„Eine absolute Katastrophe“: Feuerwerker bleiben auf Pyrotechnik sitzen

Eisenach.  Für Selbstständige, Künstler und Veranstalter im Wartburgkreis hat die Corona-Epidemie bislang größere Folge als für Industriebetriebe.

Der Eisenacher Feuerwerker Jörg-Udo Pfeifer erhielt, wie viele Kollegen der Feuerwerkerszene,  in diesen Tagen zahlreiche Absagen für Veranstaltungen mit professionellen Feuerwerken.

Der Eisenacher Feuerwerker Jörg-Udo Pfeifer erhielt, wie viele Kollegen der Feuerwerkerszene, in diesen Tagen zahlreiche Absagen für Veranstaltungen mit professionellen Feuerwerken.

Foto: Norman Meißner

Die fortschreitende Ausbreitung der Corona-Erkrankungen bringen aufgrund der Absagen nahezu aller zuschauerintensiven Veranstaltung und so vor allem Künstler, Kulturschaffende, Allein- und Musikunterhalter sowie Veranstalter in Bedrängnis. Bei den Industriebetrieben der Wartburgregion scheinen die Auswirkungen bislang noch nicht ganz so dramatisch zu sein.

In einer Online-Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind 58 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Epidemie Auswirkungen auf das eigene Unternehmen haben werde. „Etwa ein Drittel der Unternehmer, die Auswirkungen für den eigenen Betrieb befürchten, sind der Meinung, dass ihr Umsatz weit mehr als zehn Prozent zurückgehen wird“, sagt Jana Pfalzgraf, die bei der IHK für die Bereiche Volkswirtschaft und Statistik verantwortlich ist. Gut 15 Prozent der Befragten erwarten Einbußen von weniger als zehn Prozent.

„Es ist eine absolute Katastrophe – wir haben in der Branche massive Absagen erhalten“, sagt der Eisenacher Pyrotechniker Jörg-Udo Pfeifer, Geschäftsführer der Firma Firestorm Pyro. Der monatliche Verlust durch ausbleibende Feuerwerke gehe bei befreundeten Kollegen teilweise in die Zehntausende.

„Wir stehen derzeit in der Unterhaltungsbranche alle mit dem Rücken vollkommen an der Wand“, spricht der Chefredakteur der Fachpublikation Pyro-Magazin auch für andere deutsche Feuerwerker und Unterhalter. Mit der Produktion und dem Vertrieb der Fachzeitschrift kann sich der Eisenacher zumindest bis zum Jahresende über Wasser halten.

„Die für den 3. Oktober geplante Großveranstaltung Burning-Airfield am Verkehrslandeplatz Kindel mussten wir gestern auch komplett absagen, die Unsicherheit selbst bis in den Herbst hinein ist einfach zu groß“, sagt Pfeifer. Er ist nun gespannt, wie die Hilfen der Bundesregierung aussehen sollen. Pyrotechniker in der gesamten Bundesrepublik unternahmen in den vergangenen Wochen größte Anstrengungen, um irgendwie noch Waren aus China zu erhalten – nun bleiben sie alle auf der hart erkämpften Pyrotechnik sitzen.

Der Coronavirus bringt auch den Eisenacher Alleinunterhalter, Discjockey und Bauchredner Matthias Freyboth in Bedrängnis. „Immer mehr Absagen trudeln per E-Mail ein – am Anfang waren es nur größere Veranstaltungen, aber inzwischen auch kleine Geburtstags- und Familienfeiern“, erklärt der Entertainer, der regelmäßig auch Patienten in Kliniken der Region mit seiner Kunst erfreut. Viele wollen ihre Veranstaltungen gern verschieben, aber Matthias Freyboth könne Miete und Kosten jedoch nicht schieben. „Ein gutes Vierteljahr könnte ich überbrücken, ohne die Altersvorsorge angreifen zu müssen“, fährt er fort.

Automobilzulieferer sagtBetriebsversammlung ab

„Im Moment haben wir noch eine ordentliche Auftragslage in unseren beiden Marksuhler Werken“, sagt Michael Kaffee, hiesiger Personalleiter der Firmengruppe Hirschvogel, einem weltweit operierenden Automobilzulieferer. Auch seitens der Material- und Teile-Lieferanten gebe es am Standort bislang keine Engpässe, aber das Unternehmen stehe in engen Kontakt mit seinen Geschäftspartnern, um auf Änderungen zügig reagieren zu können.

Auswirkungen hat das Coronavirus dennoch auf die hiesigen Werke. „Aus Sicherheitsgründen und der Sorgfaltspflicht wurde die Betriebsversammlung in der nächsten Woche und die Zusammenkunft des Betriebsrates abgesagt – 500 Leute sollen nicht unnötig auf engsten Raum zusammensitzen“, erklärt Michael Kaffee.

Diesen psychischen Stress will die Werkleitung den Mitarbeitern nicht zumuten. Der Betriebsrat habe entschieden, die Geschäftsführung nicht unnötig von Bayern nach Thüringen anreisen zu lassen. „Die Reisetätigkeit aller Mitarbeiter wird konsequent zurückgefahren“, betont der Personalleiter. Darüber hinaus verstärkt Hirschvogel die Hygienevorkehrungen durch Informationen und weitere Desinfektionsspender.

„Wir haben bislang keine Auswirkungen, es gibt bis dato keine Engpässe – wir sind in enger Abstimmung mit unseren Lieferanten“, spricht Sarah Scholz für das Eisenacher Bosch-Werk. Hygienemaßnahmen würde streng eingehalten und kontrolliert. Mit den Lieferanten und den beauftragten Logistik-Firmen tausche man sich täglich aus, um sich bei Bedarf rechtzeitig umorientieren zu können, so die Kommunikationsverantwortliche des Eisenacher Bosch-Werkes.

„Wir beziehen teils Presswerkzeuge aus China – bislang gibt es noch keine Probleme“, sagt Andreas Otto, Leiter Maschinenbau bei Kohl Automotive in Eisenach (früher Umform- und Fügetechnik). Der Zulieferer für namhafte Automobilhersteller benötige diese Presswerkzeuge für seine Teilefertigung. „Wenn es mit der Krise über den Sommer weiter gehen sollte, könnte es aber zu einigen Einschränkungen kommen“, vermutet Andreas Otto.