Beulwitz feiert seine Zukunft

Guido Berg
| Lesedauer: 4 Minuten
Sommer-Werkstadt in Beulwitz: Samira, Schifa, Melle und Setare bilden beim Mobi-Cup den "FC Mädchen"!

Sommer-Werkstadt in Beulwitz: Samira, Schifa, Melle und Setare bilden beim Mobi-Cup den "FC Mädchen"!

Foto: Guido Berg

Saalfeld  Sommer-Werkstatt in Saalfelds jüngstem Stadtteil, der noch fast ohne jede Infrastruktur ist. Doch das soll sich ändern.

Saalfelds kinderreichster Stadtteil Alte Kaserne Beulwitz erlebte am Freitag einen feierlichen Höhepunkt seiner 2017er Sommer-Werkstatt. Bei einer Modeschau präsentierten Einwohnerinnen die Kleider, die sie zusammen mit der jungen Saalfelder Modedesignerin Judith Skodlerak geschneidert hatten. Der Applaus war riesig, die gezeigte Fashion erwies sich in der Tat als äußerst fesch.

Die Jungen des Viertels, die bei der Modenschau bis auf eine Ausnahme nur Zuschauer waren, hatten ihre großen Auftritte beim Mobi-Cup der Mobilen Jugendarbeit, dem dank des Landessportbundes ein echter Soccer-Court für ihren Fußball-Wettstreit zur Verfügung stand. Hier traten etwa der „FC Kabul“ gegen den „FC Saalfeld“ an, wobei die Mädchen hier nicht nur Zaungäste waren: Samira, Schifa, Melle und Setare vom „FC Mädchen“ - „Das ist das, was wir sind!“ - traten ordentlich gegen das Leder und lieferten eine tolle Leistung ab.

Die Jugend fordert den Ausbau des Sportplatzes.

Insgesamt waren neun Mannschaften in drei Altersgruppen auf dem Platz. Geschenkt wurde sich nichts, doch Schiedsrichter Armin Romstedt, früher Profi bei FC Rot-Weiß Erfurt, bescheinigte ein gutes Fairplay, wenn auch im letzten Spiel „sehr viel Pfeffer“ drin war. Die Jungs waren erhitzt, die Leidenschaft kochte hoch und was raus musste, musste eben raus: In bestem Fußball-Deutsch reagierte einer der kleinen Spieler auf Kritik an seiner Leistung: „Machs doch besser, Du Nichtskönner!“

Für Christian Uthe von der mobilen Jugendarbeit ist der kleine Fußballplatz in Beulwitz „der Friedensstifter“ schlechthin im Viertel. „Das ist soziale Kitt!“ Immerhin, von den 870 Einwohnern an der Alten Kaserne sind 72 Prozent Kinder, informierte Hanka Giller vom Amt für Jugendarbeit, Sport und Soziales der Stadt Saalfeld. Der Migrantenanteil liegt bei 52 Prozent. Sie hofft auf die Bewilligung von Fördermitteln des Landes Thüringen zum Aufbau eines Quartiersmanagements und zur Einstellung von Sozialarbeitern. Es gebe „Differenzen und Konfliktlinien“ im Viertel, die Stadt müsse acht geben, „dass das hier nicht kippt“. Saalfelds Vize-Bürgermeisterin Bettina Fiedler (CDU) informierte, dass die Förderanträge gestellt und der nötige Eigenanteil im Haushalt eingeplant sei.

Für den Mobi-Cup sehr engagiert hat sich auch die 16-jährige Lisa-Marie Püchler vom Kinder- und Jugendausschuss des Stadtrates. Sie hat Sponsoren gefunden – die Gertruden-Apotheke, die Sparkasse – so dass die Mannschaften nagelneue Fußbälle als Siegpräsent bekommen konnten. Als begehrter Knüller erwiesen sich im Übrigen neben den Bällen die Döner-Gutscheine vom Saalfelder Damas-Imbiss. Lisa-Marie Püchler erklärte der OTZ: „Es wäre schön, wenn der Sportplatz neu gestaltet werden könnte.“ Auch ein Sandkasten für die Kleinen und ein Klettergerüst oder sogar eine Skaterbahn wären wünschenswert: „Es gibt hier genug Platz dafür!“

Problematisch ist derzeit, dass die Fläche der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) gehört und zweckgebunden ist. Eigentlich hatte die Stadt gehofft, Gewerbe würde sich in der Alten Kaserne Beulwitz niederlassen. Die Wohnnutzung sollte enden. Doch es kam anders. Heute ist klar, dass das Viertel eine Zukunft als Wohnviertel hat. So sehen es jedenfalls Stadtplanungschefin Birgit Hunger und Vize-Bürgermeisterin Bettina Fiedler.

Doch dem muss nun entsprochen werden. Einer, der für eine attraktive Wohngegend in den Ring steigt ist der Architekt Bertram Schiffers von der Internationale Bauausstellung Thüringen GmbH. Er ist Leiter eines Modellprojekts in Beulwitz. Bis 2023 will er mit den Anwohnern etwas aufbauen, „ein Haus, wo die Anwohner arbeiten, feiern und sich treffen können“. Bis jetzt gebe es „nichts“ in dem Viertel. „Keinerlei Infrastruktur“ – mit Ausnahme „vielleicht eines Zigarettenautomaten“.