„Schwere Explosion in Gefell“: Zum Glück nur Großübung der Rettungskräfte

Gefell  Mit einer Großübung sollte am Sonnabend in Gefell das Zusammenspiel von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Rettungskräften geprobt werden. Angenommen wird eine schwere Explosion.

Tag der Rettung in Gefell mit Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Rettungskräften. Foto: Peter Hagen

Tag der Rettung in Gefell mit Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Rettungskräften. Foto: Peter Hagen

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Es ist ein Szenario, das es in der Realität hoffentlich nie geben wird: Im Kompressorraum einer Fabrik hat es eine schwere Explosion gegeben. Teile des Gebäudes sind stark beschädigt worden, Rauch dringt durch alle Räume, überall liegen Verletzte und rufen nach Hilfe.

Kurz nach 13 Uhr wird in Gefell der Großalarm ausgelöst. Die Feuerwehr der Stadt sowie die Nachbarwehren aus Hirschberg, Tanna, Ebersdorf, Bad Lobenstein und Triptis rollen zur Firma Microtech. Dazu kommen Rettungswagen des DRK und der Johanniter und die blaue Einsatzkarawane des Technischen Hilfswerkes aus Gera. Innerhalb weniger Minuten weiß jeder von den zirka 80 Einsatzkräften, was er zu tun hat. Dem Technischem Hilfswerk beispielsweise obliegt die Aufgabe, einen „einsturzgefährdeten Bereich“ des Fabrikgebäudes abzusichern, damit die Lösch- und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit keinen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt sind.

Unterdessen werden an mehreren Punkten die Löschwasserschläuche verlegt, mit einer 400 Meter langen Schlauchstrecke den Georg-Neumann-Platz entlang entsteht eine Wasserversorgung vom Ehrlichbach. Mit Atemschutz ausgerüstete Feuerwehrkräfte rücken in das Gebäudeinnere vor. Zunächst heißt es, es würden 16 Personen vermisst, später wird diese Zahl auf 18 nach oben korrigiert.

Immer wieder werden – dank realistischer Wunddarstellung – sichtbar schwer verletzte Personen auf Tragen nach draußen gebracht. Der Rettungsdienst hat einen Sammelpunkt eingerichtet, wo unter anderem Rettungsassistent Thomas Stahlschmidt die Erstversorgung übernimmt. „Im Ernstfall bekommen hier die Patienten farbige Karten, mit denen sofort die Schwere der Verletzung erkennbar ist“, erklärt Thomas Stahlschmidt, warum er verschiedenfarbig markierte Zettel verteilt. Die Farbe Rot steht beispielsweise für schwer verletzt, Gelb für leicht verletzt. Damit ist leicht erkennbar wer den Notarzt am dringendsten benötigt beziehungsweise sofort mit dem nächsten Rettungswagen zu transportieren ist.

Zwei menschenschwere Puppen bekommen die Farbe Blau. Heißt: Hier ist jede Hilfe leider zu spät. Auch das kann im Katastrophenfall zu den Ereignissen gehören, mit denen Einsatzkräfte klarkommen müssen. Im Rettungsdienstalltag musste Thomas Stahlschmidt bislang noch nicht mit den farbigen Karten arbeiten. „Die Übung macht nicht dümmer, das funktionierende Zusammenspiel zwischen allen Einsatzkräften ist im Ernstfall wichtig“, erklärt der 38-jährige Mitarbeiter des DRK Schleiz. Auch beim größten Unglück müsse stets ein kühler Kopf bewahrt werden, gelte es sich schnell einen Überblick zu verschaffen. „Das Koordinieren der Einsatzkräfte ist das, was bei dieser Übung trainiert wird.“

Unter den „Verletzten“ befindet sich der 14-jährige Philipp Grubner aus Hirschberg. Eine Rauchgasverletzung wird bei ihm angenommen. „Wir steckten im Aufzug fest und haben den Notruf betätigt“, beschreibt er seine Aufgabe. Warum er an diesem Sonnabend bei dieser Übung mitmacht, statt daheim vorm Computer zu sitzen? „Ich mag nicht nur drin hocken, das hier ist viel interessanter und macht auch Spaß“, antwortet der künftige Feuerwehrmann, der bei der Jugendwehr aktiv ist. Später werde er selbst da sein, wenn Hilfe gebraucht wird und Menschenleben zu retten ist.

Nachdem vermeintlich alle vermissten Menschen aus dem Gebäude geholt worden sind, macht sich Martin Kroschk mit „Charlie“ auf die Nachsuche. Der Labrador gehört zur Rettungshundestaffel des Technischen Hilfswerkes Gera und soll mögliche weitere Verletzte aufspüren. „Dieses Jahr hat ,Charlie‘ noch seine Prüfung als Trümmer- und Flächensuchhund“, ist von Martin Kroschk zu erfahren. Dann wird die dreijährige Hündin offiziell in den Dienst versetzt. Die Rettungshunde werden übrigens von den Mitgliedern der Staffel privat gehalten. Auch das verdient Respekt. Denn wer mag schon gerne seinen liebgewordenen Vierbeiner in Gefahrengebiete schicken.

Gegen 14.30 Uhr können die Schläuche eingerollt werden. Die Großübung ist beendet. Einsatzleiter Michael Militzer darf zufrieden sein: „Das Zusammenspiel aller Beteiligten hat funktioniert.“ Es ist der Abschluss an diesem „Tag der Rettung“, den es in Gefell schon öfter gegeben hat. Er begann schon frühmorgens im Gerätehaus mit dem theoretischen Teil. Vorgestellt wurden beispielsweise die Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten des Technischen Hilfswerkes, es wurde näher auf Verletzungsmuster speziell bei Atemschutzeinsätzen sowie nach Explosionen eingegangen und es wurde sich eingehend mit der analogen und digitalen Funktechnik befasst, mit der die Einsatzkräfte untereinander in Verbindung stehen. Während die meisten Familien sich ein langes Pfingst-Wochenende gönnen, haben hier die Ehrenämtler einmal mehr einen Tag damit verbracht, ihren Handwerk für den Ernstfall zu perfektionieren.

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