Jurist schreibt Kindermusical für Knabenchor in Jena

Im Zentrum des diesjährigen Frühlingskonzertes des Knabenchores der Jenaer Philharmonie steht eine Uraufführung. Das Kindermusical magic ball. Geschrieben wurde es von Jurist Dr. Carsten Morgenroth.

Der Knabenchor der Jenaer Philharmonie im Jenaer Volkshaus. Foto: Jürgen Scheere

Der Knabenchor der Jenaer Philharmonie im Jenaer Volkshaus. Foto: Jürgen Scheere

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Das Kindermusical, das sich vollständig mit den Mitgliedern eines Knabenchores besetzen lässt, das ist schon etwas Besonderes. Eine fantastische Chance für die jungen Jenaer Sänger. Angeregt wurde die Entstehung eines solchen Werkes durch die Chordirektorin der Jenaer Philharmonie Berit Walther.

Doch viel Außergewöhnlicher als die Besetzung ist die Autorschaft des Bühnenwerkes, zumindest in Deutschland. Carsten Morgenroth heißt der Komponist, und vor seinem Namen führt er den Titel "Dr. iur.". Das hat man nicht alle Tage. Ein Wahl-Jenaer, der seit fast 20 Jahren in der Stadt zuhause ist, schreibt ein Stück für ein ansässiges Ensemble. Auch wenn der Jurist von Beginn an auch im Musikleben der Stadt mitgemischt hat, ist das schon ein besonderer Höhepunkt für alle Beteiligten.

Musik hat der Jurist seit seiner Kindheit gemacht und – auch wenn die Stile, für die er sich begeisterte, wechselten – damit nie aufgehört. Die Violinausbildung an der Musikschule und der Theorieunterricht brachten ihn früh dazu, eigene musikalische Ideen zu Papier zu bringen. Die ältesten Kompositionen des heute 39-Jährigen sind rund 29 Jahre alt. Für das Jura-Studium und für Jena entschied er sich dennoch ebenfalls seinen Neigungen folgend. Und das hat er auch nie bereut. Beide Staatsexamina zu absolvieren und dann zu promovieren, das war sein Ziel. Daneben wollte er aber auch das Leben nicht versäumen – und dazu gehörte für Carsten Morgenroth immer die Musik.

In "magic ball" trifft sich Vieles, was für den Wahl-Thüringer wichtig ist. Musik und Sport – das sind gleichermaßen seine großen Leidenschaften. Und auch wenn der Musiker und Jurist als Turniersportler beim Tischtennis aktiv war und es heute als Verbandsfunktionär ist, ist jener "magische Ball", um den es im Musical geht, nicht klein, weiß und aus Plastik, sondern eines jener "runden Leder", die Nationen einen und entzweien können. Auch für Fußball begeistert sich der Jurist, der gegenwärtig in der Alt-Herren-Mannschaft der Universität spielt. Vor allem Taktik und Strategie interessieren ihn, und das ist auch das Thema seines Musicals. Eine Art Mut-Mach-Stück ist "magic ball", das davon erzählt, dass es wichtig ist, Träume zu haben und für diese auch zu kämpfen. Der Held des Stückes ist ein begeisterter Fußballfan, ein echter Theoretiker, den keiner in seiner Mannschaft haben will, bis ... Aber Carsten Morgenroth will nicht zu viel verraten.

Wie Morgenroth sein vielseitiges Leben unter einen Hut bekommt, ist schon beeindruckend, denn neben dem Hauptberuf als Justiziar der Fachhochschule Jena unterrichtet er dort ebenso wie an der Universität und an der VWA Ostthüringen auch noch im Lehrauftrag.

Über die Wurzeln der Vielseitigkeit und Offenheit lässt sich nur mutmaßen. Dass die Neugier und vielfältige Begeisterungsfähigkeit bei ihm von jeher angelegt waren, daran besteht für Morgenroth kein Zweifel. Dennoch will er auf die Nachfrage auch nicht ausschließen, dass seine USA-Aufenthalte hier einen gewissen Einfluss haben. Denn in Übersee ist es ja absolut nichts Ungewöhnliches, dass man sich mehrgleisig verwirklicht, stellt Spezialisierung keine Einschränkung da.

In die USA ging der gebürtige Freiberger quasi sofort nach der Wende als einer der ersten ostdeutschen Jahrgänge überhaupt, die ein sogenanntes Highschool-Jahr absolvierten. Darüber, dass man bei seiner Rückkehr das mitgebrachte amerikanische Abitur nicht anerkannte, ist er heute offenbar nicht mehr böse. Immerhin – man weiß nie, wozu es gut ist, zwei Abiture zu haben. Ein Arbeitsaufenthalt während des Studiums führte ihn nochmals in die Vereinigten Staaten. Von seinem ersten Aufenthalt hatte er einschlägige Gospel-Erfahrung mitgebracht, die bis heute sein Schaffen beeinflusst.

Auch wenn er sich zunächst von der Klassik und der klassischen Satztechnik abgewandt hatte, sich in unterschiedlichen Bands betätigte und diverse Pop-Genres ausprobierte, kam er vor allem durch neue Aufgaben als Chorleiter zurück zum klassischen Satz. Und eines Tages setzte er sich hin und schrieb ein Streichquartett – zunächst nur für sich, für die Schublade. Mehreren glücklichen Umständen ist es zu danken, dass das Werk im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der jetzigen Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena im letzten Jahr uraufgeführt wurde. Von dem Erfolg ist der Komponist immer noch zutiefst bewegt.

In seinem Musical, so verspricht Morgenroth, ist für Abwechslung gesorgt, denn hier schlagen sich all seine stilistischen Erfahrungen nieder, mischen sich im Sinne einer ganzheitlichen musikalischen Erzählung. Und wie die Knaben dies mit Berit Walther umsetzen, darüber gerät Morgenroth schlicht ins Schwärmen.

Das Eine zu tun, ohne das Andere zu lassen, ist ein Prinzip das Carsten Morgenroths Leben bisher angenehm erfüllt hat. Und so will er weitermachen. Auch für das nächste Jahr denkt der Jurist über ein größeres neues Musikprojekt nach. Aber weil er nicht gern über ungelegte Eier redet, bleibt er bei dieser vagen Andeutung.

Neben dem Knabenchor der Jenaer Philharmonie sind unter der Leitung von Berit Walther im Musical die Streichergruppe des Zeiss-Orchesters und die Band "king of oak" zu erleben. Letztere repräsentiert abermals ein Projekt von Carsten Morgenroth.

Frühlingskonzert des Knabenchores: 22. April, 11 Uhr, Volkshaussaal

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