Rudolstadt. Freitagvormittag im Kopernikusweg. Der Tisch unter dem schützenden Dach des Pavillons ist reich gedeckt. Es gibt Brötchen, Wurst, Käse, Obst, Kuchen – von allem was. Diejenigen, die sich hier zum gemeinsamen Frühstück treffen, sind Nachbarn. Jeder bringt etwas mit. Wer selbst nichts beisteuern kann oder will, gibt einen kleinen Obolus. Ralf Appelfeller, Quartiermanager für die Wohngebiete Volkstedt-West und Schwarza-Nord, schaut zufrieden. So wünscht er sich das Miteinander.

„Es könnte nicht besser sein“, sagt er. „Wir feiern heute den Tag der Nachbarschaft an diesem wunderbaren Ort, den Leuten geht es fantastisch hier, das Wetter ist super und einen tollen Preis haben wir auch noch gewonnen.“

Wenn er „wir“ sagt, dann meint er die Mitstreiter des Projektes „Zusammenwachsen“, das 2015 unter seiner Regie unter dem Dach der Ruwo und in Kooperation mit dem Träger Awo Rudolstadt an den Start ging. Dass es sich einmal so gut entwickeln würde, freut ihn besonders. Obwohl er weiß: „Wir haben nicht nur Freunde. Aber diejenigen, die meckern, würde ich gern einladen“.

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Der Bürgerpark im Kopernikusweg ist das Aushängeschild des Projektes. Jetzt gab es sogar eine besondere Anerkennung. Stellvertretend wurde die Ruwo als Träger des Vorhabens mit dem 1. Preis der Thüringer Wohnungswirtschaft 2019 in der Kategorie „Wohn Wert“ ausgezeichnet. „Das konnte nur mit Ihnen allen gelingen“, sagte Ruwo-Geschäftsführer Jens Adloff gestern Vormittag zu den Anwesenden. „Gewürdigt wird vor allem die Art und Weise, wie das Projekt entstanden und gewachsen ist, wie hier Partizipation der Anwohner gelingt. Was ich besonders schön finde ist, dass die Bewohner selbst aktiv werden. Besser geht es nicht“, ergänzte er. So gab es zu Beginn zum Beispiel die Idee, Hochbeete anzulegen. Den Bewohner aber war etwas anderes wichtig. „Sie wollten den Pavillon, um sich zu treffen und zu feiern. Also wurde er angeschafft.“

Mit der Einbeziehung von Studenten der Bauhausuni gewann das Projekt noch eine ganz neue Dimension.

„Ich habe eine Aufgabe gesucht, als ich Rentnerin wurde. Hier wohnen viele ältere Menschen, die niemanden mehr haben. Es macht mir Spaß, für sie etwas zu organisieren und ich freue mich, wenn es gut angenommen wird. Das ist doch Sinn und Zweck des Ganzen“, meint Doris Görting. Sie ist eine der Aktiven im Projekt „Zusammenwachen“. Und wird, so wie ihre Mitstreiter, auch in Zukunft dabei bleiben.