Spur der Keime (10): Vorbild an Barmherzigkeit

Eisenach.  Die heilige Elisabeth stiftete Hospitäler in Gotha, Eisenach und Marburg.

„Die heilige Elisabeth pflegt Kranke“: Das Gemälde vermutlich flämischen oder niederländischen Ursprungs entstand im 16. Jahrhundert und zählt heute zum Bilderfundus der Wartburg.

„Die heilige Elisabeth pflegt Kranke“: Das Gemälde vermutlich flämischen oder niederländischen Ursprungs entstand im 16. Jahrhundert und zählt heute zum Bilderfundus der Wartburg.

Foto: Stefan Bohnwagner / Wartburg-Stiftung

So kurz ihr irdisches Leben, so lang währt ihr himmlischer Nachruhm: Szent Erzsébet, die heilige Elisabeth (1207-1231), gilt der gesamten Christenheit als ein vornehmes Vorbild an Barmherzigkeit. Die Prinzessin aus Ungarn, die mit vier Jahren nach Thüringen und auf die Wartburg kam, stellte ihr Leben in den Dienst der Nächstenliebe, indem sie selbstlose, tätige Hilfe für Arme und Kranke leistete und auf eigenen Wohlstand verzichtete. Sie als Mutter Teresa des Mittelalters zu bezeichnen, bärge einen allzu schwachen Vergleich.

Auf der Sonnenseite des Lebens geboren, wurde Elisabeth zwecks dynastischer Machtpolitik mit Ludwig, dem späteren Landgrafen, vermählt. Dennoch wandte sie ihre Schritte von der Burg lieber talwärts, um den Armen und Notleidenden Eisenachs Brot und Zuspruch zu spenden. Gern gesehen wurde so etwas nicht. Als Ludwig sie einmal, so die Legende, auf ihrem Wege ertappte, schlug sie das Tuch über ihrem Korb zurück – und anstelle von Brotlaiben fanden sich Blumen darin: das angebliche „Rosenwunder“. Anno 1223 gründete die Landgräfin gemeinsam mit Ludwig in Gotha das Maria-Magdalenen-Hospital, bald später ein weiteres Siechenhaus in Eisenach sowie, inzwischen verwitwet, eines in Marburg, das sie nach Franz von Assisi benannte.

Stur ging die schon zu Lebzeiten im Volk Verehrte ihren Weg – was aber hat sie angetrieben? Man versteht die Motivation dieser Fundamentalistin nur aus dem Geist einer tiefgläubigen Zeit. Als frommes Ideal galt die „Vita apostolica“, die aktive Nachfolge Christi, wie Grit Jacobs, Sammlungskuratorin auf der Wartburg, erklärt, und als deren Schlüssel die implizite Aufforderung Jesu: „Was ihr getan habt dem geringsten eurer Brüder, das habt ihr mir getan.“ Die Beginen, eine Laienbewegung mit klosterähnlichem Leben und Regeln sowie die Gründung von Armutsorden – Franziskaner, Dominikaner – fallen in diese Epoche.

1225 treffen Franziskaner in Eisenach ein; auch Elisabeth legt ein Armutsgelübde ab, und nicht zuletzt ihr strenger Beichtvater Konrad von Marburg, der sofort nach ihrem Tode ihre Heiligsprechung betrieb, hat sie in ihrem mildtätig-frommen Tun angefeuert. Doch 1227 stirbt Landgraf Ludwig auf


dem Weg zum Kreuzzug ins Heilige Land an einer Infektion. Als seine Witwe ihre Güter an Arme verteilt, kommt es zum Machtkampf bei Hofe; so folgt sie ihrem Beichtvater nach Marburg und endet dort ihr kurzes Leben – als Krankenschwester.

Bis heute ehrt der Heiligenkalender sie am 19. November, und die schönste Marburger Kirche trägt ihren Namen. Auch auf der Wartburg bewahrt man eine Fülle ehrender Kunstwerke – darunter die berühmten Fresken Moritz von Schwinds, die wiederum Franz Liszt zu einem Oratorium inspirierten. Kuratorin Grit Jacobs hat für uns ein kostbares Tempera-Gemälde ausgewählt, das Elisabeth – als Krankenschwester in herrschaftlichem Hermelin – gleich dreifach darstellt: wie sie einen Kranken bettet, einen weiteren speist und einem dritten – als Geste in der Nachfolge Christi – die Füße wäscht.

So enden wir unsere Serie in tiefem Respekt vor all jenen, die Sieche, Kranke und Arme aufopferungsvoll pflegen – sei es aus religiösem Antrieb, aus Menschenliebe oder aus Barmherzigkeit.

Wartburg Eisenach

  • Typus: Kulturhistorisches Museum
  • Träger: Wartburg-Stiftung
  • gegründet: 1067 (sagenhaft)
  • Schwerpunkte: mittelalterliche Landesgeschichte, heilige Elisabeth, Martin Luther, Burgenbau, Burgenrenaissance des Historismus
  • Besucher/Jahr: circa 300.000
  • geöffnet: Mo-So 11-15 Uhr
  • Web: www.wartburg.de