Sohn der Stadt eröffnet Musikmeile in Bad Köstritz

Bad Köstritz  Im Festsaal des Palais in Bad Köstritz musiziert Udo-Rainer Follert gemeinsam mit seiner Frau. Der Sonntag gehört dann den Laien.

Im Zelt im Garten des Hauses das Gastes in Bad Köstritz musiziert das Folkloreensemble Tautenhain.

Foto: Heinrich-Schütz-Haus

Sie hat längst Tradition, die Köstritzer Musikmeile. Diesmal ist es die 23. Auflage, die der Kunst- und Kulturverein der Kleinstadt vom kommenden Freitag bis Sonntag veranstaltet.

„Zum Auftakt die Profis, am Sonntag die Laien“, so beschreibt Vereinsmitglied und Heinrich-Schütz-Haus-Direktorin Friederike Böcher das langjährige Konzept. Für den künstlerischen Höhepunkt am Freitagabend ab 19 Uhr im Festsaal des Palais sorgt ein gebürtiger Bad Köstritzer. Udo-Rainer Follert kommt mit seiner Frau Uta Helene Follert aus Speyer nach Bad Köstritz.

Von Komponistinnen und Dichterinnen

Der 76-Jährige, der die Geburtsstadt mit Heinrich Schütz teilt, lehrte an den Musikhochschulen in Köln und Heidelberg und war von 1987 bis 2008 Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche der Pfalz. Heute ist er im Ruhestand. Seine Frau, die Gesang und Flöte an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar studiert hatte, gründete eine Musikschule in Speyer. Für das Programm hat sich das Paar unter dem Titel „Ich schenk dir meine Seele“ Kammermusik mit Flöten und Tasteninstrumenten ausschließlich von Komponistinnen aus verschiedenen Epochen ausgewählt. Außerdem arrangieren sie Lieder des Evangelischen Gesangbuches, deren Texte ausschließlich von Dichterinnen stammen. Auch Anna Amalia von Preußen und Juliane Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt sind darunter.

Am Sonntag, 16. Juni, 10 Uhr, beginnt der musikalische Gottesdienst in der Köstritzer Kirche St. Leonard. Lektorin Grit Weidner feiert den Gottesdienst mit Köstritzern und Gästen.

Musizieren in „Wohnzimmeratmosphäre“

Sonntagnachmittag um 13.30 Uhr startet das Musikfest im Garten des Hauses des Gastes in der Julius-Sturm-Straße. „Mit dem Ort haben wir einen Platz gefunden, wo alles passt. Hier herrscht Wohnzimmeratmosphäre“, meint Friederike Böcher. „Das große Zelt war es nicht“. Einst hatte man mit einem solchen im Köstritzer Park die Meilen-Geschichte begonnen. Den „Musikalischen Blumenstrauß“, so nennen die Veranstalter den Sonntagnachmittag, binden acht Ensembles oder Interpreten. Dabei sei alles, was in Köstritz musiziere. Dazu gehören die Köstritzer Flötenkinder. Das jüngste dieser Kinder kommt in die Schule, das älteste ist über 80 Jahre. Das um neue Mitglieder gewachsene ensemble carmina ist dabei, das Blasorchester Elstertal, Jochen Weise und „Musik & Schnaps“. So heißt eine Musikgruppe, an der Köstritzer beteiligt sind und die jede Probe mit einem Schnaps beginnt. Angeblich um die schrägen Töne besser zu ertragen. Sie musizieren weltliche und geistliche Musik des 16./17. Jahrhunderts, ­übrigens auch auf einem Pommer – einem im 3D-Druck hergestellten Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt.

Zu Gast sind die ­Geraer Sängervereinigung Harmonie und die Musikschule Fröhlich sowie die Folkloregruppe aus Tautenhain.