200 Saalfelder sagte „Ade ICE“

Saalfeld  Am Samstag verließ der letzte Hochgeschwindigkeitszug den Bahnhof der Saalestadt

Am 9. Dezember war es so weit. Der letzte ICE fuhr in Saalfeld ein. Damit nach 131 Jahren die Geschichte des Fernverkehrs in der Feengrottenstadt. Um auf die Abkopplung vom Fernverkehr aufmerksam zu machen, hatten sich knapp 200 Saalfelder am Bahnhof eingefunden, um den Zug zu verabschieden. Mit dabei waren Vertreter der Stadt, des Stadtrates und des Landratsamtes Saalfeld-Rudolstadt.

Am 9. Dezember war es so weit. Der letzte ICE fuhr in Saalfeld ein. Damit nach 131 Jahren die Geschichte des Fernverkehrs in der Feengrottenstadt. Um auf die Abkopplung vom Fernverkehr aufmerksam zu machen, hatten sich knapp 200 Saalfelder am Bahnhof eingefunden, um den Zug zu verabschieden. Mit dabei waren Vertreter der Stadt, des Stadtrates und des Landratsamtes Saalfeld-Rudolstadt.

Foto: Martin Hauswald

Es war ein Anblick, der am Saalfelder Bahnhof Seltenheitscharakter hat. Genau genommen wird er so nie wieder stattfinden. In der Vorhalle zu den Gleisen hatten sich die Blechbläser der Saalfelder Musikschule aufgestellt. Die Weihnachtslieder hallten in den weitläufigen Gängen wieder. 200 Menschen hatten sich um die kleine Musikergruppe geschart, hielten Kerzen als Mahnwache hoch. Fotoapparate und Handykameras hielten das Geschehen in Bild und Ton für die Nachwelt fest. „Was sagt die App?“, fragte Saalfelds Bürgermeister Matthias Graul (parteilos) in die Runde. Aus einer der hinteren Reihe kam prompt die Antwort: „Ist pünktlich!“ Gemeint war der ICE, den die Saalfelder symbolisch um 20.38 Uhr verabschieden wollten. Genau genommen war es nicht der letzte ICE, der in Saalfeld hielt. Der war fahrplanmäßig für 22.38 Uhr terminiert. An der Symbolkraft der Aktion änderte das allerdings nichts.

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Kurz vor 20.30 Uhr setzte sich der Tross in Bewegung Richtung Gleis vier des Bahnhofs. Auf der Anzeigetafel prangte die Fahrplanauskunft: ICE 1000 nach Berlin über Jena Paradies und Leipzig Hauptbahnhof. Mit Eintreffen auf dem Gleis kam die entscheidende Durchsage: „Gleis vier, ICE 1000 nach Berlin. Vorsicht bei der Einfahrt.“ Dann rollte der Hochgeschwindigkeitszug in den Bahnhof ein. Das Stichwort für die anwesenden Vertreter der Stadt, des Landeskreises und die Stadträte. Sie enthüllten das knapp fünf Meter lange Spruchbanner, auf dem die Worte standen, die so vielen Kopfzerbrechen bereiteten: „Ade ICE.“

Nach kurzem Blitzlichtgewitter am Führerhaus des Zuges war es auch schon vorbei. Die letzten Reisenden stiegen wieder ein, kurzes Signal des Schaffners, dann setzte sich der ICE in Bewegung. Zum Abschied gab es noch zwei kurze Signaltöne des Zugführers.

Jena nimmt Abschied vom ICE: Hoffentlich auf Wiedersehen!

Dieter Tannert stand neben dem weiß-roten Zug und ließ es sich nicht nehmen, mit dem Taschentuch zum Abschied zu winken. „Ich habe damals bei der Bahn Betriebsschlosser gelernt“, sagte der 79-Jährige. Für ihn ist der Abschied des ICE ein Ereignis, das in Erinnerung bleiben wird. „Es ist schon ein wehmütiger Augenblick. Ich glaube, es hätte auch andere Wege gegeben“, sagte der Rentner. Immerhin freute es ihn, dass es so viele Saalfelder zum Abschied auf den Bahnhof gezogen hatte. Das sei der Spaziergang bei der Kälte durchaus wert gewesen. „Jetzt haben wir wenigstens in fünf Jahren was zu erzählen: Weißt du noch als wir den letzten ICE verabschiedet haben“, sagte Tannert noch, während der Zug in der Dunkelheit des Saaletals verschwand.

Deutliche Worte fand am Samstagabend auch Matthias Graul: „Das ist ein Verlust für Saalfeld.“ Immerhin ende damit die 131-jährige Fernverkehrsgeschichte der Stadt. Eine Tatsache, die sich jeder gedanklich klar machen müsse, sagte das Stadtoberhaupt.

Lücke so schnell wie möglich schließen

So erinnerte Graul auch an die Dreißigerjahre, als mit dem „Fliegenden Hamburger“ der damals schnellste und modernste Zug in Saalfeld unterwegs war. „Es ist traurig, dass diese Tradition jetzt zu Ende geht“, ergänzte Graul. Er sei dankbar für das große Interesse der Saalfelder an der Aktion. Das zeige die Verbundenheit der Menschen mit der Bahn.

Nun gehe es darum, die Lücke, die ICE hinterlässt, so schnell wie möglich zu schließen. So sei geplant den IC-Verkehr über Saalfeld laufen zu lassen. „Jetzt müssen wir uns dafür einsetzen, dass das so schnell wie möglich kommt. Dass die Taktung und vor allem die Anschlüsse etwa nach Leipzig oder Halle stimmen“, ergänzte der Bürgermeister.

Eine Haltung, der sich auch Sebastian Heuchel als Vertreter des Bündnisses für Bahnverkehr Saalfeld-Rudolstadt nur anschließen konnte. Seiner Meinung nach sei es jetzt wichtig, die Verträge für den IC so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu kriegen: „Damit es nicht in ein paar Jahren heißt, das war doch gar nicht geplant.“ Gleichzeitig müsste auch sichergestellt werden, dass Saalfeld an die wichtigen ICE-Knotenpunkte wie Erfurt oder Leipzig angeschlossen werde, um das schnelle Reisen von Saalfeld aus sicherzustellen.

Den Erfolg hätten auch die Menschen vor Ort in der Hand, betonte Heuchel: „Das beste Argument für den Fernverkehr in Saalfeld ist, dass viele die Bahn nutzen. Es ist nach wie vor eine schöne Art zu reisen.“

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