„Reichsbürger“ in Unterlemnitz stiehlt Dienstausweis

Unterlemnitz  Die Polizei musste am Dienstag in Unterlemnitz anrücken, weil ein Mann den Dienstausweis einer Rathausmitarbeiterin einbehalten hatte. Mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss konnten die Polizisten das Dokument sicherstellen.

Gegen 18 Uhr rückte die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss in Unterlemnitz an. Ein so genannter Reichsbürger hatte von einer Rathaus-Mitarbeiterin den Dienstausweis gestohlen. Foto: Peter Hagen

Gegen 18 Uhr rückte die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss in Unterlemnitz an. Ein so genannter Reichsbürger hatte von einer Rathaus-Mitarbeiterin den Dienstausweis gestohlen. Foto: Peter Hagen

Foto: zgt

Eine Vollzugsmitarbeiterin der Stadtverwaltung Bad Lobenstein hatte am Dienstag den Mann aufgesucht, um offenstehende Rechnungsbeträge einzufordern. Nach OTZ-Recherchen hatte der 49-jährige Mann, der der so genannten Reichsbürger-Szene zugeordnet wird, von der Frau verlangt, sich auszuweisen. Als diese ihren Dienstausweis vorzeigte, griff sich der Mann das Dokument und behielt es ein. Trotz mehrfacher Aufforderung war er nicht bereit, den Ausweis wieder auszuhändigen.

Die Stadtverwaltung ersuchte daher Amtshilfe bei der Polizei. Seitens der Staatsanwaltschaft war bisherigen Informationen zufolge zunächst kein hinreichender Grund für eine Durchsuchung des Objektes gesehen worden. Ein Richter entschied jedoch anders und erließ einen Durchsuchungsbeschluss. Kurz vor 18 Uhr rückten daraufhin mehrere Beamte an dem Wohnhaus in Unterlemnitz an und versuchten zunächst einfühlsam, dass der Mann freiwillig den Ausweis wieder heraus gibt. Letztlich kam dieser dann der Forderung freiwillig nach.

Unterdessen eilte ein weiterer Einwohner aus Unterlemnitz, der laut Polizeibericht mit dem Beschuldigten Reichsbürger sympathisierte, herbei und fragte angesichts der Polizei den Mann, ob dieser seine Hilfe benötige. Zuvor fotografierte der 59-jährige Mann, der zu den wenigen Einheimischen gehörte, die im vorigen Jahr bei einer Thügida-Kundgebung in Bad Lobenstein Beifall spendeten, die vor dem Haus stehenden Einsatzfahrzeuge der Polizei. Er wurde aufgefordert, das Grundstück zu verlassen. Von der gegenüberliegenden Straßenseite filmte er dann die Arbeit der Polizei. Der Aufforderung, auch dies zu unterlassen, kam er ebenfalls nicht nach. Als er das Smartphone zur Gefahrenabwehr herausgeben sollte, leistete er Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten, wie die Polizei mitteilte.

Gegen den 49-jährigen Unterlemnitzer werden jetzt Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Diebstahls und der Unterschlagung geführt. Gegen den 59-Jährigen wurde laut Polizei Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Verleumdung erstattet. Laut Polizeibericht hatte der Mann gegenüber zufällig vorbeikommenden Passanten die Behauptung aufgestellt, geschlagen worden zu sein.

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