Verstärker-Band der Woche: Dogma’n aus Weimar – Herzensprojekt von Profimusikern

Ein eingespieltes wunderbares Team, das nicht überspielen kann, welche Zuneigung es für einander empfindet – und das wohl auch gar nicht erst wollte. Im C. Keller am Weimarer Markt, also da, wo die Geschichte der Band ihren Anfang nahm, sitzen Michael Roetsch, Spiritus Rector von Dogma’n, und Shiva, der bereits vor elf Jahren bei Bandgründung in dem Namen ein Denkmal gesetzt wurde, und warten auf ihr Interview. Das geben sie liebenswürdig und routiniert im Wechselspiel.

Dogma'n aus Weimar: von links Robert Boddin, Lin Dittmann, Michael Roetsch, Andreas Saul. Foto: Band

Dogma'n aus Weimar: von links Robert Boddin, Lin Dittmann, Michael Roetsch, Andreas Saul. Foto: Band

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Die alte Hündin und der erfahrene Blues-Profi blicken auf eine lange aufregende Karriere zurück. 12 Jahre davon haben sie gemeinsam erlebt. So alt ist Shiva. Und sie war immer mit dabei – bis vor einem Jahr auch noch recht aktiv auf der Bühne in der Nähe des Schlagzeugs. Inzwischen ist sie langsamer geworden, ein wenig gebrechlich; aber Michael Roetsch ohne Shiva, das gibt es nicht - weder in seinem Gitarrenunterricht noch bei Konzerten oder Festivals.

Die Border Collie-Dame genießt es spürbar, einfach dabei zu sein, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, auch wenn sie die Spielzeugtrompete nicht mehr mit sich herumschleppt, mit der sie auf dem Band-Flyer porträtiert ist. Michael Roetsch zufolge konnte sie der sogar Töne entlocken.

Eine lange Geschichte vor der Geschichte

Katzenmusik kennt jeder – doch Hundemusik? Kein Wunder, dass niemand weiß, dass das Musik für Hunde ist. Starker satter Bluessound, der Inbegriff von Musikantentum, von Freiheit in Klang, das macht Dogma’n aus. Ein Herzensprojekt offenbar von zahlreichen etablierten Musikern, die alle etwas mit Hunden zu tun haben.

Mit Ausstrahlung weit über die Grenzen Thüringens hinaus ist Dogma’n hervorgegangen aus einem anderen Projekt, das den Sänger und Gitarristen Roetsch und den Bassisten Robert Boddin vor vielen Jahren – nämlich in der Wendezeit – zusammengeführt hat. Als Begleitband wahrhaft Großer ihres Genres kamen sie durch die Welt.

Die gemeinsame Leidenschaft für Frank Zappa vor allem war es dann, die zur Gründung von Dogma’n führte. Inzwischen liest sich die Referenzen-Liste von Dogma’n wie das Who is Who der Blues-Festivals nicht nur in Deutschland.

Genau wie sich das mit jenen Musikern verhält, deren Solo-Touren sie begleiteten: David Evans, Jimmy Carl Black, Uncle Jessie White, Johnny Mars, Jim Armstrong, Lonnie Shields, Elisabeth Lee, Don Rice, London Bluesmasters, Damien Mc Cabe, Randy Mc Allister. Das sind Erfahrungen, die ihren individuellen Stil prägten. Denn auch wenn sie viel Zappa spielen, eine Coverband sind Dogma’n keinesfalls.

Vielfältige Einflüsse

Prägend für den Individualitätsanspruch mögen auch die Erfahrungen sein, die Michael Roetsch noch zu DDR-Zeiten gemacht hat, in denen er schon mit dem einen oder anderen Spielverbot belegt war, als er nicht zuletzt hier im C. Keller im musikalischen Untergrund aktiv war – der Name entstand als Tarnung vor der Stasi, die hinter dem Klingelschild den Namen eines schlichten Bewohners vermuten sollte.

Damals spielte Roetsch Jazz, Punk, Rock auch - auch mit „Blinder Gehorsam“, die es noch bis in die 90er Jahre hinein gab, und die Deutschland sogar bei den internationalen Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung in den Niederlanden 1994 vertraten.

Musik aus dem kreativen Moment heraus

Zwar singen Dogma’n überwiegend englisch – bei der Gattung liegt das am nächsten. Doch eine deutschsprachige Platte findet sich auch in der langen Liste der Veröffentlichungen. Das sei damals auch sehr politisch geraten, meint Michael Roetsch.

Was die Musik betrifft, die sie in ihren Programmen spielen, die immer aus eigenen Titeln und Blues-Standards entstehen, so hebt sich die Produktionsweise von Dogma’n ein bisschen ab von jener anderer Bands. Denn so richtig zum Proben treffen sie sich nicht. Ihre Konzerte leben von der lebendigen Begegnung des Moments, in der entstehen auch oft ihre Songs. „Oder“, meint Roetsch, „der Gitarrist hat eine Idee, und ich schreibe einen Text, oder umgedreht.“

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Und weil ihre Musik so von der Spontaneität des kreativen Moments lebt, lassen Dogma’n auch gern einmal Gäste mitspielen - auf Einladung oder spontan. Nicht selten sind das auch einmal Schüler von Roetsch. Insofern hat Dogma’n aktuell und je nach Anlass auch diverse Besetzungsvarianten zu bieten – erweitert um Bläser oder mit drei Gitarren. Hauptziel auf jeden Fall ist für die Profis bei diesem Projekt, selbst wirklich Spaß bei der Sache zu haben.

Vielfältige Projekte

Pläne für die Zukunft gibt es genug: Das Material für eine Live-DVD von Dogma’n liegt vor. Insofern dürfen die Fans neugierig bleiben. 2016/17 soll auch eine neue Live-CD herauskommen. Es bleibt also spannend, auch weil die Musiker noch so viele andere Projekte am Laufen haben, deren Erfahrungen sie quasi zwangsläufig bei Dogma’n einbringen. Die beiden Schlagzeuger Lin Dittmann und Georg Lenhardt spielen bei Keimzeit beziehungsweise den Apokalyptischen Reitern. Robert Boddin spielt ansonsten noch bei Bayon.

Und Andreas Saul, der Harpspieler und Gitarrist, tourt auch noch mit den London Bluesmasters. Was Roetsch betrifft, so kennt man ihn auch durch Bullfrog-Blues und die Dolly Bastards sowie durch seinen Einsatz für seine Musikrichtung in Thüringen als Organisator.

Auf nach Bad Berka

Und Shiva? Natürlich wird sie auch dabei sein, wenn Michael Roetsch am Sonnabend, 27. Juni, 17 Uhr zum Bluesfestival Bad Berka, ab 17 Uhr im Kurpark die Musikerkollegen von The Fifth Floor Pickers, der Restposten Blues Band, dem Axel Merseburger Trio, Batto Jr. & Onda Kriz sowie The Dynamite Daze empfängt.

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