Vom LKW-Fahrer bis zum Masterstudenten: Kariäs aus Jena ist die Band der Woche

Band der Woche im Thüringer Bandportal Verstärker: Kariäs aus Jena

Band der Woche im Thüringer Bandportal Verstärker: Kariäs aus Jena Foto: Dajana Fotodesign

Band der Woche im Thüringer Bandportal Verstärker: Kariäs aus Jena Foto: Dajana Fotodesign

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Punkrock, der in aller Munde ist

Das Ereignis, von dem die Anekdote erzählt, stand am Schluss eines langen Prozesses der Namensfindung. Auf jeden Fall soll Kenny da zum Duden gegriffen haben, auf irgendeinen Begriff getippt, um endlich die Diskussion zu beenden, wie man die Band nennen könnte. Die Doppeldeutigkeit seines Satzes: „Nennen wir uns Karies, dann sind wir in aller Munde“, wurde ihm bewusst, als der ausgesprochen war. Aber das Vergnügen blieb, das diese Vorstellung auslöste. Es entstand die - zumindest im hiesigen Dialekt absolut identisch klingende Wortschöpfung - Kariäs. Und in der Tat: Der Bandname ist nicht nur eingängig, sondern absolut einzigartig - zumindest führen Internetsuchmaschinen, die man nach Kariäs fragt, eindeutig nach Jena zu Kenny, Darragh, Rob und Rico, die seit 2009 zusammen Musik machen und seit 2010 sogar öffentlich, und auf ihr witziges Logo, das in Erinnerung bleibt: ein Zahn, aus dem heraus sich metal-mäßig eine Hand zu Wort meldet.

Ein bisschen ironisch, wie ihre Musik ist das schon - frech und irgendwie verschwörerisch zugleich. Schließlich singen sie auch schon einmal von der Zahnfee.

Ein Jahr Vorarbeit im Probenraum

Gekannt - zumindest teilweise auch musikalisch - hatten sie sich damals schon eine ganze Weile. Wer wann wem schon in der Schulzeit begegnet ist, ist eine komplexe Geschichte, genau wie es sich auch mit Vorprojekten verhält. Auf jeden Fall aber haben eben irgendwann später genau diese vier Musiker beschlossen, eine Band zu gründen und sich nicht nur erst einmal ein Jahr in den Probenraum zurückgezogen, um ihre Musik zu entwickeln, eine eigene musikalische Sprache zu finden, sondern das auch noch mit verblüffender Konsequenz.

Drei mal pro Woche waren das damals schon, erinnern sich die Musiker, die auch heute noch auf ein strenges Probenregime setzen. Dass es dann Punkrock war, was herauskam, als sie sich herauswagten aus dem Probenraum, ist nicht unbedingt verwunderlich. Damit sind sie groß geworden, das ist ihre Musik: „Die toten Hosen“, „Die Ärzte“ - natürlich. Beeinflusst hat sie aber auch die amerikanische Punkrockszene. Doch der eine englische Song in ihrem Repertoire ist eher die Ausnahme. Nicht nur, weil Kenny, der bereits mit 14 alle Platten der Ärzte besaß, das Texten in seiner Muttersprache leicht von der Hand geht.

Alltagsthemen im Mittelpunkt

Noch immer seien es die Themen und Texte, die zumeist zuerst da sind beim Songwriting. Daher wird auch an relativ fertigen Songs gearbeitet, die dann zwar am Ende auch wieder völlig anders klingen können, aber eine klare Linie haben. Kein Wunder, denn davon, dass das, wovon sie singen, mit ihnen zu tun haben muss, davon sind die vier überzeugt. Ihre Themen finden Kariäs im Alltag. Und gesellschaftskritisch soll das, was sie machen, durchaus auch sein. Sie singen vom Zwischenmenschlichen und vom Älterwerden und natürlich vom Keine-Zeit-Haben. Außerdem ist das Spektrum an Realitätserfahrung weit gestreut vom Geschäftskundenbetreuer beim Energieanbieter über den LKW-Fahrer, den angehenden Kulturpädagogen zum Masterstudenten der Politikwissenschaft.

Dabei seien sie beim Musikmachen immer für eine Überraschung gut: „Zähne für die Zahnfee“ sei quasi spontan bei der Produktion ihres Debütalbums im Studio entstanden und live eingespielt worden.

Überraschung durch Eingängigkeit

13 Songs hatten sie vollendet, als sie sich erstmals testweise auf eine Bühne wagten, ein komplettes Set eben. Und die Reaktionen zeigten vor allem Überraschung über die doch im positiven Sinne eingängige Musik: deutschsprachigen Punkrock eben, der in seinem Format im Prinzip radiotauglich wäre. Wenn man im Radio Punkrock von Newcomer-Bands spielen würde, hätten Kariäs natürlich auch nichts gegen das Radio, wie sie scherzend zugeben. Allerdings laufen sie solchen Zielen auch nicht übermäßig angespannt hinterher. Im Moment wollen sie einfach spielen. Und das heißt für sie, Spaß mit dem Publikum zu haben.

Bunte Fangemeinde

Ihr Publikum haben sie sich zunächst im heimatlichen Jena erspielt, das mit seiner Clubszene ja auch genug Möglichkeiten bietet. Hier waren sie auch schon Vorband von Pink Money Stuff. Logischerweise geht es von hier aus weiter in die Welt. Einige Konzerttermine für den Sommer stehen schon - beispielsweise in Chemnitz am 10. Juli.

Dass zur Fan-Schar jeweils auch die eigenen Familien gehören, freut die vier natürlich sehr. Denen sind sie auch ungeheuer dankbar für Verständnis und Unterstützung. Und dass Kennys Oma mit Konzertbesuchen eindeutig Position bezieht, erzählt der Sänger und Gitarrist mit Begeisterung. Auf jeden Fall weiß er ganz offensichtlich, welch Glück es ist, so eine tolle Großmutter zu haben.

Auch nach Albumproduktion immer noch Spaß zusammen

Ein Jahr - gefühlt acht, schmunzelt Kenny - hat nun die Produktion des Debütalbums gedauert. „Kariäs“ heißt es, und zeigt ein buntes Kaleidoskop engagierter Punkmusik der Gegenwart. Dafür, dass Albumproduktion und Videodreh so relativ reibungslos abgegangen sind, sind Kariäs Florian Rahm vom „Nautilus Studio“ aus Gera und Cedric DeVoh von „Pakkamocho Productions“ wahnsinnig dankbar, genau wie Andrej Subarew, der mit seiner Booklet-Gestaltung dafür gesorgt hat, dass man das Album besitzen muss und nicht irgendeinen virtuellen Musikspeicher.

Was die gemeinsamen Erfahrungen bei der Albumproduktion betrifft, so sind sich zwar alle einig, dass sie sich immer noch nicht satt haben - im Gegenteil. Immerhin waren die Musiker einander in dieser Zeit 24 Stunden am Tag ausgesetzt. Aber was Studio und Produktion angeht, da gehen doch die Meinungen weit auseinander, ob man die entsprechenden Strapazen gleich wieder auf sich nehmen würde. Doch eigentlich ist das ja egal. Das Album ist fertig und jetzt soll es wieder auf die Bühnen gehen. Neue Songs sollen natürlich auch entstehen. Pläne jedenfalls haben Kariäs genug. Ihr fünfjähriges Bühnenjubiläum soll im Herbst zünftig gefeiert werden. Und ein Festivalauftritt irgendwo in der näheren oder ferneren Umgebung, das wäre auch eine schöne Sache.

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