Zeitgenössische slowakische Musik im Neuen Schloss Bad Lobenstein

Der Komponist Peter Machajdík hört am Sonntag, wie Pavel Burdych und Zuzana Bere ova einige seiner Werke im Barocksaal des Neuen Schlosses von Bad Lobenstein intonieren.

Komponist Peter Machajdík setzte sich am Abend ebenfalls an den Flügel. Foto: Roland Barwinsky

Komponist Peter Machajdík setzte sich am Abend ebenfalls an den Flügel. Foto: Roland Barwinsky

Foto: zgt

Bad Lobenstein. "Slowakische Musik gestern und heute" war der Titel des Konzertprogramms am Sonntag im "Neuen Schloss". Eröffnet wurde das Gastspiel durch das Tschechisch-Slowakische Kammerduo mit "Bilder einer wandelnden Schönheit".

Komponiert hatte dieses Werk Peter Machajdík. Der ­Slowake war selbst anwesend und freute sich, sein eigenes Schaffen partiell auch praktisch vorzustellen. Was das Publikum hörte, sei fast alles in Deutschland entstanden, wo er seit Jahrzehnten gern lebt. Auch die ­Gäste hier in Thüringen hätten durch ihre Steuern ermöglicht, dass diese Art Kunst so kreiert werden konnte. Machajdík, der bereits jetzt auf eine beeindruckende Vita verweisen kann, brillierte danach nicht nur am Piano.

In seiner Heimat schuf er einst Film- und Theatermusiken sowie kammermusikalische Werke. Parallel dazu arbeitete der Mann aus Bratislava mit bildenden Künstlern zusammen und lernte Tänzer plus Performance kennen. Heutzutage ist der Komponist weithin bekannt und einer der meistgespielten seines Landes im deutschsprachigen Raum. Ausreichend ­Humor gehört ebenfalls zu ihm. So stand auf dem Konzert-Begleitzettel das Stück "Bin noch am Überlegen". Diese Werk ­gäbe es in seinem Repertoire überhaupt noch nicht, schmunzelte der Weitgereiste. Nur durch einen Übertragungsfehler per Telefon schaffte es diese Zeile bis in die Vorankündigung. Aber die Wortwahl sei so toll, dass es wohl demnächst einen Titel mit genau dieser Bezeichnung geben werde.

Nach der Pause spielte durchweg das Tschechisch-Slowakische Kammermusikduo. Im Mittelpunkt stand in diesem Teil die Sonate As-Dur, Op. 1 von Eugen Suchon (1908-1993). Es war ­sicherlich keineswegs ein Zufall, dass dieses Stück aus dem Jahr 1930 auf dem Programm stand. Suchon mochte unter anderem Antonín Dvorák(1841-1904) sowie die kreative Eleganz eines Maurice Ravel(1875-1937). Bei seinem Schaffen hatte er zugleich das Schicksal einer kleinen slowakischen Nation vor Augen.

Das Dur-Moll-System wurde genutzt, um den individuellen Weg der Befreiung und das ­Ringen um nationales Selbst­bewusstsein auszudrücken. Man spürte die dabei entstandene gedankliche Zerrissenheit, die Brüche innerhalb historischer Prozesse.

Der sichtlich beeindruckte Bad Lobensteiner Bürgermeister Thomas Weigelt dankte den Künstlern für diese doch recht unikate Hörkultur.

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