Weimar. Überblick über die Veranstaltungen zum 78. Jahrestag – Führungen, Gedenkfeier, Lesung und Zeitzeugengespräche.

„Der Blick auf die NS-Verbrechen zeigt uns, wohin Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus führen. Die Lehre daraus ist, aktiv für eine humane, friedliche sowie die Menschenrechte und die Demokratie achtende Gesellschaftsordnung einzutreten. Wenn nach Umfragen jeder vierte Wähler in Thüringen eine Partei wählen möchte, deren Vorsitzender sich eine erinnerungspolitische 180-Grad-Wende wünscht, können wir das nicht einfach schulterzuckend hinnehmen. Der Hetze, Fälschung und Instrumentalisierung der Geschichte müssen wir eine wissenschaftlich fundierte und mit einem klaren ethischen Kompass versehene Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart entgegensetzen. Dazu soll unser breites Veranstaltungsprogramm zum 78. Jahrestag der Lagerbefreiung beitragen. Es soll zum Nachdenken und geschichtsbewussten Handeln anregen.“ Das sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora. Hier der Programm-Überblick für die kommenden Tage:

Samstag, 15. April

Gedenkstätte Buchenwald, ab Besucherinformation: 12.30 Jüdische Häftlinge im KZ Buchenwald, 13.30 Uhr Sinti und Roma im KZ Buchenwald, 14.30 Uhr Weibliche Häftlinge im KZ Buchenwald, thematische Rundgänge;

Schlosspark Kromsdorf (Treffpunkt Schlosskapelle): 16.30 Uhr 79. Pflanzaktion des inklusiven Erinnerungsprojektes 1000 Buchen;

Sonntag, 16. April

Gedenkstätte Buchenwald, Kinosaal: 10 Uhr 12. Treffen der Nachkommen; 13.30 Uhr ab Besucherinformation Stationen-Rundgang „Geschichte. Bewusst. Machen.“ zu verschiedenen historischen Stätten mit Rezitationen, Statements und einer Outdoor-Ausstellung;

Gedenkstätte Buchenwald, ehemaliger Appellplatz: 15 Gedenkfeier der Stiftung und des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), unter anderem mit dem Präsidenten Naftali Fürst sowie den ehemaligen Häftlingen Shraga Milstein und Raymond Renaud; Grußwort Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Rede von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma; anschließend 16.30 Uhr am Jüdischen Mahnmal, ehemaliger Block 22: „El male rachamim“, Totenklage, Alexander Nachama, Landesrabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen; anschließend ab 16.45 Uhr im ehemaligen Kleinen Lager: Interreligiöse Gedenkfeier mit Landesbischof Friedrich Kramer, Landesrabbiner Alexander Nachama und Bischof Ulrich Neymeyr;

Notenbank Weimar, 18 Uhr, Lesung „Alles ist seltsam in der Welt“ zum 80. Todestag von Gertrud Kolmar mit Ingeborg Gleichauf; Gertrud Kolmar, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, gilt als bedeutende deutschsprachige Dichterin. Trotz ihres großes Ranges ist die jüdische Schriftstellerin jedoch bis heute nicht ausreichend gewürdigt worden. Kolmar schrieb Gedichte, Dramen und Pros und hinterließ ein spannendes Briefwerk;

Montag, 17. April

Audimax der Bauhaus-Universität, 18 Uhr: Gespräch und Buchvorstellung mit dem Buchenwald-Überlebenden Moshe Kessler (Veranstaltung der Bauhaus-Uni);

Mon Ami, 19 Uhr: Zeitzeugengespräch mit dem Buchenwald-Überlebenden und Weimarer Ehrenbürger Raymond Renaud.

www.buchenwald.de