Pop-Sängerin Leslie Clio bei Night of the Proms in Erfurt

Erfurt.  Pop-Sängerin Leslie Clio gastiert am 17. Dezember mit der Night of the Proms in Erfurt. Wir sprachen mit der 33-Jährigen.

Leslie Clio gehört in diesem Jahr zu den Stars bei der Night of the Proms.

Leslie Clio gehört in diesem Jahr zu den Stars bei der Night of the Proms.

Foto: Hannes Caspar

Pop-Sängerin Leslie Clio gehört in diesem Jahr zu den Stars bei der Night of the Proms. Die 33-Jährige gastiert am 17. Dezember mit ihnen in Erfurt. Wir sprachen mit der Wahl-Berlinerin:

Leslie Clio – ist das ein Künstlername?

Nein, ich heiße tatsächlich so. Meine Eltern hatten offensichtlich einen guten Geschmack. Als ich angefangen habe, habe ich mir viele verschiedene Namen gegeben. Ich hieß Polly Rocket oder Polly Purple, bis mir eine Freundin zum Geburtstag die Website www.leslieclio.com und einen Stapel Visitenkarten mit meinem Namen geschenkt und gesagt hat: So, nun ist mal gut. Du heißt Leslie Clio – und das ist einfach der beste Name.

Mit Ihrer zweiten Single „I Couldn’t Care Less“ waren Sie gleich sehr erfolgreich. Der Titel lief im Radio rauf und runter, war auf dem Soundtrack von „Schlussmacher“ zu hören und in etlichen TV-Shows. Trotzdem sind Sie 2015 nach Hawaii ausgewandert. Warum?

Ich war erschöpft und total ausgelaugt. Ich hatte seit 2012 durchgearbeitet, der ersten Platte mit Wahnsinnstempo die zweite hinterhergefeuert und mir dazwischen überhaupt keine Auszeit genommen. Ich habe nicht überlegt, was überhaupt los ist in meinem Leben und worüber ich schreiben will. Es ist ein totales Klischee, das ich erfüllt habe – das Klischee der zweiten Platte.

Beschreiben Sie das doch mal näher.

Für die erste Platte hat man quasi sein ganzes Leben lang Zeit; man hat Geschichten und Erfahrungen, über die man schreibt. Ist diese erste Platte erfolgreich, ist man erst einmal zwei Jahre nur damit beschäftigt, mit der Platte zu touren. Man erlebt kaum etwas anderes, als in Backstage-Räumen oder Studios zu sitzen. Deswegen ist es oft so, dass die zweite Platte allgemeiner wird, nicht mehr so ehrlich und tief. Trotzdem habe ich die zweite Platte auf Krampf durchgezogen. Und danach bin ich förmlich zusammengebrochen, zumal zu dieser Zeit auch noch eine Beziehung zu Ende ging.

Weshalb aber dann Hawaii und nicht ein paar Wochen Ostsee?

Ja, das war natürlich exotisch. Es hat sich einfach so ergeben. Ich wollte eigentlich nach Nashville. Doch dann habe ich mir gesagt, dass ich dort ja direkt mit Musik weitermachen würde. Ich wollte aber den Kopf frei kriegen. Und deshalb bin ich nach Hawaii.

Stimmt es, dass Sie sich für Ihre erste Platte förmlich den Hintern abgekellnert haben?

Ja, aber das machen ja eigentlich alle Künstler, wenn sie anfangen. Ich bin von Hamburg nach Berlin gezogen und habe viel gejobbt. Das ist nichts Besonderes. Besonders ist vielleicht, dass ich mich relativ früh selbst finanziert habe. Schon mit 17, 18.

Zurück nach Hawaii. Sie sind schon nach fünf Monaten wieder nach Deutschland gekommen. Was hatte sich zwischenzeitlich geändert?

Ich dachte eigentlich, ich hätte jetzt erst mal genug von Musik. Mich sollten erst mal alle in Ruhe lassen mit dieser Kack-Industrie. Ich war genervt von dem anstrengenden Business. Denn es ist am Ende eben nicht so, dass man vor allem kreativ ist, sondern zu 80 Prozent ist es einfach Business. Das Schöne war aber dann, dass genau die Kreativität, für die ich so wenig Raum hatte, auf Hawaii zurückkam. Ohne die Kreativität, ohne die kleine Flamme in einem, geht es gar nicht. Dementsprechend bin ich auch mit sehr viel Musik im Gepäck zurück nach Deutschland gekommen, die neue Platte war im Grunde schon fertig. Das war beinahe wie ein Neuanfang. Im Mai 2017 kam dann die Platte raus.

Wie verhindern Sie, dass Sie sich wieder so ausgebrannt fühlen?

Ich habe seit zwei Jahren eine Beziehung. Und so simpel es klingt, aber das ist schon der Schlüssel. Ich habe zu Hause jemanden, der mich auffängt. Wenn man als Künstler isoliert und alleine ist, entsteht eine große Diskrepanz zwischen der Privat- und der Bühnenperson. Jetzt aber habe ich ein Privatleben, seit einiger Zeit auch einen kleinen Hund. Man kann sagen, ich habe jetzt eine Familie.

2018 waren Sie bei der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ dabei. Besteht noch Kontakt zu Kollegen von damals?

Vor allem zu Rea Garvey. Und natürlich zu Judith Holofernes, die auch bereit ist, meinen Hund zu sitten.

Bei Night of the Proms stehen Sie erneut mit Künstlern auf der Bühne, die teils schon Erfolg hatten, als Sie noch nicht einmal geboren waren. Können Sie mit denen etwas anfangen?

Am meisten tatsächlich mit Alan Parsons. „Eye in the Sky“ ist sogar eines meiner Lieblingslieder. Letztes Jahr waren The Pointer Sisters dabei, da wäre ich noch viel mehr ausgeflippt. Trotzdem freue ich mich total auf die Konzerte. Denn am Ende ist es immer so, dass man vor Ort von den Menschen viel mehr lernt, als man denkt.

Sind sie schon mal mit einem Symphonieorchester aufgetreten?

Ja, allerdings ohne 50-köpfigen Chor. Das reizt mich schon sehr. Für mich ist das eine große Gelegenheit, vor der ich auch keine Angst habe. Es ist auch schön zu wissen, dass jedes Jahr seine eigenen Erfahrungen mit sich bringt: 2018 war das eben „Sing meinen Song“, dieses Jahr ist es Night of the Proms.

Dienstag, 17. Dezember 2019, Erfurt, Messe, Beginn: 20 Uhr. Tickets gibt es unter (0361) 227 52 27, www.ticketshop-thueringen.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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