Schloss Friedenstein in Gotha: Ein Geldsegen, der Arbeit macht

Gotha.  Auf Gothas Friedenstein beginnt eine strategische Neuorientierung erst zaghaft

Weihnachtliche Bescherung für Schloss Friedenstein Gotha: Der Bund spendiert 50 Millionen Euro zusätzlich für die Sanierung sowie 3,5 Millionen Euro jährlich an Projektmitteln. Im Westflügel laufen die Bauarbeiten bereits dank eines älteren Förderprogramms.

Weihnachtliche Bescherung für Schloss Friedenstein Gotha: Der Bund spendiert 50 Millionen Euro zusätzlich für die Sanierung sowie 3,5 Millionen Euro jährlich an Projektmitteln. Im Westflügel laufen die Bauarbeiten bereits dank eines älteren Förderprogramms.

Foto: Martin Schutt / dpa

Hell leuchtet die Freude auf Gothas Friedenstein über die Gaben aus Berlin. Mit bis zu 50 Millionen Euro zusätzlich fördert der Bund die Sanierung des Schlosses. Damit dürfte finanziell gewährleistet sein, dass die Baumaßnahme zum Abschluss findet; sie ist bereits aus einem älteren Programm mit 60 Millionen Euro dotiert.

Völlig zufrieden sind Carsten Schneider, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, und Matthias Hey, SPD-Fraktionschef im Landtag, trotzdem nicht. Schneider wollte unbedingt den Bund institutionell einbinden. Im Bundeshaushaltsausschuss ist davon nur die Bitte an die Bundesregierung geblieben, darüber zu verhandeln. Das Thema müsse nun zügig entschieden werden, forderte Schneider. Zumindest erhalten die Gothaer jährlich 3,5 Millionen Euro Projektmittel, die nicht gegenfinanziert werden müssen.

Friedenstein soll zu „national bedeutsamem Kulturort“ ausgebaut werden

Hey beklagte die Personalausstattung der Schlösserstiftung mit Sitz in Rudolstadt, die mit 23 Mitarbeitern 31 historische Liegenschaften betreue – darunter auch den Friedenstein. „Da müssen wir schleunigst nachbessern“, sagte Hey in Richtung Landesregierung – nicht zuletzt, weil es keineswegs einfach sein wird, dem barocken Friedenstein bis zu 160 Millionen Euro in so kurzer Frist angedeihen zu lassen. Einerseits möchte Hey die Rudolstädter Stiftung so ausbauen, dass sie auch Museen aufnehmen könnte. Andererseits käme der Friedenstein aber dafür gar nicht in Frage.

Schon die schiere Größe der Sammlungen steht dem entgegen. Direktor Tobias Pfeifer-Helke zählt mehr als eine Million musealer Objekte. „Das Perthesdepot ist rappelvoll“, jammerte er, da bleibe kaum Platz für die Digitalisierung. An diesem Projekt – ebenfalls großzügig vom Bund ausgestattet – arbeitet sein Team nun im Westflügel des Schlosses. Ziel ist, „dass wir den Friedenstein zu einem national bedeutsamen Kulturort ausbauen“. Und: „Der Aspekt der kulturellen Bildung wird zunehmend eine zentrale Rolle spielen.“ Konzeptideen blieb er aber fürs Erste schuldig.

Dabei hatte doch Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) vorige Woche gefordert, man müsse den Friedenstein grundlegend neu denken. Er würde am liebsten die kostbare Herzogliche Bibliothek aus der Obhut der Universität Erfurt in die Friedenstein-Stiftung übernehmen. Doch Matthias Hey sagte nun, er betrachte diese Zusammenlegung eher als ein langfristiges Ziel.

So verwirrend spontane Freude über Millionen-Gaben auch sein mag: Konzeptionelle Klarheit zu schaffen, sollte nun vorrangiges Anliegen auf Friedenstein sein.

www.stiftungfriedenstein.de