Werbung für Feuerwehrleute in Thüringen: Gebäudebrände so oft wie lange nicht

Erfurt  Die Zahl der Aktiven bei den Thüringer Feuerwehren sinkt um weitere 1000, die ihrer Einsätze bleibt etwa gleich. Jetzt gibt das Land 50 000 Euro für eine Kampagne zur Mitgliederwerbung.

Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD, links) stellte am Donnerstag in der Hauptfeuerwehrwache Erfurt den Brand- und Katastrophenschutzbericht für das Jahr 2014 vor. Foto: Alexander Volkmann

Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD, links) stellte am Donnerstag in der Hauptfeuerwehrwache Erfurt den Brand- und Katastrophenschutzbericht für das Jahr 2014 vor. Foto: Alexander Volkmann

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Die Gründe bleiben im Reich der Spekulation, der Fakt hingegen ist belegbar: 2014 hat es 1260 Brände in Gebäuden gegeben, die von der Feuerwehr gelöscht werden mussten. So viel wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Jeweilige Brandursachen werden zumindest bei den Wehren nicht statistisch erfasst. „Die Feuerwehren sind keine Brandermittler“, erklärt Ingrid Ortlepp vom Thüringer Innenministerium. Sie verweist allerdings auf Studien des Instituts für Schadensverhütung und Schadensforschung. Danach brennt es in Wohnungen und Betriebsstätten oft wegen technischer Defekte an Elektrogeräten. Nicht selten würden auch Mehrfachsteckdosen überlastet. Das bestätige, sagt Innenminister Holger Poppenhäger (SPD), wie richtig die Entscheidung der Vorgängerregierung war, in neuen und sanierten Wohnungen das Anbringen von Rauchmeldern verpflichtend vorzuschreiben. Dass dadurch auch die Zahl der Fehlalarme gestiegen sein könnte, mutmaßt er nicht.

Die beamteten Feuerwehrleute auch nicht. Sie schieben den Umstand, dass es sich bei jeder fünften Brandmeldung um einen Fehlalarm handelt, mit steigender Tendenz zum Blindalarm, eher der immer stärkeren Verbreitung von Handys und ähnlichen Geräten mit Notruftaste in die Schuhe. Boshaft bis blödsinnig wurde im Vorjahr die Feuerwehr nur 107 Mal ohne Grund gerufen. Das ist bei fast 5000 Fehlalarmen eine erträgliche Quote.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 3202 Einsätze der Feuerwehr zur Bekämpfung von Bränden. Was dabei immer wieder verwundert: Das ist nur ein Bruchteil dessen, was die rund 35 000 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen in Notsituationen leisten. Sie befreien Verkehrsunfallopfer aus demolierten Fahrzeugen, retten Absturzgefährdete, holen Mensch wie Tier aus allen möglichen Zwangslagen, dämmen auslaufenden Treibstoff und andere gefährliche Stoffe ein und sind nicht zuletzt die Experten bei der Bekämpfung von Hochwasserschäden.

Wehrangehörige riskieren Kopf und Kragen

Minister Poppenhäger erinnerte gestern an den jungen Feuerwehrmann, der erst vor knapp zwei Wochen beim Hochwassereinsatz nach einem Unwetter im Eichsfeldkreis ums Leben kam. Ebenso tragisch, sagte er, sei der Tod des jungen Kameraden aus Saalfeld gewesen, der im Juni vorigen Jahres mit einem 14 Tonnen schweren Einsatzfahrzeug einen Hang hinabstürzte. Dass Feuerwehrleute immer wieder Leib und Leben riskieren, um ihren Dienst zum Schutz der Allgemeinheit zu leisten, könne gar nicht hoch genug gewürdigt werden, so der SPD-Politiker.

Zumal fast 98 Prozent der Feuerwehrangehörigen Ehrenamtler sind. Die Freiwilligen bewältigten von den insgesamt 25 190 Einsätzen des Vorjahres fast 60 Prozent. Die Kehrseite dieser Statistik ist die sinkende Zahl der Mitglieder bei den Wehren. Sie fiel um weitere rund 1000 innerhalb eines Jahres. Weil Feuerwehren besonders im ländlichen Raum aber auch fester Bestandteil des Gemeindelebens sind, wie die SPD-Abgeordnete Dorothea Marx anmerkt, unterstütze das Land den Feuerwehrverband in diesem Jahr bei einer Image-Kampagne. Mit 50 000 Euro. Der Linke-Innenpolitiker Steffen Dittes nennt neben der Mitgliederwerbung die Einführung des Digitalfunks bei der Feuerwehr eine „dringliche Aufgabe“. Da ist er ganz beim Minister. „Hier hat Thüringen einen Rückstand gegenüber sämtlichen Nachbarländern“, stellt Poppenhäger fest. Nun müsse der Freistaat ein teures Projekt mit großer Eile nachholen, denn die Teilinbetriebnahme der neuen ICE-Strecke Erfurt-Halle/Leipzig erfordere eine Umrüstung noch in diesem Herbst.

Wenigstens für die Tunnel-Feuerwehren. Weil ein flächen­deckender Abschied vom Analogfunk rund 26 Millionen Euro kosten wird, erhalten sie moderne Funkgeräte zunächst mal von der Polizei geliehen.

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