Gleichberechtigung: Worbiser Schüler füllen Worthülse mit Leben

Teistungen.  Zehntklässler der Regelschule Worbis beschäftigen sich in Workshops mit dem Thema Gleichberechtigung.

Der Abend im Grenzlandmuseum klingt mit einer Podiumsdiskussion aus (von links): Bernd Uwe Althaus, Karolin Grund, Fabian Klaus, Maria-Anna Varosi und Klaus-M. von Keussler. 

Der Abend im Grenzlandmuseum klingt mit einer Podiumsdiskussion aus (von links): Bernd Uwe Althaus, Karolin Grund, Fabian Klaus, Maria-Anna Varosi und Klaus-M. von Keussler. 

Foto: Antonia Pfaff

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Männer und Frauen – sind sie gleichberechtigt, gleichgestellt, gleichwertig? Eine Thematik, mit der sich die Worbiser Regelschüler im Rahmen des Projekttages „Endlich Gleichberechtigung?!“ beschäftigen. Dabei blicken die Zehntklässler in die Geschichte, lassen ihrer Kreativität freien Lauf und thematisieren die #metoo-Kampagne. Höhepunkt ist die Podiumsdiskussion am Abend.

Kraft- und schwungvoll mit entsprechend lauter Musik von Blur „Song 2“ starten die Schüler ihren Workshop bei Irena Artjuschenko. Sie ist Fachleiterin für Kunst. Das Zeichnen von Gedanken und Gefühlen soll die Jugendlichen lockern, entspannen. Die Künstlerin macht ihrer Gruppe deutlich, dass es viele Dinge im Leben gibt, für die man kämpfen muss – vielleicht auch für Gleichberechtigung. Und für einen Kampf braucht es Kraft, und damit sind die Schüler bei ihrem Thema: Kraft. Mit viel Kreativität und teilweise auch Mut entstehen drei große Werke: „Kraftakt“, „Unter Beobachtung“ und „Sila“.

Starke Frauen: Blick in die Geschichte

Einen anderen Workshop leitet die Musikerin Lia Blue. Sie ist gebürtig aus dem Eichsfeld, wohnt aber in Rostock. Sie verdient nicht nur mit der Musik ihr Geld, sie verarbeitet in den Songs auch persönliche Erlebnisse – positiv wie negativ. Über Songs und im Rahmen der #metoo-Kampagne outet sie sich, dass sie Betroffene von sexuellen Übergriffen ist. Beide Aspekte stehen im Fokus ihrer Gruppenarbeit. Das Ergebnis ist ein Film, in dem die Kampagne und die Auswirkungen eine Rolle spielen, aber auch Statistiken ausgewertet und Hilfsangebote vorgestellt werden. Ein Interview mit Lia Blue rundet den Clip ab.

Und die dritte Gruppe blickt in die Geschichte und ist auf der Suche nach starken Frauen – vom Kaiserreich bis heute. Geschichtslehrerin und Initiatorin des Projekttages Iris Pfaff präsentiert den Schülern 20 Frauen, die eine wichtige Rolle in ihrer jeweiligen Zeit eingenommen haben. Sie entscheiden sich für Sophie Scholl und Gabriele Stötzer. Eine starke Frau finden sie auch in der heutigen Zeit, hier im Eichsfeld: Constance Hunold. Sie baut mit 29 Jahren einen Hospizdienst im hiesigen Kreis auf.

Die Ergebnisse der Workshops werden anschließend öffentlich präsentiert und später in einem multimedialen E-Book veröffentlicht – sowohl die Videos, als auch die Kunstwerke, Grafiken und Übersichten.

„Wenn ihr nichts wollt, werdet ihr nichts“

Der Tag in der Bildungsstätte des Grenzlandmuseums klingt mit einer Podiumsdiskussion aus. Neben dem Moderator Fabian Klaus, Landesreporter der Mediengruppe Thüringen, sitzen Bernd Uwe Althaus, Schulamtsleiter in Nordthüringen, und Karolin Grund, Schirmherrin des Traumzauberbaums des Hauses Emmaus, im Podium. Ebenfalls zu Gast in der Runde sind Frauenärztin Maria-Anna Varosi und Jurist Klaus-M. von Keussler. Für Karolin Grund bedeutet Gleichstellung, dass sie nicht nur die Frau des Bundestagsabgeordneten ist, sondern selbst mit beiden Beinen im Leben steht. „Das schönste Ehrenamt ist mein Mann.“ Klaus-M. von Keussler sagt: „Männer und Frauen sind gleich, bis auf kleine Unterschiede.“ Und an die Frauenwelt richtet er: „Wenn ihr nichts wollt, werdet ihr nichts.“ Für Maria-Anna Varosi müssen Mann und Frau eine Einheit bilden, damit es funktioniert. Und Bernd Uwe Althaus bevorzugt den Begriff gleichwertig – beide Geschlechter sind gleich viel wert.

Bei der Frauenquote sind sich die Frauen im Podium einig: Es brauche keine Quote. Qualität und Leistung würde sich durchsetzen. Der Jurist hingegen spricht von Rahmenbedingung, die geschaffen werden sollten, damit auch die Frauen die Karriereleiter hinauf steigen können. Bernd Uwe Althaus meint, dass vielleicht auch mehr Frauen in die Politik gehen würden, wenn es die Zeiten einfach hergeben würden. „Montags um 19 Uhr ist für Frauen mit kleinen Kindern schlecht.“ Da seien die Rahmenbedingungen von Männern für Männer gemacht.

Klischees werden etwas aufgelöst

Während Karolin Grund die Ansicht vertritt, dass „Frauen die wahren Helden des Alltags“ sind, weil sie Familie und Job unter einen Hut bringen, sind Klaus-M. von Keussler und Maria-Anna Varosi der Meinung, dass auch Männer die Kinder groß ziehen und mit ihnen anfangs zu Hause bleiben können. Ähnlich sieht das Bernd Uwe Althaus. Denn die Technik würde es ermöglich, dass auch Frauen auf dem Bau arbeiten können. Dadurch würden die Klischees der Berufe etwas aufgelöst.

Aber auch nach dem Tag und der Diskussion bleibt die Frage nach der Gleichberechtigung offen – für die Schüler und die Diskutanten. Dennoch sind sie sich einig, dass Mann und Frau auf einem guten Weg sind, dieser aber noch lang ist.

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