Von Sprache und Bild und Schriftbildkunst

Weimar.  Die Leipziger Künstlerin Linda Pense arbeitete im Rahmen des 25. Atelierprogramms von ACC-Galerie und Stadt Weimar vier Monate lang in Weimar.

Linda Pense (3.v.l.) aus Leipzig, letzte Stipendiatin im internationalen  Atelierprogramm von ACC-Galerie und Stadt Weimar, zeigt ihre Arbeiten Frank Motz, Stadtkulturdirektorin Julia Miehe (2.v.l.) und Ursula Seeber, Referentin für Bildende Kunst.

Linda Pense (3.v.l.) aus Leipzig, letzte Stipendiatin im internationalen Atelierprogramm von ACC-Galerie und Stadt Weimar, zeigt ihre Arbeiten Frank Motz, Stadtkulturdirektorin Julia Miehe (2.v.l.) und Ursula Seeber, Referentin für Bildende Kunst.

Foto: Christiane Weber

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Vor allem durch seine Sprachkunst und bildgewaltige Metaphorik fasziniert Shakespeares „Sturm“ seit Generationen. Das reizte auch Linda Pense (37), Künstlerin aus Leipzig und dritte Stipendiatin im 25. Atelierprogramm von ACC-Galerie und Stadt Weimar, den 1611 entstandenen und erstmals 1771 in Weimar ins Deutsche übertragenen Theatertext aufzugreifen. Denn das Atelierprogramm greift anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums das Thema Sprache auf und erzählt „Von Wörtern und Bildern und Wortbildkunst“. Stadtkulturdirektorin Julia Miehe empfindet es als „besonders spannend, wenn die Stipendiatinnen und Stipendiaten sich mit dem Ort auseinandersetzen, in dem sie arbeiten“. Und was Shakespeare konkret betrifft, wurde in Weimar anno 1904 zum 40. Gründungsjubiläum der in Weimar beheimateten Deutschen Shakespeare-Gesellschaft ein Shakespeare-Denkmal errichtet.

Die Arbeitsergebnisse ihres viermonatigen Aufenthaltes in Weimar stellte Linda Pense am Donnerstag im Atelierhaus erstmals vor. Sie setzt sich in ihren Werken intensiv mit der Visualisierung von in literarischen Texten beschriebenen utopischen Inseln als grafische und sprachliche Gefüge auseinander. Dabei geht es nach den Worten von ACC-Galerist Frank Motz auch um „Materialisierung der Sprache in wahrnehmbare Kunst“.

Linda Penses künstlerische Arbeit kreist vor allem um Ariel, den Luftgeist, eine zentrale Figur im „Sturm“. Sie zeigt fertiggestellte Arbeiten, auch eine Skizze, die sich mit Ariel und seiner Zaubersprache befasst. Wie Linde Pense erläutert, versuche sie, Atmosphärisches und damit schwer Greifbares in Bildern zu erfassen und zu verdichten, versuche, Ariels Sprachduktus grafisch abzubilden. Dabei entstehen visuelle Soundscapes als räumlich-plastische, körperlich-grafische Gewebe. Mit ihren Aufzeichnungen von Ariels luftig-strömendem Zauber-Sprech lädt die Künstlerin dazu ein, unsere Sprache als etwas zu entdecken, das sie immer auch ist: tönende, modulierte Luft, die mit sinnlichen Phänomenen mehr oder weniger zusammenfällt.

Linda Pense wandelt damit auch in den Fußstapfen von Ernst Kállai und Laszlo Moholy-Nagy am Bauhaus. Der Öffentlichkeit gibt sie am Dienstag, 28. Januar, 19 Uhr, in der ACC-Galerie Einblick in ihre in Weimar entstandenen Arbeiten. Zuvor beschäftigten sich im Rahmen des 25. Atelierprogramms bereits Tsuyoshi Anzai aus Japan und Moral Rivera aus Mexico mit „Wörtern und Bildern und Wortbildkunst“. Die Arbeiten des 25. Atelierprogramms sind im Frühjahr in der ACC-Galerie zu besichtigen.

Der erste Künstler des 26. Atelierprogramms der ACC-Galerie und der Stadt Weimar, Mikhail Lylov (*1989, Russland), wird von Februar bis Mai 2020 im städtischen Atelierhaus arbeiten. 1994 von der ACC-Galerie und der Stadt Weimar ins Leben gerufen, ist das Internationale Atelierprogramm das älteste seiner Art in Thüringen. Bislang waren 76 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern in Weimar zu Gast.

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