfonieorchesters begleitet, erklärt Alexander Richter, Dirigent des BlechKlang Ensembles.

Seine Bläsertruppe probt bereits seit Anfang des Monats ihren Part. "Es ist wirklich eindrucksvoll. Ich merke auch, dass es der Band Spaß macht", merkt der Dirigent an und blickt mit Vorfreude auf die ersten gemeinsamen Proben in der Philharmonie im März.

Neben der Auftragskomposition, als Hauptwerk des Abends, spielen die Gruppen zudem gemeinsam "Mancunians" von Arthur Butterworth. Das Werk des im vergangenen November verstorbenen Briten sei die einzige andere bisher existierende Komposition für Sinfonie und Brass Band. Es wurde bisher erst zweimal aufgeführt, erklären die Organisatoren ihre Wahl für das musikalische Bild der englischen Industriestadt Manchester. "Insofern schreiben wir ein bisschen Geschichte, was Brass Bands und Philharmonie angeht", so Ulrich Richter.

Auch mit dem Schweizer Dirigent Philippe Bach konnte ein Kenner der Brass Band Szene verpflichtet werden. Der Generaldirektor des Südthüringer Staatsorchesters Meiningen, übernimmt am 21. März fast den gesamten Abend das Pult. Bach dirigiert ebenfalls das zweite Stück des Abends "Severn Suite" von Edward Elgar, das nur das Sinfonieorchester spielt. Die Einleitung übernimmt hingegen BlechKlang unter der Führung von Alexander Richter, mit der "English Folk Song Suite" von Ralph Vaughan-Williams.

Auch wenn die Uraufführung erst in zwei Monaten stattfindet, fiebern alle Mitwirkenden schon jetzt dem Abend entgegen. Selbst beim Publikum sei bereits jetzt eine sehr gute Resonanz zu spüren, betont Intendant Bruno Scharnberg. Mit Blick auf seine letzte Spielzeit in Jena hofft er mit dem Projekt ein etwas jüngeres Publikum für die Philharmonie zu gewinnen. Zugleich will das Trio die Blicke auf die Kulturstadt Jena und ihren innovativen, musikalischen Charakter lenken.

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