Die Kreidezeit an Südharzer Schulen ist vorbei

Nordhausen.  Die Digitalisierung der Schulen schreitet im Südharz voran. Bis Frühjahr 2020 sollen pädagogische Konzepte vorliegen.

Der Overhead-Projektor mit Smartboard, den Volker Vogt, stellvertretender Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums, hier bedient, ist bereits veraltet, da er viel zu langsam ist. Heute sind digitale Tafeln der neueste Stand der Technik.

Der Overhead-Projektor mit Smartboard, den Volker Vogt, stellvertretender Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums, hier bedient, ist bereits veraltet, da er viel zu langsam ist. Heute sind digitale Tafeln der neueste Stand der Technik.

Foto: Hans-Peter Blum

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„Die Kreidezeit ist definitiv vorbei. Und auch Overhead-Projektoren oder Beamer will heute keiner mehr“, sagt Hans-Georg Müller, Leiter des Nordhäuser Schulverwaltungsamtes. Die Schulen sind im digitalen Zeitalter angekommen. In den nächsten fünf Jahren sollen alle Schulen in Deutschland mit der neuesten digitalen Technik ausgestattet sein. Das sieht der Digitalpakt Schule vor, den die Bundesregierung im Mai dieses Jahres gestartet hat. Diese stellt zusammen mit den Ländern 5,55 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Bildungsstätten zukunftsfähig zu machen. Rechnet man diesen Betrag herunter, steht jeder der etwa 40.000 Schulen in Deutschland im Schnitt 137.000 Euro zur Verfügung oder 500 Euro pro Schüler. Das reiche laut Bundesregierung aus, um die infrastrukturellen Grundlagen für digitale Bildung zu schaffen.

Was kommt davon im Südharz an? Im Landkreis Nordhausen sollen in den nächsten fünf Jahren 3,3 Millionen Euro, in der Stadt Nordhausen noch einmal 1,2 Millionen Euro in die neue Technik fließen. „75 Prozent des Geldes wird für die Bereitstellung der Infrastruktur draufgehen“, schätzt Stefan Nüßle ein. Der Sozialdezernent des Landkreises Nordhausen leitet eine Arbeitsgruppe, die sich der Umsetzung des Digitalpaktes im Südharz verschrieben hat. „Uns ist wichtig, das Thema gemeinsam mit den Schulen anzugehen“, betont Nüßle. Jede Schule sei aufgefordert, bis Frühjahr 2020 ein eigenes pädagogisches Konzept zur Mediennutzung zu entwickeln, in dem inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Und das ist gar nicht so einfach. „Ich schreibe bereits mein drittes Konzept“, sagt Volker Vogt, stellvertretender Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums in Nordhausen. In diesem werden „mediencurricurale Unterrichtsszenarien“ entwickelt. Dabei geht es zum Beispiel um virtuelle Realität mit VR-Brillen, erweiterte Realität mit QR-Codes oder auch naturwissenschaftliche Experimente mit dem Notebook. „Wir planen also für einen Unterricht, den wir noch nie gemacht haben und entwickeln etwas aus einer Theorie heraus, das später in der Praxis funktionieren soll“, verdeutlicht Vogt die Anlaufschwierigkeiten.

Erst wenn dieses pädagogische Konzept steht, können Fördermittel aus dem Digitalpakt beantragt werden, hat der Freistaat Thüringen festgelegt. „Es gibt dabei vier Schwerpunkte: Pädagogik, Qualifizierung, Technik und Support“, zählt Hans-Georg Müller auf. Dem Landkreis falle dabei die Aufgabe zu, die technische Infrastruktur vorzuhalten. „Voraussetzung sind 30 Megabit pro Klassenzimmer. Das dürfte in den Städten kein Problem sein, wird aber in der Fläche schwierig“, schätzt Stefan Nüßle ein.

Zumal die Schulen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen starten. Das Schiller-Gymnasium in Bleicherode beispielsweise hat den großen Vorteil, gerade umgebaut zu werden. In diesem Jahr wurden in einem Anbau sechs Fachkabinette eingerichtet, die schon in den Genuss der neuen Technik mit Whiteboard-Tafeln und intelligenten Bildschirmen gekommen sind. Multimediale Lernräume gebe es außerdem am Nordhäuser Herder-Gymnasium und den Schulen in Görsbach und Wolkramshausen.

Und das Humboldt-Gymnasium? Das profitiert ebenfalls vom Neubau des Schulteiles in der Blasiistraße. „Der Neubau ist so geplant, dass jeder Raum multifunktional genutzt werden kann“, erläutert Volker Vogt. Das heißt, es sind überall digitale Tafeln mit Whiteboard-Flügeln zum Ausklappen vorhanden. Jeder Schüler werde ab 2021 mittels Tablets Zugriff haben auf die digitalen Programme.

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