Neue Musik aus Erfurt - Kamarad veröffentlicht "Sonnenlicht" EP

Erfurt. "Gestern roch es hier wie nach Meer / Du stehst mir gut - doch ich liebe dich zu sehr" - beim Erfurter Künstler "Kamarad" treffen poetische Texte auf melodisch-elektronisch verpackte Klangfolgen.

Wer sich genau hinter Kamarad verbirgt, kann man nur erahnen. Foto: Kamarad

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Kamarad erzählt Episoden aus dem Alltag und beschreibt Situationen, in denen sich der Hörer wiederfinden kann. In "Sonnenlicht" erleben wir ihn beim Verliebtsein, während er in "Laufen" rennt und rennt, um in "Lied Für Wölfe" mit seiner Gedankenwelt zu spielen. Mal sind die Melodien düster, dann wieder durchflutet von hellen Klangfarben. Regeln oder Einheitlichkeit gibt es nicht; vielmehr gilt es, "nur nicht wieder den Verstand [zu] verlier’n".

Die Musik wirkt dabei wie ein Heilmittel, das die Seele nicht unbedingt von Ängsten und Zerrissenheit befreien will, sondern vielmehr hilft, mit Problemen umzugehen: "Raufgehen und runtergehen - gehört dazu" heißt es in Lied für Wölfe. Der Wolf hat verschiedenste Bedeutungen. Heutzutage verbindet man ihn oftmals mit dem Sinnbild des dunklen Wesens, dessen einzig treuer Gefährte der Mond ist. Er rebelliert gegen Strukturen, ist gefährlich und sogar boshaft. Doch ein einsamer Wolf steht auch für den eisernen Willen, das Leben auf eigene Weise zu meistern. In der keltischen Welt steht der Wolf sogar für die Verbundenheit mit der Familie und Stärke. So differenziert gestaltet sich auch der Track, der helle und dunkle Töne in sich vereint, von der Bewegung lebt und keine Angst vor Neuem hat.

Ähnlich verhält es sich bei "Laufen". Der Song startet ruhig, bis immer mehr Elemente hinzustoßen - Elemente, die auf den Läufer einstürzen. Dieser rennt aber keinesfalls vor Problemen weg. Er entzieht sich ihnen auch nicht. Laufen bedeutet für Kamarad die Möglichkeit, die Seele zu befreien. Man spürt, wie das Innere rennt und rennt. Die Musik wird schneller und schneller. Kurz vor Ende ist Ruhe eingekehrt - und der Hörer bleibt mit der Frage zurück, ob die Befreiung geglückt oder ob der Verstand abhandengekommen ist.

Auch "Sonnenlicht" spielt mit der Unruhe, wenn auch auf sanftere Weise. Wir begegnen zunächst ruhigeren, entspannten Klängen, helle Töne, so hell wie das Morgenlicht an einem sonnigen Tag. Der Künstler beginnt mit seiner Arbeit: "1,2". Ein Räuspern. Es kann losgehen. Doch dann steht sie vor ihm und scheint ihn aus der Bahn zu werfen. Kann sie ihm Antworten auf die Frage "Was willst du hier bei mir?" geben? In der dritten Strophe sind wir Teil einer Wandlung: Eine weitere Klangfarbe kommt hinzu und scheint seine Entscheidung einzuläuten: Er liebt sie, aber für seinen Geschmack zu sehr - was weitere Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Fazit: Der Erfurter Kamarad bietet mit seinem Debüt drei unheimlich intensive Kompositionen, die das Alltägliche auf ungewöhnliche Weise verarbeiten, mit Temperamenten und Farben spielen und den Hörer auf eine musikalische Welt durch das eigene Ich schicken.

Erfurter Künstler Kamarad bringt heute erste EP heraus

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