In Berg resümiert der Zoll: Crystal löst beim Schmuggel die Zigaretten ab

Berg  Sonst schaut der Zoll den Bürgern in die Tasche. Am Sonnabend war es mal fast umgekehrt. Im oberfränkischen Berg stellten die Hauptzollämter Erfurt und Regensburg ihre Arbeit näher vor.

Der Unhold wird am Arm gepackt... Foto: Peter Hagen

Der Unhold wird am Arm gepackt... Foto: Peter Hagen

Foto: zgt

„Sam“ fixiert genau den Autofahrer, der nur widerwillig aussteigt und die beiden Zollbeamten voll pöbelt. Von wegen „Schnüffler“, die ihm „die Zeit rauben“. Als der stämmige Kerl schließlich handgreiflich werden will, packt sich „Sam“ blitzschnell dessen rechten Arm und zerrt den 90-Kilo-Mann in der nächsten Sekunde zu Boden. Dort werden ihm dann mit Handschellen die Hände auf dem Rücken fixiert.

Es ist nicht unbedingt der Alltag von Zoll-Kontrolleuren. Und in diesem Fall ist es auch nur eine der vielen Vorführungen, die es am Sonnabend unmittelbar neben dem Autohof Berg zu sehen gab. „Sam“ ist einer der hoch qualifizierten Vierbeiner, die den Frauen und Männern in den Zoll-Uniformen wertvolle Unterstützung leisten – ob als Schutzhund, wie in diesem demonstrierten Fall, oder im wahrsten Wortsinn als Schnüffler, wenn es vielleicht im Reserverad versteckte Drogen zu finden gilt.

13 Dienststellen mit 920 Mitarbeitern

Die Präsentation der Rauschgift- und Tabakspürhunde war nur ein Programmbestandteil zu diesem „Tag der offenen Tür“ beim Zoll gewesen. In der neu errichteten Kontrollhalle gab es zudem eine umfangreiche Technik- und Fahrzeugschau sowie eine Vielzahl an Informationen über die Arbeit dieser dem Bundesfinanzministerium zugehörigen Behörde. „Das Hauptzollamt Erfurt mit seinen 920 Mitarbeitern ist für Thüringen und Südwestsachsen, also den Raum Plauen bis Chemnitz und das Erzgebirge, zuständig“, erklärt die Leitende Regierungsdirektorin Gerda Koszinowski. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören 13 Dienststellen.

Die Kontrolle der Warenein- und -ausfuhr an den deutschen Außengrenzen ist eine klassische Aufgabe des Zolls, die jedem hinlänglich bekannt sein dürfte. Auch die Bekämpfung des Handels mit geschützten Tier- und Pflanzenarten gehört dazu. Und überhaupt gilt es jede Art von Schmuggel zu unterbinden, seien es Plagiate auf dem Gebiet der Produktpiraterie, Waffen, Schwarzgeld, Alkohol, Drogen oder Zigaretten. Im Inland wird der Zoll tätig bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung sowie bei der Kontrolle der korrekten Abgabe von Energie-, Tabak- und Stromsteuer, um nur einige Beispiele zu nennen.

Raffinierte Verstecke der Schmuggler

Um an den wachsamen Blicken des Zolls vorbei zu kommen, lassen sich Schmuggler die raffiniertesten Verstecke einfallen. Im Mai erst hatte der Zoll in Thüringen auf der A 4 knapp 100 000 Zigaretten entdeckt, die sich bei einem Transporter im Zwischenraum von Ladefläche und Unterboden befanden. Hohlraumsichtgeräte helfen dabei, derartiges Schmuggelgut zu entdecken. An einem Ende des schlauchartigen Geräts befindet sich eine Kamera, die zum Monitor am anderen Ende ein gestochen scharfes Bild davon liefert, was sich möglicherweise in den verwinkeltsten Hohlräumen befindet.

Doch es gibt auch den relativ einfach präparierten Hosengürtel, die zerknautschte Getränkedose oder geschickt manipulierte Zigarettenschachteln, die als Versteck dienen. Und zwar insbesondere beim Drogenschmuggel. „Crystal hat die Zigaretten im Prinzip abgelöst“, ist in Berg von den Zöllnern zu hören, fragt man sie zu den häufigsten Entdeckungen im grenznahen Raum zu Tschechien. Die Gewinnspannen für die Schmuggler müssen enorm sein.

Hoher Gewinn bei der illegalen Einfuhr von Crystal

Ein Zöllner: „Ein Gramm Crystal wird in Tschechien für teilweise unter 20 Euro erworben und je nach Reinheitsgehalt für bis zu 90 Euro in Deutschland weiterverkauft.“ Der Verkaufspreis steige, je weiter das Geschäft von der Grenze entfernt stattfindet. Denn selbst nach dem Grenzübertritt bleibt das Entdeckungsrisiko. Bei entsprechendem Verdacht, kann der Zoll jederzeit seine Kontrollen durchführen und bedient sich hierbei moderner Technik wie dem Röntgenmobil, das auch regelmäßig beim Reiseverkehr zum „SonneMondSterne“-Festival in Saalburg zum Einsatz kommt.

Ähnlich der Flughafenkontrolle, werden da Gepäckstücke durchleuchtet. Auf dem Monitor ist sofort zu sehen, ob es verbotene Gegenstände gibt. Derartige Einsatztechnik gibt es auch in groß für Sattelzüge. In Berg ist so eine „teilmobile Röntgenkontrollanlage“ stationiert. „Wenn jemand etwas im Sattelauflieger verstecken will, dann packt er es auf der Ladefläche weit nach vorne“, so die Erfahrung von Zolloberinspektor Guido Wollenhaupt. Um bei einer Kontrolle nicht erst die gesamte Fracht entladen zu müssen, fährt der Sattelzug durch die Röntgenanlage. Sollte es dann verdächtige Hinweise geben, geht‘s in die Kontrollhalle zum Abladen.

Die Anlage wird täglich zweischichtig genutzt. Bei allen kontrollierten Lastwagen gibt es immerhin eine „Beanstandungsquote“ von zehn bis zwölf Prozent.

Das reicht vom Schmuggel über Markenpiraterie bis hin zu Steuerschulden, die im gut verzweigten Zollkontrollnetz schnell ans Licht kommen.

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