Ute Freudenberg wird heute 60

Erfurt  Erfurt. Ute Freudenbergs Lied „Jugendliebe“ aus dem Jahr 1980 begeistert das Publikum bis heute, weil die Klänge mehr bedeuten als Musik.

Ute Freudenberg, geboren am 12. Januar 1956 in Weimar, wurde 1971 im Ferienpark Feuerkuppe in Straußberg nahe Sondershausen im Kyffhäuserkreis ­als Gesangstalent entdeckt. Das Foto zeigt sie 2009 bei einer Live-Übertragung der ZDF-Fernsehsendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ aus der Erfurter Messehalle. Archiv-Foto: Marco Kneise

Ute Freudenberg, geboren am 12. Januar 1956 in Weimar, wurde 1971 im Ferienpark Feuerkuppe in Straußberg nahe Sondershausen im Kyffhäuserkreis ­als Gesangstalent entdeckt. Das Foto zeigt sie 2009 bei einer Live-Übertragung der ZDF-Fernsehsendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ aus der Erfurter Messehalle. Archiv-Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

1942 inszeniert Michael Curtiz den Film „Casablanca“ und niemand ahnt, dass dies ein Klassiker wird. Warum?

1980 nimmt Ute Freudenberg „Jugendliebe“ auf und niemand ahnt, dass dies ein Klassiker wird. Warum?

„Casablanca“ ist der Film vom ewig langen Abschied, vom edlen Verzicht, zeitlos. Und „Jugendliebe“ ist das Lied von der Jugendliebe, traumhaft schön. Und zeitlos in seiner Sehnsucht, aber zeitbedingt in seiner heutigen Wirkung.

Mit Sicherheit ist dieses Lied der Weimarerin, die an der dortigen Musikhochschule ausgebildet wurde, im Osten bekannter als andere Kulturgüter, die in Weimar entstanden. Das Stück ist gut gemacht, aber es zählt nicht zu den drei besten Stücken, die die Unterhaltungsmusik der DDR hervorbrachte.

Aber wer dieses Lied hört, der steht gleichsam am Fenster und blickt zurück auf sein eigenes Leben. Und hinter diesem Fenster sieht er nicht nur die Jugendliebe, er hört die Musik der Jugend, deren Klänge eben mehr bedeuten als nur Musik. Es ist der Ton, der einen Menschen an den erinnert, der er einmal war: Jünger, unbeschwerter, hoffnungsvoller, naiver auch. Das geht jedem Menschen so, doch wenn er ein DDR-Mensch war, dann kommt noch eines hinzu: Er hat das Land verloren, in dem er jung war. Die Umstände dort waren nicht immer schön, traumschön gleich gar nicht und mehrheitlich wird das Verschwinden dieses Landes kaum bedauert.

Aber es waren eben doch seine Umstände, sein Land, mit denen die Jugend unauflöslich verknüpft bleibt, so oder so. „Lachen trägt die Zeit, die unvergessen bleibt“ – das ist es. Das lädt diese Musik auf mit einer lächelnden Melancholie.

2011 bekam sie eine Goldene Schallplatte

„Am Fenster“ ist der künstlerisch stärkere Song, aber die „Jugendliebe“ hat das Thema auch im Text, dessen Verfasser Burghardt Lasch wir übrigens auch einen anderen Text „Alt wie ein Baum“ verdanken, den das ostdeutsche Publikum mitsingen kann. Ute Freudenberg hat diese dunkel-heitere Melancholie im Ton, die die Stimmung trägt, mit der wir uns erinnern. Und wir danken Ute Freudenberg dafür, wie wir es „City“ danken und „Karat“ und den „Puhdys“ und all den anderen.

Bei Ute Freudenberg ist es noch etwas anders aus zwei Gründen. Zum einen ist ihr Name mit diesem einen Lied verknüpft – und zum anderen ist sie 1984 in den Westen gegangen, obgleich sie so etwas wie ein Vorzeigeobjekt der FDJ war, worüber sie später nur ungern sprach.

Im Westen tingelte sie als Heather Jones auf Galas und Kreuzfahrtschiffen, alles so was, man muss leben, es gab weder Bevormundung noch Förderung. Und dann der Glücksfall Wende, die DDR wurde zum abgeschlossenen Sammlungs- und Erinnerungsgebiet.

Es ist nicht so, dass Ute Freudenberg nichts hätte außer diesem einen Lied,

2011 hatte sie mit Christian Lais einen überaus erfolgreichen Hit und ein Album, für das es eine Goldene Schallplatte gab, sie hat schließlich diese tragende Stimme. Aber am Ende ist es doch dieses Lied, das ihre dritte Karriere trägt, ein Lied das den Begriff „Schlager“ nobilitiert.

Natürlich, es muss alles zusammenpassen, die Zeit, das Thema, die Situation. So war es bei „Casablanca“, so ist es bei der „Jugendliebe“.

Aber es müssen auch und vor allem die Künstler sein, die das tragen. So war es bei Ingrid Bergman und Humphrey Bogart. Und so ist es bei Ute Freudenberg.