Satire: Die Wahrheit über die Lügenpresse

TA-Autor Henryk Goldberg glaubt, endlich die Wahrheit über die Lügen- und Systempresse schreiben zu dürfen.

„Lügenpresse“-Plakate sind bei Demonstrationen von AfD und Pegida gang und gäbe. Das Foto zeigt einen Teilnehmer einer Demonstration der islamkritischen Pegida-Bewegung in Stuttgart. Archiv-Foto: Daniel Naupold/dpa

„Lügenpresse“-Plakate sind bei Demonstrationen von AfD und Pegida gang und gäbe. Das Foto zeigt einen Teilnehmer einer Demonstration der islamkritischen Pegida-Bewegung in Stuttgart. Archiv-Foto: Daniel Naupold/dpa

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Liebe Leser, den folgenden Text habe ich an der Zensur vorbei ins Blatt geschmuggelt. Lesen Sie hier die ganze Wahrheit!

Es war wie an jedem Morgen in der Redaktion. Der maßgebliche Redakteur blätterte in der aktuellen Ausgabe der Thüringer Allgemeinen. Eigentlich müsste alles gut sein. Er hatte dem Redaktionsdackel Herrn Lehmann mit dem First Pet des Landes, dem Jack Russel des Ministerpräsidenten, eine hübsche kleine Geschichte mit vielen schönen Bildern gewidmet. Attila hatte ein Foto mehr als Herr Lehmann, es müsste alles gut sein.

Die Staatskanzlei hatte sehr deutlich angedeutet, eine solche Geschichte gern im Blatte zu finden, und, hatte der leitende Anleiter hinzugefügt, es sei doch seltsam, dass irgendein krumm-beiniger Dackel irgendeines Herrn Schmidt wöchentlich seinen Auftritt habe, während der Hund des Ministerpräsidenten offenbar keine Aufmerksamkeit verdiene. Der maßgebliche Redakteur wusste, dass sie etwas gutzumachen hatten – vor wenigen Tagen erst hatte ein Redakteur etwas halbwegs Positives über die AfD geschrieben, worauf er eine Abmahnung bekam und alle Redakteure die eindringliche Weisung, fortan nur negativ und polemisch über die AfD zu berichten.

Als einige Redakteure murrten und einer gar meinte, sie wären eigentlich alle Anhänger der AfD, das seien doch vernünftige Leute, da fragte der Chefredakteur, ob sie nicht wüssten, wie viel Journalisten es gäbe, die sich sonst was lecken würden für einen Arbeitsplatz. Seitdem war Ruhe, und die Berichterstattung über die AfD gewann eine gewisse Schärfe. „Na also, geht doch“, sagte daraufhin der leitende Anleiter zufrieden und übersandte, zum Zeichen der Vergebung, durch den Kurier Mike Mohring zwei handsignierte Fotos des Ministerpräsidenten.

Nun wartete der maßgebliche Redakteur wohlgemut auf das Lob für die Hundenummer. Endlich klingelte das Telefon, die Staatskanzlei. „Was denkt ihr euch da eigentlich!“, brüllte der leitende Anleiter durch die Leitung. Es war keine Frage, es war eine Drohung. „Wieso zum Teufel ist euer blöder Dackel mit seinen dämlichen krummen Beinen auf einem Foto so gut von vorn zu sehen und Attila nur im Profil, wo er immer so aussieht, als ob er Falten hätte?! Und wieso schickt ihr zu so einem Top-Termin nicht den Fromm?!“

„Scheiße!“, dachte der maßgebliche Redakteur und erklärte, dieser Fotograf sei gerade in China, um – da unterbrach ihn die Stimme. „Ach ja, wenn in China ein Sack Reis umfällt, dann ist das wohl wichtiger als der Hund des Genossen Ministerpräsidenten?! Noch mal so ein Ding und ich verschaffe Ihnen einen Job als Gleichstellungsbeauftragter!“

Der maßgebliche Redakteur erbleichte. „Wenn Sie da wieder rauskommen wollen“, schnarrte die eiskalte Stimme am Telefon, „gibt es nur eine Möglichkeit!“ „Ja?“ sagte der maßgebliche Redakteur hoffnungsvoll. „Ich weiß ja“, versetzte der leitende Anleiter, „dass die meisten der Schwachköpfe bei euch den Höcke toll finden, aber das ist mir scheißegal! Die bekommen ihre fette Kohle schließlich von uns. Ab jetzt geht das noch ein bisschen schärfer ab, verstanden!“ „Selbstverständlich“, hauchte der maßgebliche Redakteur. „Gut“, sagte nun etwas besänftigt die Stimme aus der Regierungsstraße, „Sie werden den Höcke vor der nächsten Demo so richtig zur Sau machen – Seite 1 – und ihn Bernd nennen!“ „Aber“, entgegnete schüchtern der Redakteur, „der heißt doch Björn.“ „Eben Sie Schwachkopf! Dann ärgert der sich nämlich die Plauze. Verstanden!“ „Ja, aber“, versuchte es der maßgebliche Redakteur ein letztes Mal, „dann ruft womöglich einer Lügenpresse…“

„Ach halt die Fresse“, unterbrach der leitende Anleiter geistesgegenwärtig und lachte herzlich, während der Angesprochene dieser Aufforderung umfassend nachkam. „Darum geht es doch, Mann! Wir haben ein paar Leute vom Verfassungsschutz, die werden so lang Lügenpresse brüllen, bis die anderen mitmachen.“ „Und dann?“, fragte der maßgebliche Redakteur irritiert, er war von der altmodischen Schule und glaubte noch, eine Recherche sei eine Recherche. „Recherchieren, onanieren“, schnaubte das Telefon verächtlich und lachte kurz und herzhaft, „Mensch, wie kann ein einziger Kerl nur so begriffsstutzig sein! Wenn der Höcke sich darüber aufregt, falls er so dämlich sein sollte, können wir ihn so richtig zum Brot machen. Verstehen Sie doch mal: Bernd das Brot“, grinste der leitende Anleiter.

„Und dann können wir zeigen, dass die es sind, die lügen. Schließlich, das Wetter und Attila, worüber ihr eben so schreibt, und die Thüringer Affäre von diesem Dingsda, diesem rumänischen Sänger, das gibt es ja wirklich, und manchmal stimmt ja sogar euer Kinoprogramm.“

„Aber…“, sagte der maßgebliche Redakteur. „Nichts aber!“, fuhr ihm der leitende Anleiter harsch dazwischen, „wir haben das heute Morgen in der Agitationskommission bei Bodo so beschlossen. Außerdem wird das die Querköpfe bei euch zur Räson bringen. Wenn diese Höcke-Versteher von dem Lügner genannt werden, dann überlegen sie sich vielleicht, wem sie da nachlaufen wollen. Und in die Flüchtlingsfrage kommt endlich etwas Parteilichkeit.

Ab morgen kommen die entsprechenden Meldungen hier nur noch von uns. Wir sagen euch schon, wie viele Ärzte unter den Flüchtlingen sind und dieses Kriminalitätsgefasel hört auch auf. Ich will ab sofort keinen Scheiß mehr über kriminelle Flüchtlinge in der Zeitung und keine Schlägerei! Diese Massenvergewaltigungen sind ein bedauerlicher Einzelfall, klar! Und diese blonden Schlampen sind schließlich selber schuld! Also Mann, wenn Sie Ihren Job behalten wollen, dann lese ich morgen etwas von Bernd Höcke in Ihrem Käseblatt. Schließlich bezahlen wir euch alle!“

Dann knackte es in der Leitung.

Der maßgebliche Redakteur dachte an seine Frau und die Kinder. Dann fuhr er seufzend den Computer hoch und begann zu schreiben.

Liebe Leser, sollten Sie nach dieser mutigen Entlarve nichts mehr von mir hören, dann hat die Systempresse mich gefeuert, weil sie die Wahrheit nicht verträgt. Bitte spenden Sie in diesem Falle für mich und meine Familie. Der Autor

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