Hilfe für schwangere Freundin des verunglückten Feuerwehrkameraden

Feuerwehrverband und viele Spender helfen der Lebensgefährtin des verunglückten Saalfelder Kameraden. Bei einem Unfall mit einem Einsatzfahrzeug am Stausee Hohenwarte kam am 7. Juni ein 30-jähriger Feuerwehrmann aus Saalfeld ums Leben. Die Frau, die im August ein Kind erwartet, bekommt jetzt Hilfe.

Fassungslosigkeit herrscht immer noch bei den Kameraden der Saalfelder Feuerwehr. Am 7. Juni verunglückte Matthias S. bei einem Einsatz am Hohenwarte-Stausee. Foto: Peter Scholz

Fassungslosigkeit herrscht immer noch bei den Kameraden der Saalfelder Feuerwehr. Am 7. Juni verunglückte Matthias S. bei einem Einsatz am Hohenwarte-Stausee. Foto: Peter Scholz

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Saalfeld. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Saalfeld sind auch fast zwei Monate nach dem Unglück noch immer so fassunglos wie am Abend des 7. Juni. "Es ist unbegreiflich, dass er nie mehr wiederkommt", sagt Christian Hein. Hein spricht von Matthias S., der zu Pfingsten bei einem Feuerwehreinsatz am Hohenwarte-Stausee nahe Saalfeld tödlich verunglückte. S. habe sich seit seinem zehnten Lebensjahr bei der Saalfelder Feuerwehr engagiert - selbst dann noch, als er bereits bei der Berufsfeuerwehr Erfurt arbeitete. Gemeinsam mit Christian Hein rückte der 30-Jährige nicht nur zu Einsätzen und Übungen aus, sondern kümmerte sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit der Saalfelder Feuerwehr.

Lebensgefährtin vom Staat im Stich gelassen

Der gleichaltrige Hein gehört dem selben Freundeskreis an wie Matthias S. - "dass er auf einmal weg ist, nimmt uns alle unglaublich mit". Ganz besonders auch deshalb, weil S. eine hochschwangere Lebensgefährtin hinterlässt, mit der er glücklich war, die er bald heiraten und mit der er sich etwas aufbauen wollte. Christian Hein und die 40 Kameraden der Saalfelder Wehr bedrückt vor allem, dass die junge Frau von staatlicher Seite "im Grunde komplett allein gelassen wird". Wäre das Paar verheiratet gewesen, wäre ganz selbstverständlich die Feuerwehr-Unfallkasse eingesprungen und hätte sie in ihrem Leid zumindest finanziell aufgefangen. Bei unverheirateten Paaren aber greift diese Absicherung nicht. Die junge Frau, deren Baby Ende August zur Welt kommen soll, steht im Grunde mit leeren Händen da.

Der Thüringer Feuerwehrverband weiß um dieses Dilemma und hat sofort gehandelt: Die von ihm nach dem Tod zweier Kameraden gegründete Opitz-Neubauer-Stiftung überwies bereits wenige Tage nach der Tragödie, am 13. Juni, eine Einmalzahlung in Höhe von mehreren Tausend Euro. "Außerdem gingen bei uns mehrere Tausend Euro an Spenden ein, die wir in nächster Zeit an die Lebensgefährtin weiterreichen", sagt Geschäftsführer Alexander Blasczyk, der sich namens des Verbandes und seiner Stiftung für die große Spendenbereitschaft bedankt, die alle ungemein freut. "Wir hoffen, so das Leid der Hinterbliebenen zumindest finanziell etwas abmildern zu können."

Oft melden sich jene, die selbst nicht viel haben

Parallel dazu haben die Kameraden der Saalfelder Wehr am 6. Juli einen Spendenaufruf über das soziale Netzwerk Facebook gestartet, der nicht nur in Windeseile republikweit verbreitet wurde, sondern auch ein großes Echo ausgelöst hat. Unzählige Leser bekunden in Kommentaren ihr Mitgefühl, kondolieren S.‘ Lebensgefährtin, Familie und Kameraden und kündigen Geld- und Sachspenden an.

Christian Hein rechnet zwar nicht unbedingt mit einem prall gefüllten Spendenkonto, wohl aber damit, dass in den nächsten Tagen einige Pakete etwa mit Babykleidung und -bedarf eintreffen. Dabei sei es wie oft bei Spendenaufrufen: Es melden sich jene, die eigentlich selbst nicht viel haben und nichts erübrigen können.

Keine Auszeit nach dem Unglück

Neben konkreter Hilfe soll der Spendenaufruf via Facebook aber auch dafür sorgen, dass das Unglück und vor allem Matthias S. in der Hektik des Alltags und der Nachrichtenflut nicht in Vergessenheit geraten. Schließlich ist die Tragödie, die aus Sicht Heins bei dem Einsatz am Stausee jeden Kameraden hätte ereilen können, zumindest bei Politikern offenbar schon aus dem Blickfeld geraten. Die Saalfelder Kameraden, die wie alle Feuerwehrleute bei jedem Einsatz ihre Haut zu Markte tragen, geben aber die Hoffnung nicht auf, dass es vielleicht doch noch ein Hilfsangebot von staatlicher Seite gibt. Das, so ist sich Christian Hein sicher, würde auch ihre Trauerarbeit ein wenig erleichtern. Selbst unmittelbar nach dem Unglück konnten sie sich keine kurze Auszeit zum Innehalten und Nachdenken verordnen, sondern wurden als technisch gut gerüstete Wehr sofort wieder zu schweren Unfällen und dergleichen gerufen.

Spendenkonto des Feuerwehrvereins Saalfeld: Kontonummer 11016612, BLZ 83050303 bei der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt, IBAN: DE89830503030011016612, BIC: HELADEF1SAR, Verwendungszweck: "Spende für junge Mutti".

Erfurter Feuerwehr trauert um ihren bei Saalfeld verunglückten Kollegen

Erfurt/Saalfeld: Stiftung hilft schwangerer Frau des toten Feuerwehrmannes

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren