Puppentheater Gera: Sarafina Seidenfein und der nackte Kaiser

Gera.  Lena Hesse und Lys Schubert bringen das Andersen-Märchen in einer Fassung für das Puppentheater in Gera auf die Bühne.

Theater Altenburg Gera, „Des Kaisers neue Kleider“ mit Lys Schubert

Theater Altenburg Gera, „Des Kaisers neue Kleider“ mit Lys Schubert

Foto: Ronny Ristok ronny.ristok@theater-altenburg-gera.de / Theater Gera-Altenburg

Ach du meine Krone, jammert der Kaiser und ist wirklich arm dran. Sitzt er doch auf einem riesigen Kleiderberg und hat trotzdem nichts anzuziehen. Die Jacke ist zu blau, die Hose zu kurz, die Weste zu alt... Kein Wunder, dass er über diese Sorgen das Regieren vergisst. Schließlich weiß jeder, dass einem Kaiser in schlechten Kleidern niemand traut.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, macht ihn sein betagter Kanzler darauf aufmerksam, dass demnächst ein feierlicher Aufzug geplant sei und seine Majestät noch die Rede vorbereiten müsse. Ist das nicht zum Verzweifeln?

Da kommt dem geplagten Monarchen Sarafina Seidenfein gerade recht. Sie verspricht, wunderbare Stoffe weben zu können, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. So fein, so zart, so leicht und farbenfroh, dass es eine wahre Freude ist. Ein Problem gibt es allerdings, behauptet die Kleidermacherin: Die Zauberstoffe sind nur von klugen und würdigen Menschen zu sehen, für Dumme sind sie unsichtbar. Wer aber will schon dumm sein?

Samstagnachmittag hatte das Andersen-Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ in einer Fassung für das Puppentheater von Lena Hesse und Lys Schubert im Puppentheater Gera Premiere. Wenn auch coronabedingt die Zuschauerreihen arg gelichtet sind, haben große und kleine Besucher viel Freude an der flotten, hintersinnigen und fantasievollen Inszenierung (ab vier Jahre), für die Maja Aurora Svartaker Puppen, Bühne und Kostüme geschaffen hat.

Die zauberhafte Lys Schubert ist Kaiser, Kanzler, Kleider- und Geräuschemacherin. Sie lässt den Webstuhl leuchten und begleitet seine Majestät durch Albträume, sie führt die scheinheiligen Minister vor, die per Videokonferenz zugeschaltet sind, und sie lässt das Volk im Saal und auf der Bühne jubeln: „Können Sie die Stoffe sehn? Ja die sind ganz wunderschön!“

Diese Farben, diese Muster, diese Menschen...Natürlich lässt sich der Kaiser – eitel und unsicher, wie er ist – von Sarafina Seidenfein hinters Licht führen und nimmt gänzlich unbedeckt auf seinem Thron die Parade ab. Und natürlich ist der Monarch zunächst entsetzt, als ein kleiner Junge ruft, was alle längst wissen und keiner zugeben will: „Der Kaiser hat ja nix an!“

Der Kaiser aber wäre nicht der Kaiser, wenn er sich die Wahrheit nicht zurechtbiegen würde: Nackt ist er zwar, das lässt sich nicht abstreiten. Aber ganz dumm ist er auch nicht, und folglich taugt er zum Regieren...

Die nächsten Vorstellungen: 27., 28. und 29. 10, 10 Uhr; 31.10. und 1.11., 16 Uhr; www.theater-altenburg-gera.de