Albanischer Drogenring aufgeflogen - 27 Kilo Heroin mit Erfurter Wagen nach Norwegen gebracht

Erfurt/Oslo/ Den Haag.  Das Thüringer Landeskriminalamt und Norwegische Ermittler haben einen europaweit agierenden albanischen Drogenring auffliegen lassen.

Ein europaweit agierender albanischen Drogenring flog auf (Symbolfoto).

Ein europaweit agierender albanischen Drogenring flog auf (Symbolfoto).

Foto: Julius Jasper Topp

Ermittler aus Norwegen weilten in der vergangenen Woche beim Landeskriminalamt (LKA) in Erfurt. Sie haben Verdächtige vernommen, welche die Thüringer Polizei vergangenes Jahr in Erfurt festnehmen konnte. Das bestätigte gestern das Landeskriminalamt dieser Zeitung. LKA und norwegische Polizei sind seit Monaten gemeinsam mit der Aufklärung eines internationalen Drogendealerrings beschäftigt.

Im Juli 2019 konnten norwegische Beamte an der Grenze zu Schweden einen Drogentransport abfangen. Sie stellten 27 Kilogramm Heroin und ein weiteres Kilogramm Kokain sicher, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Ermittler. Das Fahrzeug kam laut Recherchen des MDR aus Erfurt.

Der Fahrer soll dem inzwischen aufgeflogenen Drogenring angehören. Das Landeskriminalamt bestätigte am Dienstag die erfolgreichen Ermittlungen, in die auch das Zollfahndungsamt Dresden einbezogen ist. Das Verfahren gegen die verdächtige Gruppierung dauert bereits seit einem Jahr an. Insgesamt erfolgten fünf Festnahmen, drei in Erfurt und zwei in Norwegen.

Fahnder hatten Kurierfahrzeug vergangenen Juli auf dem Schirm

Ein Verdächtiger albanischer Herkunft soll die mutmaßliche Bande geführt haben. Weitere Verdächtige hätten die deutsche und die kosovarische Staatsbürgerschaft, heißt es. Federführend in Thüringen ist die Staatsanwaltschaft in Gera an den Ermittlungen beteiligt. Sie ist auf organisierte Kriminalität spezialisiert.

Die Fahnder hatten offenbar vergangenen Juli das Kurierfahrzeug ab Erfurt auf dem Schirm. In Belgien und den Niederlanden soll der Fahrer Drogen aufgenommen haben. Allerdings kehrte der Transport nicht wie erwartet nach Erfurt zurück, so dass die Ermittler das Fahrzeug laut MDR aus den Augen verloren hatten.

Einige Tage später ging der Transporter dann den Norwegern an der Grenze zu Schweden ins Netz. Das war Ausgangspunkt intensiver Ermittlungen, die auch Strukturen und Netzwerke der Drogendealer aufdecken sollten. Unter anderem erfuhren die Kriminalisten von einer Marihuana-Plantage in Sachsen-Anhalt. Ein Tipp an die dortigen Kollegen führte vergangenen August zu 1260 illegal angebauten Pflanzen. Auch diese Plantage soll laut MDR von Erfurt aus gemanagt worden sein.

Anfang Oktober schlugen die Ermittler ein weiteres Mal zu, diesmal in Erfurt. Am Herrenberg, einem Plattenbauviertel im Südosten der Stadt, stürmten Spezialkräfte eine Wohnung. Drei mutmaßliche Mitglieder der Bande wurden festgenommen, illegale Drogen in größeren Mengen sichergestellt

Immer wieder Drogenrazzien in Erfurt

Wie der MDR berichtet, besteht unter anderem der Verdacht, dass eine albanische Gruppierung seit Jahren kiloweise Drogen nach Thüringen und in die angrenzenden Bundesländer bringt, um das Rauschgift dann in den Straßenverkauf zu schleusen. Illegale Drogen sollen auch europaweit ausgeliefert worden sein. Womöglich gehörte die Erfurter Gruppierung zu einer noch größeren Organisation, die über albanische Drogenkartelle bis hin zur kalabrischen Mafia-Organisation Ndrangheta reicht.

In Erfurt und Umgebung erfolgten in den vergangenen Jahren immer wieder Drogenrazzien. Erst vor zwei Wochen konnten Beamte der Erfurter Kriminalpolizei in einem weiteren Verfahren Rauschgift im Kilobereich sicherstellen. Drei der Festgenommenen kamen auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Auch an dieser Razzia waren Spezialkräfte der Polizei beteiligt, um die Verdächtigen zu fassen und die Drogen aufzufinden.

Staatsanwaltschaft und Polizei in Thüringen sind bis an die Belastungsgrenze mit größeren Verfahren auch im Rauschgiftbereich beschäftigt. Denn die Ermittlungen sind immer aufwendiger. Nicht selten muss auch über Ländergrenzen hinweg kooperiert werden, um Organisationen und Netzwerke aufzudecken.

Mafia-Umtriebe in Thüringen erneut in der Debatte