Mit Udo auf der Bühne: Mildaer Schüler studieren Lindenberg-Musical ein

Milda  Dem Panikrocker Udo Lindenberg kommen Schüler aus Milda und Jena am Samstag greifbar nah. Vorher ist die große Probe fürs Musical „Hinterm Horizont macht Schule“.

Die Nachwuchs-Musicaldarstellerinnen Sarah (rechts) und Michelle mit Musiklehrer André Köhn. Er holte das Projekt an die Freie Ganztagsschule Milda.  

Die Nachwuchs-Musicaldarstellerinnen Sarah (rechts) und Michelle mit Musiklehrer André Köhn. Er holte das Projekt an die Freie Ganztagsschule Milda.  

Foto: Katja Dörn

Die ersten Takte erklingen, und plötzlich herrscht Ruhe in der Turnhalle der Freien Ganztagsschule Milda. Gespannt verfolgen Dutzende Jugendliche, wie Mitschüler Alexander vom Mädchen aus Ostberlin singt, das Udo Lindenberg einst den Kopf verdrehte. Nach ihm tritt Laurenz auf, ebenfalls mit dicker, dunkler Sonnenbrille und schwarzem Filzhut. Die stimmkräftigen Jugendlichen werden zu Nachwuchs-Panikrockern. Ebenso wie andere Schüler der Freien Ganztagsschule Milda sowie der Jenaer Leonardo- und Lobdeburgschule. Sie probten am Donnerstag erstmals gemeinsam für das Musical „Hinter dem Horizont macht Schule“ nach Vorlage Lindenbergs. Und keine Panik, möchte man ihnen zurufen, wenn eine Textzeile im Trubel verloren geht oder Schritte mal nicht so klappen, wie sie sollten.

Freikarten fürs Erfurt-Konzert

Im Dezember, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, führen sie das Musical im Weimarer Deutschen Nationaltheater auf. Es ist eine deutsch-deutsche Geschichte über das geteilte Land, die Liebe und die Themen Freiheit und Kultur, die im Stück erzählt wird. Seit Monaten üben die Jugendlichen emsig ihre Gesang- und Sprechrollen und die Tänze und besprechen, welche Kostüme und Bühnenbilder zusammengestellt werden.

„Herzliche Grüße von Udo“ richtet Noah Fischer aus. Er ist künstlerischer Leiter und Saxophonist im Panikrockorchester Lindenberg und von den ersten Szenen begeistert. „Es wird mega“, sagt er und grinst. Zehn Mal wurde bereits geprobt. Wobei: Viel sei das für ein solches Stück nicht, erklärt Regisseurin Elisabeth Engstler. „Jetzt sehen wir, wie sich alles zusammenfügt. Bislang hat nur jede Gruppe für sich geprobt.“ Ihr erster Eindruck: Toll. Nach den Sommerferien geht es weiter.

Eingerührt hatte das Musical-Projekt der Mildaer Musiklehrer André Köhn. Er sah im Herbst 2017, wie Schüler im Harz zu Bühnenpunkrockern wurden. „Ausgewählt wurden von der Udo-Lindenberg-Stiftung sonst Brennpunktschulen, die nicht die Möglichkeit haben, so etwas auf die Beine zu stellen“, sagt er. Nun ist die Freie Ganztagsschule in Milda eher ein Hort der Harmonie auf dem Land und weniger Brennpunkt. Verbindenes Element sei jedoch die Inklusion, die auch in der Lobdeburg- und an der Leonardoschule in Jena gelebt werde.

So sei eine Hauptrolle beispielsweise an einen Schüler vergeben worden, der eine Lernschwäche hat. Und ein autistischer Schüler übt sich im Bühnenbau.

Schwierigkeit war vorab, Sponsoren zu finden. So musste an einige Firmentüren in Jena und Umgebung geklopft werden, um die notwendigen Gelder aufzutreiben, die für die Miete des Deutschen Nationaltheaters (DNT), Kostüme und andere Utensilien gebraucht werden.

Das jetzt einzustudierende Musical ist auf eine schülertaugliche Version von zwei Stunden gekürzt worden. Jede Schule macht etwas anderes. Die Mildaer integrieren ihre Schülerband und wollen Stücke live aufführen. Die Lobdeburgschule bindet ihren Chor ein. Alle Sprech- und Gesangsrollen sind doppelt besetzt, sodass auch bei Krankheit oder akutem Lampenfieber die Show weitergehen kann.

„Die Schüler merken, welche Stärken sie haben“, sagt Musiklehrer Köhn. Am Ende, fügt er hinzu, gehe es nicht primär um das Ergebnis. „Der Weg ist das Ziel.“ Vorab erhielten die Schüler über ein Projekt einen Eindruck, wie es war, damals in der DDR. „Sie lernen, was es heißt, in einer Diktatur zu leben und was es wert ist und wie wertvoll eine Demokratie ist“, sagt Köhn.

Den Abschluss dieses besonderen sozialpädagogischen Projektes, so viel sei schon mal verraten, bildet ein gemeinsamer Auftritt mit Udo Lindenberg und seiner Panikband im DNT. Bis dahin kennt man sich aber sowieso schon, schließlich haben die Schüler Freikarten für das Lindenberg-Konzert am Sonnabend in Erfurt erhalten. Und nicht nur das: Sie können zum Soundcheck am Nachmittag dabei sein und den Rockmusiker persönlich treffen. „Wahnsinn“, sagt ein junger Fan.

„Hinterm Horizont macht Schule“: 4./5. Dezember, 18.30 Uhr, DNT Weimar

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