Zeitensprünge-Projekt sucht neuen Ausstellungsort

Mädchentreff-Teilnehmerinnen erforschten wochenlang die Geschichte des Vaterländischen Frauenvereins in Bad Langensalza. Am Ende stand eine ernüchternde Erkenntnis.

In vielen Stunden haben die Mädchen vom Jugendzentrum XXL in Bad Langensalza die Geschichte des Vaterländischen Frauenvereins erforscht und dabei viel Interssantes erfahren. Foto: privat

In vielen Stunden haben die Mädchen vom Jugendzentrum XXL in Bad Langensalza die Geschichte des Vaterländischen Frauenvereins erforscht und dabei viel Interssantes erfahren. Foto: privat

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Bad Langensalza. Von Liebesgaben ist die Rede, wenn Monika Bajohr über das Zeitensprünge-Projekt redet, mit dem sich die Mädchen ihres Mädchen-Treff "Maxi" im Jugendzentrum XXL in Bad Langensalza vor zwei Wochen im Thüringer Landtag präsentierten. Im Stadtmuseum waren sie auf Unterlagen über den "Vaterländischen Frauenverein" gestoßen, der 1868 in Bad Langensalza gegründet wurde. "Wir wollten jetzt erforschen, ob der Verein ein Vorgänger der heutigen Frauenvereine war, deren Schwerpunkte vor allem im Schutz der Frauen und der Hilfe zur Selbsthilfe liegen", erklärt Monika Bajohr.

Sechs Mädchen wühlten sich wochenlang durch Originale im Stadtarchiv - die meisten davon in alter Handschrift, die keine von ihnen lesen konnte. "Die Mitarbeiterin im Archiv war da sehr hilfreich, aber manche Dokumente mussten unberücksichtig bleiben, weil wir sie einfach nicht entschlüsseln konnten." Am Ende stand eine ernüchternde Erkenntnis: "Der Frauenverein hatte keinerlei emanzipatorische Tendenzen und war insofern auch kein Vorgänger der heutigen Frauenbewegung", fasst Monika Bajohr zusammen.

Die Versorgung von Verwundeten und Kranken, die Hilfe bei Notständen wie Überschwemmung, Eisenbahn-Unfällen oder ansteckendenden Krankheiten war ihre selbst auferlegte Aufgabe. Im Krieg, als die Arbeitskraft der Frauen gebraucht wurde, gründeten und betrieben sie außerdem Säuglingsstationen, Kinderkrippen und -horte. Auch eine Wanderbibliothek für den Kreis organisierten sie.

Doch nicht einmal in ihrem eigenen Verein hatten die Frauen die Herrschaft. Zwar saßen zwei von ihnen im Vorstand - im später gegründeten Zweigverein Langensalzaer Land sogar sieben - doch an ihrer Seite führten immer Männer die Geschäfte. "Alle wichtigen Posten in den Vorständen, also die der Schatzmeister, aber auch die der Repräsentatanten, die mit Behörden und Offiziellen sparachen, waren mit Männern besetzt", sagt Monika Bajohr.

Trotzdem sei es erhebend gewesen, die Geschichte des Vereins zu erforschen, den es in ganz Deutschland gegeben habe. "Wenn Sie plötzlich eine Original-Urkunde der preußischen Königin Auguste Viktoria in der Hand halten, die dem Langensalzaer Verein zum Jubiläum gratuliert, ist das schon etwas Besonderes. Die sechs Mädchen haben viele der Dokumente abgeschrieben und zu einer Präsentation vereint, die vor zwei Wochen mit den anderen "Zeitensprünge"-Projekten, die von der Stiftung demokratische Jugend gefördert wurden, im Landtag zu sehen war.

1938 wurde per Gesetz das Deutsche Rote Kreuz gegründet, was den Frauenverein überflüssig machte und zu seiner Auflösung führte. Was danach aus den Mitgliedern geworden ist, liegt im Dunkeln. "Keine der Frauen ist in Dokumenten aus der Zeit danach noch mal aufgetaucht", sagt Monika Bajohr. Sie würde die Geschichte gerne weiter verfolgen - und gleichzeitig verhindern, dass die Arbeit ihrer Mädchen jetzt, nachdem das Projekt abgeschlossen ist, in Vergessenheit gerät. "Vielleicht hat ja jemand Interesse, die Präsentation bei sich zu zeigen oder mit uns über den Verein zu diskutieren", sagt sie, "Wir würden uns freuen."

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