Warum Rolf Bothe so wichtig für Weimar bleibt

Weimar.  Ein schmaler Band zeichnet jetzt den Lebens- und Berufsweg des einstigen Weimarer Kunstsammlungschefs Rolf Bothe nach. Aktuell stellt er Bilder aus.

Rolf Bothe hat sich in Weimar von 1992 bis 2002 um die Kunstsammlungen verdient gemacht und  den Konflikt nie gescheut.

Rolf Bothe hat sich in Weimar von 1992 bis 2002 um die Kunstsammlungen verdient gemacht und den Konflikt nie gescheut.

Foto: Roland Obst

In der Weimarer Mal- und Zeichenschule können derzeit Bilder und Gegenstände betrachtet und bei Gefallen erworben werden, die eng mit Rolf Bothe in Verbindung stehen. Rolf Bothe? Ja, der Name ist vielen geläufig, die sich seit Jahrzehnten mit der Museums- und Kulturlandschaft befassen; speziell mit der Weimarer.

Nun gibt es nicht nur die kleine Ausstellung, sondern auch einen reich bebilderten Band von wenig mehr als 100 Seiten, in dem Bothes Stationen aufgefächert sind und mit Hartmut Sieckmann und Ulrike Bestgen auch Freunde und Wegbegleiter die richtigen Wort zur Würdigung des Mannes, Jahrgang 1939, finden. Bothe ist Kriegskind – und leider fasst er sich ziemlich kurz beim Rückblick auf die jungen Jahre. Seine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen entdeckt er früh – und statt Abitur zu machen lernt er Polsterer, Tapezierer und Dekorateur. Über den zweiten Bildungsweg, den er am Hessenkolleg vor allem einschlägt, um nicht zur Bundeswehr zu müssen, öffnet sich ihm eine neue Welt.

Nächste Station: West-Berlin. Denn dort hatte die Bundeswehr keinen Zugriff auf Wehrpflichtige. Und nun beginnt der Weg, der Bothe später fast zwangsläufig nach Weimar führt: Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Italienisch. Doktorarbeit. Mitarbeit am Berliner Bauhaus-Archiv, Direktor des Berlin Museums und des Jüdischen Museums. Das Notwendige um das Berlin Museum und dessen Erweiterung hat im Buch Dominik Bartmann aufgeschrieben – und dabei Bothes Licht nicht unter den Scheffel gestellt…

Von 1992 bis 2002 ist Rolf Bothe Direktor der Kunstsammlungen. Der Schritt war folgerichtig, weil er schon 20 Jahre zuvor zu seiner Frau gesagt hatte, dass er einmal dorthin wolle, weil sich hier seine Interessen vereinen: Klassizismus und Architektur, die Anfänge der Moderne… Und: Es müsse Schluss sein, dass in Weimar das Bauhaus nicht zu sehen sei. So steht es im Februar 1993 in der TLZ – und Bothe zitiert dies gern; die TA schreibt damals, Bothe könne „das Geschwätz von den heruntergekommenen DDR-Städten nicht mehr hören“.

Die Kapitel über das Jahrzehnt seines Wirkens in Weimar, bringt den Zeitgeist von damals nahe: Vieles ist möglich – auch mit Blick auf das Bauhaus, dessen Museum nun nicht dort steht, wo es Bothe wollte. Und der Umgang mit der Sammlung Paul Maenz bleibt – nicht nur für ihn – mehr als ein Ärgernis.

Ausstellung in der Mal- und Zeichenschule Weimar bis 4. Januar; Rolf Bothe: Museen, Kunst und Kinder – Erinnerungen an Berlin und Weimar. Wartburg Verlag, 117 Seiten, 16 Euro