Virtuoses für den Virtuosen - Christoph Eß spielt in Gera

Heute Abend erklingt im Konzertsaal Gera das Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11. von Richard Strauss. Solist ist der 29-jährige Hornist Christoph Eß.

Christoph Eß ist zum ersten Mal in Gera. Er hofft, an den kommenden Tagen auch ein wenig Zeit zu haben, Ostthüringen kennen zu lernen.Foto: Angelika Bohn

Christoph Eß ist zum ersten Mal in Gera. Er hofft, an den kommenden Tagen auch ein wenig Zeit zu haben, Ostthüringen kennen zu lernen.Foto: Angelika Bohn

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Das Konzert des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera ist dem 150. Geburtstag von Richard Strauss gewidmet. Es dirigiert Imre Palló, der 1941 in Budapest geborene Sohn des gleichnamigen ungarischen Opernsängers, welcher mit Zoltán Kodály befreundet war, dessen Komposition "Sommerabend" das Programm eröffnet. Beethovens 6. Sinfonie, Pastorale genannt, beschließt es. Dazwischen erklingt von Richard Strauss das Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11. Strauss schrieb es für seinen Vater, der erster Hornist der Münchner Hofoper war. Solist ist Christoph Eß, Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs.

Herr Eß, das Sinfoniekonzert in Gera und Altenburg ist Richard Strauss 150. Geburtstag gewidmet. Es erklingt dessen Konzert für Horn und Orchester Nr. 1. Sie sind der Solist. Wann haben Sie dieses Konzert zum ersten Mal gespielt?

2003 im Herbst mit einem Jugendorchester aus Temesvar in Rumänien.

In der Ankündigung steht der Satz: Das Konzert findet mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Musikrates und der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) statt. Was muss man sich darunter vorstellen?

Ich habe 2009 beim Deutschen Musikwettbewerb in Berlin mitgemacht und dort ein Stipendium erhalten. Meine Gage wird sozusagen von Orchester und Deutschem Musikrat geteilt. Die GVL unterstützt diese Stipendien.

Sie werden jetzt 30 Jahre alt, sind seit sechs Jahren bei den Bamberger Symphonikern als Solohornist engagiert. Fast genauso lange unterrichten Sie an der Musikhochschule in Stuttgart, wo Sie ihr Diplom machten. Sie sind international als Solohornist gefragt. Sie haben das Hornquartett "german hornsound". Schätzen Sie sich selbst als besonders diszipliniert und organisiert ein?

Eine gewisse Disziplin ist sicherlich wichtig. Allerdings hatte ich auch viel Glück mit meinen Lehrern und wahrscheinlich auch ein wenig Talent, so dass ich meine Jugend trotzdem genießen konnte. Aber eine gute Organisation ist enorm von Vorteil. Das stimmt.

Wie oft im Jahr sind Sie zu Gastspielen unterwegs?

Als Solist habe ich momentan zwischen 15 und 20 Konzerte im Jahr neben meinem Orchesterdienst in Bamberg. Dazu noch mal ungefähr gleich viel mit "german hornsound".

Gibt es eigentlich einen Preis, den Sie noch nicht gewonnen haben?

Bestimmt noch viele. Das interessiert mich aber gar nicht so sehr. Die Wettbewerbszeit war für mich toll und sehr interessant, aber jetzt sind ganz andere Dinge wichtig.

Wie viele Instrumente besitzen Sie? Was für ein Instrument spielen Sie zu den Konzerten in Gera und Altenburg? Gibt es so berühmte Hornbauer wie Geigenbauer? Und wo kaufen Sie ihre Instrumente eigentlich oder lassen sie fertigen?

Ich besitze selbst vier verschiedene Hörner. Davon jedoch nur ein Doppelhorn, welches ich nicht nur in Gera spiele, sondern auch für 95 Prozent aller Auftritte, sowohl solistisch als auch im Orchester. Zusätzlich habe ich noch ein Naturhorn, ein Diskanthorn für sehr hohe Passagen und ein Alphorn. So berühmte Hornbauer gibt es nicht. Der Preisrahmen ist ja ein völlig anderer und außerdem haben Blechblasinstrumente einen Wertverlust und nicht wie bei Geigen einen enormen Zuwachs.

Sie haben mit drei Blockflöte gespielt. Wie kommt man als Kind dann auf die Idee, Horn zu spielen?

Diese Geschichte klingt kitschig, ist aber so passiert. Mit drei Jahren schenkten mir meine Eltern Prokofjews "Peter und der Wolf" zum Geburtstag und ich war fasziniert vom Klang des Hornes, welches den Wolf imitiert. Damals sagte ich schon: Ich will Horn lernen.

Blasmusiker brauchen gute Lungen. Wie bleiben Sie fit?

Ich mache Sport. Rennradfahren, Joggen und vor allem Fußball. Aber leider zu wenig in letzter Zeit. Aber auch unsere kleine Tochter hält mich täglich auf Trab!

Das Horn braucht nervenstarke und selbstbewusste Musiker, die sich vor Kicksern nicht fürchten. Wann passieren die und wie gehen Sie damit um?

Kiekser passieren jedem Profi. Das Horn ist so lange und gewunden. Die Luft hat also genügend Möglichkeiten, nicht zentriert durch das Metallrohr zu strömen, sondern hier und da anzustoßen. Dann passieren Kiekser. Wenn diese nur der Konzentration geschuldet sind, ärgert man sich natürlich über sich selbst. Aber im Konzert lernt man, den Ärger zu verstecken. Das gehört zum Horn. Nicht umsonst heißt es "Die Glücksspirale der Instrumente"!

Richard Strauss hat das Konzert seinem Vater gewidmet, der Solohornist in München war. Worin liegen die Besonderheiten dieses Hornkonzerts?

Besonderheit ist sicherlich, dass Strauss das Konzert mit 18 Jahren geschrieben hat. Formal ist es fast ein klassisches Konzert. Technisch jedoch schreibt Strauss schon sehr virtuose Passagen, die seinen Vater eher überforderten, weswegen er auch von der Uraufführung zurück getreten ist.

! Heute und morgen im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera , am Freitag im Landestheater Altenburg, Beginn jeweils 19.30 Uhr, Einführung 18.45 Uhr

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