Erfurt. Schweres Geschütz und modernste Technik hat die Bundeswehr zum Jubiläum auf dem Domplatz aufgefahren. Doch es gibt auch Protest gegen die Feier.

Selten gab es soviel Flecktarn und Uniform in der Innenstadt wie zu diesem Geburtstag. Zehn Jahre alt ist das Logistikkommando der Bundeswehr, amtlich kurz „LogKdoBw“ geworden – und hat Ehrengäste zum Empfang im Rathaus, die breite Bevölkerung aber zur Feier auf den Domplatz geladen. Mit viel Technik, nicht nur des Standorts Löberfeldkaserne, wo der Stab rund 750 Angehörige zählt.

Unter den Schaustücken ein Kampfpanzer „Leopard“ und ein halber Zoo: Büffel, Enok, Wiesel, Dingo und ein US-amerikanischer Hummer, alles Einsatzfahrzeuge für unterschiedlichste Zwecke, sind am Samstag beliebte Selfie-Motive der Besucher. Kinder wie Erwachsene bestaunen die hochmoderne Technik, klettern hinters Lenkrad der Spezialfahrzeuge oder aufs Motorrad der Feldjäger. So wie der neunjährige Carl, passend zum Tag in Flecktarn-Hose und -T-Shirt gekleidet, der sich glücklich grinsend aus der Luke eines „Wiesel 2“ umschaut. Dieser war dort als „welterstes voll digitalisiertes Kettenfahrzeug“ mit elektronischer Steuerung und Straßenzulassung geparkt.

Karriere-Truck wirbt fürBerufswege bei der Bundeswehr

„Wir liefern zielsicher auch ohne Adresse“ wirbt das Logistikkommandoauf Aufstellern für sich. Im Karrierezentrum-Truck können sich Besucher an großen Bildschirmen einen Berufsweg hier oder in anderen Bereichen der Bundeswehr zusammenklicken.

„Country Roads“ aus Blechblas-Instrumenten einer Kombo der US-Army erschallt von der Bühne, als die Offene Arbeit Erfurt ganz oben auf den Domstufen ein Transparent ausrollt: „Die Waffen nieder“ steht darauf.

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Währenddessen protestiert am Rande des Platzes das Erfurter Friedensbündnis gegen die Zur-Schau-Stellung von Kriegsgerät in der Friedensstadt Erfurt. „Give peace a chance“ klingt hier John Lennon aus den Boxen, während die US-Soldaten am Hummer fotografiert werden. Mit gemischten Gefühlen, so sagen diese, seien sie am Tag durch die City gelaufen, alle Blicke seien auf sie gerichtet gewesen. Nun aber lehnen sie lässig am Militärfahrzeug. Es sei doch okay, wenn es unterschiedliche Meinungen gebe, sagen die US-Soldaten achselzuckend über den kleinen Protest.

Zum Selfie mit US-Soldaten gab’s die Domkulisse dazu. 
Zum Selfie mit US-Soldaten gab’s die Domkulisse dazu.  © Funke Medien Thüringen | Frank Karmeyer

Hanne Adams (75) von der Offenen Arbeit geht auf ihre Gehhilfen gestützt und mit einem selbst gebastelten Plakat um den Hals an ihnen vorbei: Menschen müssten erst abgerichtet werden, um auf andere Menschen zu schießen, mit denen sie zusammen Spaß haben könnten, hat sie notiert. Einige immerhin würden ihre Worte lesen, hofft sie.

„37 Schuss panzerbrechende Munition, 100 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit“ erfahren Besucher unterdessen aus den eingespielten Videos bei Bratwurst und Bier vor der Bühne über ein weiteres ausgestelltes Gerät. Die Hüpfburg, die die Marine in Form eines U-Boots mitgebracht hat, ist nicht gemeint damit. Daneben wird im Sanitätszelt des mobilen Armee-Krankenhauses das Prinzip der Triage erklärt, das Verletzte nach Überlebenschancen sortiert. Spätestens hier wird wohl jedem fröhlichen Festbesucher klar, dass Menschen mittels Militärtechnik in Kriegen ihr Leben verlieren können.

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