Nordhäuser Clubkultur wird um neuen Szenetreff reicher

Nordhausen.  Der Verein Kleine Freiheit sieht sich in der Tradition der Destille, will aber mehr sein: In der Unterstadt soll ein soziokulturelles Zentrum wachsen.

Ehrgeizige Ziele haben Niels Weißenborn, Stephanie Tiepelmann-Halm, Gregor Busch und Alexander Scharff (von links) vom Verein Kleine Freiheit.

Ehrgeizige Ziele haben Niels Weißenborn, Stephanie Tiepelmann-Halm, Gregor Busch und Alexander Scharff (von links) vom Verein Kleine Freiheit.

Foto: Marco Kneise

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Der 26. Dezember vorigen Jahres, für viele junge Südharzer dürfte er als rabenschwarzer Tag in die Annalen eingehen. Damals erlebte Nordhausens Clubszene mit der letzten Party in der Destille einen weiteren Aderlass. Nach dem Ende vom Schabernack, einer zeitweiligen Disko an der Darre, und einer deutlichen Verkleinerung der Alten Weberei war sie bis dahin noch regelmäßiger Treffpunkt für Tänzer und Freunde alternativer Musik. „Das Ende hat uns das Herz gebrochen“, erinnert sich Gregor Busch. „Es entstand ein Leerraum“, gibt Stephanie Tiepelmann-Halm ihm Recht.

Und tatsächlich: Zwischen Teenie-Großraumdiskothek und schicker Bar für gesetzteres Publikum klafft in Nordhausen eine Lücke. Doch aus dieser „Verlustangst um die Destille“, wie Alexander Scharff es nennt, sei auch eine Idee erwachsen. Hinter vorgehaltener Hand hatte der schon im Frühjahr von der Vision für ein neues soziokulturelles Zentrum gesprochen.

Eine alte Werkstatt soll zum Kulturdomizil werden

Allein, es fehlte an der passenden Immobilie: Zu weit von der Innenstadt, zu nah an Wohnhäusern für laute Musik – irgendetwas war immer. „Ich kenne mittlerweile wohl jeden Klinkerstein in der Stadt“, scherzt Scharff über die lange Suche. Der Grund, dass er wieder scherzen kann, trägt einen Namen: Niels Weißenborn. Der stolperte schließlich im Internet auf eine passende Immobilie in der Unterstadt.

Noch soll der genaue Standort geheim bleiben, doch die Idee für die 1913 erbaute Stellmacher-Werkstatt mit ihrem charmanten Innenhof hat bereits erste Konturen: Entstehen soll darin ein alternatives Stück Clubkultur, das mehr ist als nur eine Destille 2.0. Eine Kleinkunstbühne für Theaterstücke und Kabarett soll es werden, ein Ort für Lesungen ebenso. „Und vieles mehr. Ein Raum voller Kreativität. Ein Stück Großstadt in Nordhausen“, fasst Tiepelmann-Halm all ihre Hoffnungen zusammen.

Weitere Vereinsmitglieder sind willkommen

Tiepelmann-Halm, Busch, Scharff und Weißenborn – die vier sind Mitglieder eines eigens dafür gegründeten Vereins. Unter dem Namen Kleine Freiheit hätten sich binnen weniger Tage 35 Mitglieder – vom Studenten bis zum Stadtrat – firmiert, berichtet Busch. Er wird der Kleinen Freiheit vorsitzen. Zur Seite stehen soll dem 1985 geborenen Marketingmann Tiepelmann-Halm, die bereits in Weltladen und Schrankenlos-Verein die Zügel in der Hand hält. „Doch damit die Idee fliegt, braucht es wesentlich mehr Mitglieder“, wirbt Scharff.

Im Blick hat er dabei nicht nur die Finanzierung der Immobilie, in die nun viel Arbeit und Geld zur Ertüchtigung einer künftigen Studenten-WG sowie in den Lärm- und Brandschutz fließen müssen. Nein, Scharff denkt auch an die Zukunft dieses soziokulturellen Zentrums: „Dafür braucht es viele unterschiedliche Ideen.“ Die Entwicklung der Kleinen Freiheit werde daher ein Prozess, springt ihm Weißenborn zur Seite. „Und so“, hofft er, „entwickelt sich der Club von der Plattform für unterschiedlichste Subkulturen zur festen Kulturinstanz.“

Es sind ehrgeizige Ziele. Doch 2300 Zugriffe auf ein Internetvideo zur Gründungsversammlung und über 100 Mails mit begeisterten Reaktionen von Nordhäusern, die teils gar in Australien leben, lassen Vereinschef Busch und seine Mitstreiter hoffen.

Mitgliedsanträge werden per Mail entgegengenommen unter der Adresse: kleinefreiheit@gmx.net

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