Kamarad überrascht mit völlig anderem Sound

Erfurt. "Kamarad" veröffentlicht zwei neue Tracks mit seiner Single "Intermezzo". Diese unterscheiden sich vom Sound sehr von der im Januar als digitaler Release veröffentlichten EP "Sonnenlicht".

Ein langer Wurm ziert das Cover von "Intermezzo", der neuen Single vom Erfurter "Kamarad". Foto: Kamarad

Ein langer Wurm ziert das Cover von "Intermezzo", der neuen Single vom Erfurter "Kamarad". Foto: Kamarad

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Waren die drei Songs ("Laufen", "Sonnenlicht" und "LFW") sehr von Indie-Sound beeinflusst, haben wir es beim aktuellen Release mit rein elektronischen Tracks zu tun.

"I Loaf You" wartet zunächst mit einer sehr atonalen Melodie auf, die mehrfach wiederholt wird, um anschließend variiert ins Ohr zu gehen. Trotz einer vermeintlichen Ordnung herrscht ein gewisses Chaos - und verhält es sich nicht auch so, wenn man verliebt ist? Doch der Erfurter Kamarad meint hier nur scheinbar das Liebesmotiv; im Titel versteckt sich nämlich ein Homophon - wir hören die Liebe, finden geschrieben allerdings das "Faulenzen", "Trödeln" vor. Der Track bietet reichlich Interpretationsspielraum, ist er doch reduziert auf nur wenige Klangelemente.

"Indianerfrau" setzt ebenfalls mit einer starken Instrumentalisierung ein, aber deutlich weniger atonal wie der vorherige Track. Etwas bahnt sich an, eine Art Anschleichen. Der Zuhörer lauscht gespannt und hofft, hinter des Rätsels Lösung zu gelangen. Die Musik wird lauter, sie schwillt an. Kamarad lässt es langsam angehen. Doch dann kommt "es" mit einem Mal näher. Es? Eine Stimme hebt sich aus der Masse hervor. Es ist die Indianerin, die nicht so ist wie die anderen Frauen. Sie umschwebt eine ganz andere Aura, eine eigene Stimme, ein eigenes Ich, welche eine eigene Klangfarbe ergibt.

Kamarad lässt mit dieser Veröffentlichung seiner Musik den Vortritt. Nichts soll von ihr ablenken, nicht die Persönlichkeit des Musikers, keine Umstände - und auch nicht das Cover, auf dessen Front ein Wurm zu sehen ist. Auch bei dessen Gestaltung lässt der Erfurter Platz für Spekulationen. Sehen wir auf der Rückseite einen Jungen oder ein Mädchen? Das ist ungewiss. Was wir aber sehen, ist ein Kind, das den Zuhörer zum Anhalten bewegen will. Es will sagen: "Haltet kurz inne, kommt zur Ruhe und genießt die Musik."

Intermezzo wird seiner Bedeutung vom Zwischenspiel, -stück und Einschub gerecht. Bereits große Musiker wie Brahms und Strauss komponierten bereits "Intermezzi". Kamarad schlüpft in große Schuhe, die er allerdings sehr gekonnt auf seine eigene, individuelle Weise ausfüllt.

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