Ausgezeichnet: Leuchtenburg lenkt Chinesen nach Thüringen

Seitenroda  Stiftung Leuchtenburg holt chinesischen Tourismuspreis nach Thüringen und hofft auf Besucherzuwachs

Stolze Präsentatoren des chinesischen Tourismuspreises: Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser, Chefkurator Wolfgang Fiedler, Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Burg-Besucherin Bin Fu und Claudia Hartmann von der Thüringer Tourismusgesellschaft (von links).

Stolze Präsentatoren des chinesischen Tourismuspreises: Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser, Chefkurator Wolfgang Fiedler, Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Burg-Besucherin Bin Fu und Claudia Hartmann von der Thüringer Tourismusgesellschaft (von links).

Foto: Katja Dörn

Die Leuchtenburg bei Kahla rückt ein Stück mehr nach China. Das nimmt Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser wörtlich und begrüßt die Gäste lächelnd mit einem herzlichen: Ni hao!

Die Stiftung hat als einziges touristisches Ziel in Deutschlang einen chinesischen Tourismuspreis erhalten. Die Hoffnung in diese Auszeichnung ist enorm, da den Besucherzahlen aus dem asiatischen Staat ein größes Wachstumspotenzial zugerechnet wird.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Ulrike Kaiser. Sie hat vor zwei Wochen erfahren, dass einer von insgesamt 30 Preisen des „Chinese Tourist Welcome Awards 2019“ an die Stiftung gehen soll. „Die Stiftung Leuchtenburg verbindet für den chinesischen Besucher ein attraktives historisches Gebäude mit einer Respektbezeugung gegenüber der chinesischen Kultur“, urteilte Juror Wolfgang Georg Arlt, Direktor des chinesischen Tourismus-Institutes, das den Preis vergab.

Die Thüringer reihten sich bei der Preisverleihung ein in den Kreis illustrer Destinationen wie das Tagungs- und Tourismuszentrum von Los Angeles, den Flughafen Manchester und die Tourismusvereinigung Dubai. Initiiert wurde die Bewerbung von der Thüringer Tourismus GmbH. Die Touristiker wollen damit eine stärkere Wahrnehmung der Burg bei chinesischen Reiseveranstaltern und Fachmedien erreichen.

„Dieser Preis kann die Initialzündung sein für Deutschland und für China“, urteilt auch Wolfgang Fiedler, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung und CDU-Landtagsabgeordneter. Jetzt könnten Kontakte geknüpft werden mit den „chinesischen Freunden“.

Mit Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) saß ein „Freund und Förderer der Burg“ an seiner Seite, den er für seinen stetigen Einsatz dankte. Wie groß der bisherige finanzielle Einsatz für die Stiftung Leuchtenburg war, erinnerte Tiefensee: „Acht Millionen Euro hat der Freistaat investiert. Das ist die Nachricht an den Steuerzahlen: Wenn Geld gut angelegt ist und Investitionen in Gang kommen, zahlt sich das aus.“ Die ausgebaute Leuchtenburg sei heute ein Kleinod und mit dem Preis ein Ankerpunkt gelegt, um mehr Gäste zu erreichen.

Erste Veränderungen stehen mit Blick auf das Reich der Mitte jetzt an. So werden demnächst die Beschilderungen um Mandarin ergänzt, der Audioguide um die Sprache erweitert und das chinesische Onlinebezahlsystem Alipay eingeführt. „Die Welt bemüht sich, es Chinesen komfortabel zu machen“, erklärt Direktorin Kaiser, da zieht die Leuchtenburg mit.

Wie viele Touristen zur Zeit aus China die Aussicht und die Porzellanwelten genießen, vermag Kaiser nicht zu sagen, das ließe das Erfassungssystem für Besucher nicht zu. Sie weiß aber, das im Sommer einmal monatlich eine chinesische Reisegruppe per Bus ankomme, fast täglich würden zudem Individualtouristen gesichtet.

Eine solche war auch Bin Fu vor etwa zwei Monaten, die danach Bilder von der Burg auf Instagram hochgeladen hatte und so dem Team aufgefallen war. Die Chinesin, die in Weimar an der Volkshochschule lehrt, wurde extra für die Präsentation des Tourismuspreises geladen, um zu erläutern, was sie begeistert: die Architektur, die Aussicht und die Porzellanwelten. Das weiße Gold vermittle ihr ein heimisches Gefühl.

2018 wurden über 17.000 Übernachtungen von Touristen aus China verzeichnet, sagt Claudia Hartmann von der Thüringer Tourismus GmbH, Tendenz steigend. Derzeit belege China Rang 12 als touristischer Markt in Thüringen.

Weniger China, dagegen mehr im Sinne der Barrierefreiheit: Das Thema Schrägaufzug geht voran, informiert Wolfgang Fiedler. Zuletzt konnten 550.000 Euro aus alten SED-Geldern akquiriert werden, die der Freistaat Thüringen vergibt. Damit sollen Planungskosten getilgt werden. Der eigentliche Bau wird allerdings weitere sechs Millionen Euro verschlingen, die von der Stiftung nicht aus eigener Tasche tragbar sind. Minister Tiefensee versprach nach der Preis-Präsentation am Rande: „Wir sind auf einem guten Weg.“