Feuerwehren aus dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt beklagen veraltete Technik

Saalfeld/Rudolstadt  Obwohl in den vergangenen drei Jahren bereits rund drei Millionen Euro in die Technik der überörtlichen Feuerwehren investiert wurden, fehlt es vorn und hinten an Geld. Nicht nur beim Landkreis.

Der Investitionsstau für den überörtlichen Brandschutz, die überörtliche Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz ist gewaltig. Foto: Thomas Spanier

Der Investitionsstau für den überörtlichen Brandschutz, die überörtliche Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz ist gewaltig. Foto: Thomas Spanier

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"In den Kommunen ist die Situation zum Teil noch viel, viel dramatischer", räumte Kreisbrandinspektor Frank Thomzyk am Dienstagabend im Finanzausschuss des Kreistages ein, als er den "Lagebericht über die Gefahrenabwehr des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt" gab.

Doch die gute Nachricht zuerst: Einschließlich der Verpflichtungsermächtigungen für das nächste Jahr hat der Landkreis rund 3,5 Millionen Euro in den Brand- und Katastrophenschutz investiert. In Königsee und demnächst in Rudolstadt gibt es neue Drehleiterfahrzeuge für jeweils mehr als 600 000 Euro, neue Tanklöschfahrzeuge des Kreises stehen in Saalfeld, Remda, Uhlstädt und Kleingeschwenda; Leutenberg erhielt einen Zuschuss für den Neubau des Gerätehauses. Um nur die größeren Ausgaben zu nennen.

Die schlechte Nachricht: Der Investitionsstau für den überörtlichen Brandschutz, die überörtliche Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz wurde seit 2014 lediglich um fünf Prozent abgebaut und beträgt weiterhin mehr als drei Millionen Euro.

Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1973

Grund ist laut Frank Thomzyk der hohe Bedarf an Ersatzbeschaffung für Fahrzeuge und Ausrüstung, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik beziehungsweise den Anforderungen entsprechen. Auch in den Städten und Gemeinden bestehe diesbezüglich ein hoher Investitionsbedarf, welcher derzeit nicht immer gedeckt wird. Soll heißen: Die veraltete Technik verschleißt schneller als neue auf dem Hof steht.

Ein Beispiel dafür sind Schneid- oder Spreizwerkzeuge zur Rettung von in Fahrzeugen eingeklemmten Personen. "Durch den Einsatz hochfester Werkstoffe in der heutigen Fahrzeugproduktion reicht die vorhandene Ausrüstung nicht mehr aus, um gezielt und wirksam Hilfe zu leisten", stellt der Kreisbrandinspektor fest. Fehlende Rettungsplattformen zur Rettung verunfallter Personen aus Lkw-Fahrerhäusern oder die Umstellung der Schlauchsysteme im Gefahrgutsektor seien weitere Beispiele für geänderten Bedarf.

Darüber hinaus schwäche die demografische Entwicklung die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Feuerwehr in zunehmendem Maße. "Sorgen bereitet die Situation in einigen Städten und Gemeinden", erklärte Thomzyk. So sei der Einsatz von Hub­rettungstechnik (Drehleiter) in mehreren Orten nicht innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten gewährleistet. Dies betreffe beispielsweise die Standorte Bad Blankenburg, Schwarzburg, Sitzendorf, Mellenbach, Meuselbach, Katzhütte, Uhlstädt, Großkochberg, Leutenberg und Lehesten.

Der Handlungsdruck bleibt demnach unverändert hoch. "Der Zustand einiger Fahrzeuge ist aus Sicht des Amtes nicht mehr zu verantworten", so Thomzyk. Infolge der Überalterung müsse in naher Zukunft damit gerechnet werden, dass Fahrzeuge außer Dienst gestellt werden. Dazu gehöre das Tanklöschfahrzeug vom Baujahr 1973 in Drognitz, welches über ein Vierteljahr wegen eines Getriebeschadens außer Dienst war, da es hierfür keine Ersatzteile mehr gab. Der Schaden konnte letztlich durch Kleben vorübergehend instand gesetzt werden.

Ähnliche Probleme gibt es auch in Unterwellenborn, Großkochberg oder Kleingeschwenda, wo die Türen des Tanklöschfahrzeuges mit Zurrgurten gehalten werden müssen. Einsatzleitwagen für Tunnelbasisein-heiten und Stützpunktfeuer-wehren fehlen in Lehesten, Oberweißbach, Unterwellenborn und Bad Blankenburg. Im Ausrückebereich Leutenberg fehlt die Drehleiter zur Rettung von Menschen.

Thomas Spanier über die Situation in den Feuerwehren