Knigge für Berufsschüler in Leinefelde: „Guten Appetit“ wünscht man nur privat

Leinefelde.  500 Schüler der Berufsbildenden Schulen in Leinefelde lernen Verhaltensregeln. Sie erhalten durch die Vorträge nicht nur Hinweise für anstehende Bewerbungen.

Lehrerin Sibylle Sieges koordinierte die Vortragsreihe und bedankte sich mit einem kleinen Geschenk bei Holger Burchardt. 

Lehrerin Sibylle Sieges koordinierte die Vortragsreihe und bedankte sich mit einem kleinen Geschenk bei Holger Burchardt. 

Foto: Sebastian Grimm

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Wer kennt es nicht: Das Handy liegt links neben dem Teller, und bei Rauchern finden die Zigaretten im Restaurant auch noch irgendwo einen Platz auf dem Tisch. „Das gehört sich nicht und zeugt nicht von Wertschätzung“, sagt Holger Burchardt, Regionalgeschäftsführer der Barmer-Krankenkassen, der gestern vor Maurern des dritten Lehrjahres in der Staatlichen Berufsbildenden Schule in Leinefelde Benimm-Regeln für den Alltag und auch für das zukünftige Berufsleben vorstellte.

Gespannt hören die angehenden Handwerker zu, bei manch dargestellter Situation aus dem Alltag denkt der ein oder andere sicher an eigene Erlebnisse. Erstaunt zeigen sich die Lehrlinge, als es um Verhaltensregeln beim Geschäftsessen geht. „Guten Appetit“ sage man nur im privaten Bereich, bei einem Geschäftsessen sei es ein absolutes Tabu. Mit einem weiteren Tipp nimmt Burchardt den Schülern die Unsicherheit, sollten sie einmal zu einem solchen eingeladen werden, beispielsweise wenn ein Firmenpartner zur Weihnachtsfeier in ein Restaurant einlädt.

„Wenn es heiße Suppe gibt, rühren Sie die erst einmal ein wenig um. Aber nicht so, dass es sich anhört wie bei einem Glockenspiel.“ Spätestens nach dem Satz hat Burchardt die Maurer eingefangen. Weiter spannt er den Bogen von der Benutzung des Bestecks oder der Stoffservietten bis hin zur Verabschiedung. „Servietten legt man nach dem Essen nicht einfach auf den Teller und tunkt sie so richtig in die restliche Soße ein. Rollen Sie die Serviette zusammen und legen Sie sie links neben den Teller.“

Das interessanteste Thema für die zukünftigen Mauerer folgt kurz vor Ende der Unterrichtsstunde, da spielt es auch keine Rolle, dass der Benimm-Fachmann die Zeit der Pause noch braucht, um die entscheidenden Tipps für die Bewerbung und Vorstellungsgespräche zu geben. „Der erste Eindruck ist wichtig. Verstellen Sie sich nicht“, rät Burchardt. Man solle sich offen geben, dem Anlass entsprechende Kleidung tragen, und die Körpersprache sei wichtig. „Nehmen Sie auch ruhig ein Getränk an, wenn es Ihnen angeboten wird. Aber bitte keines mit Kohlensäure.“ Und auch für diesen Tipp hat der Fachmann eine einfache Begründung: „Wenn die Putzfrau vorher im Raum war und die Flaschen unvorsichtig bewegt hat, kann es sein, dass Ihnen der Flascheninhalt um die Ohren fliegt.“

Dann ist Burchardt am Ende seines Vortrages, und Sybille Sieges, Lehrerin an der Berufsschule, hat kurz Zeit, sich bei ihm zu bedanken und Termine für weitere Vorträge zu anderen Themen abzusprechen.

Sieges ist begeistert, wie die ganze Sache von den Schülern angenommen wird. Im September ist sie auf das Angebot aufmerksam geworden, hat Listen ausgehangen, auf der sich die Klassen für die unterschiedlichen Vorträge eintragen konnten. Der Knigge-Vortrag war nur der Start in die Kooperation mit der Barmer. „In drei Wochen verfolgten 500 Schüler diesen Vortrag“, sagt Sibylle Sieges. Laut ihr folgen im Frühjahr Vorträge zum Thema Online-Sucht, Organspende, Transplantationsgesetz sowie ein Präsentationstraining.

Sybille Sieges schaut noch viel weiter voraus. „Zu unserem Verkehrssicherheitstag im April und zum Sportfest wird der Herz-Coach dabei sein.“ Im Rahmen dieser Aktion wird eine Risikoanalyse durchgeführt. „Ein Test dauert 15 Minuten. Daher können wir diesen nicht einfach an einem Unterrichtstag anbieten“, begründet Sieges die Entscheidung, diesen an zwei Tagen in der Schule anzubieten. Risikofaktoren jedes Einzelnen werden für die Analyse berücksichtigt. Das Beste daran sei, so Sieges, dass den Teilnehmer am Ende individuelle Gesundheitsmaßnahmen empfohlen werden können.

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