Böttcher-Investition in Zöllnitz: Irritation wegen Ausgleichsfläche

Zöllnitz  Gemeinderat in Zöllnitz votiert für B-Planentwurf der Böttcher AG – Irritation um Ausgleichsfläche in Hummelshain.

Auf diesem Feld in Zöllnitz will die Büromarkt Böttcher AG ihr neues Logistikzentrum bauen. Südlich des Areals ist ein neues Wohngebiet, das vorher als Mischgebiet im Flächennutzungsplan ausgewiesen war, nördlich verläuft die Landstraße nach Stadtroda. 

Auf diesem Feld in Zöllnitz will die Büromarkt Böttcher AG ihr neues Logistikzentrum bauen. Südlich des Areals ist ein neues Wohngebiet, das vorher als Mischgebiet im Flächennutzungsplan ausgewiesen war, nördlich verläuft die Landstraße nach Stadtroda. 

Foto: Katja Dörn

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Die Planungen für das neue Logistikzentrum der Büromarkt Böttcher AG in Zöllnitz sind einen Schritt weiter. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend sein Okay gegeben, damit der Bebauungsplan für das 100 Millionen Euro schwere Projekt nun in die öffentliche Auslegung kommt. Für Bürger bedeutet dies, dass sie sich im Detail mit den Planungen auseinandersetzen und mögliche Einwände formulieren können. Der Internet-Großhändler will im Gewerbegebiet Lerchenfeld West gegenüber dem Bahnhaltepunkt Neue Schenke ein Bürogebäude mit angeschlossenem Hochregallager bauen.

Zöllnitz‘ Bürgermeisterin Ingrid Helmke gab sich sichtlich Mühe, alle Details während der Gemeinderatssitzung zu erklären, die etwa 40 Bürger verfolgten. Völlig d‘accord sind mit der wirtschaftlichen Ansiedlung nämlich weiterhin nicht alle Zöllnitzer. Das zeigte auch die Abstimmung: Fünf Gemeinderäte votierten für den Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss, die zwei Anwesenden der Freien Wählergruppe (FWG) stimmten dagegen, ein Ratsmitglied enthielt sich.

Die Wählergruppe war es auch, die im Oktober 2018 mit ihren Ansinnen scheiterte, das gesamte Vorhaben wieder zu stoppen. Damals hatte ein Flyer die Runde im Ort gemacht, der von einer 25 Meter hohen „Monsterhalle“ sprach. Über diese Höhe wurden die Gemeinderäte Monate zuvor in einer nichtöffentlichen Sitzung vor einem Jahr informiert.

Mittlerweile hat das Unternehmen seine Pläne heruntergeschraubt. Ein erster konkreter Entwurf, der schließlich im Oktober öffentlich präsentiert wurde, spricht von 15 Metern Bauhöhe (418 Meter Länge, 68 Meter Breite). Nur am westlichen Ende werden es 16,2 Meter sein, was dem Höhenunterschied in der Fläche geschuldet ist. „Das Gebäude ist durch die Absenkung dort höher“, erklärte Karin Schragow vom beauftragten KGS Stadtplanungsbüro Helk aus Mellingen. Darunter geht nichts, „sonst ist das Hochregallager wirtschaftlich nicht zu betreiben“.

Im vorläufigen B-Plan verankert sind weitere Details: So stehen Bauarbeiten an der Stadtrodaer Landstraße an. Von Richtung Stadtroda kommend ist kurz vor der Brücke über die Bahnlinie eine Linksabbiegespur für den Lastwagen-Verkehr vorgesehen. Dafür und andernorts müssen Bäume fallen. Verankert ist, dass Böttcher auf seinem Gelände 99 neue Bäume pflanzt.

Außerdem sieht der Planentwurf ein Gründach auf 22.000 Quadratmetern Fläche vor. Das Gebäude werde – ähnlich jenem von Everpharma an der A4 – in einer blau-weißen Fassaden erscheinen.

Wo Land versiegelt wird, müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden. Dieser Punkt stieß bei einigen Bürgern und Gemeinderäten auf ungläubiges Entsetzen. Denn als Entsiegelungsmaßnahme ist die Parkanlage des Neuen Jagdschlosses in Hummelshain aufgeführt, wo die maroden Gebäude des früheren Jugendwerkhofes verschwinden sollen. „Warum wird nicht vor Ort entsiegelt“, fragte Ratsmitglied Lutz Bergner (FWG), schließlich gebe es entsprechende Objekte wie eine alte Gärtnerei. „Die Untere Naturschutzbehörde listet die Flächen, es müsste der Kontakt mit den Eigentümern hergestellt werden“, erklärte Timmy Kobs vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal. Das sei aber nicht Aufgabe der Gemeinde. Nach Drängen eines Bürgers wand Kobs ein, das Thema an die Böttcher AG weiterzugeben.

Sollten keine abwägungsrelevanten negativen Stellungnahmen zum ausgelegten B-Plan eingehen, rollen erste Bagger schon Ende 2019 an. „Bis dahin könnte eine Teilbaugenehmigung für den Erdaushub vorliegen“, sagt Timmy Kobs. Zuletzt rechnet das Unternehmen mit einer Fertigstellung bis 2022.

Die Kosten für das gesamte bisherige Planverfahren übernimmt die Böttcher AG, den B-Plan erstellt die Verwaltungsgemeinschaft. Die Gemeinde Zöllnitz muss nur einen Teil für die Änderung des Flächennutzungsplanes bezahlen: jenen nämlich, der für den neuen Kindergarten notwendig ist, der südlich der Zöllnitzer Straße entstehen soll. „Wir wollen demnächst den Bauantrag einreichen, um dieses Jahr noch die Genehmigung zu bekommen“, sagt die Bürgermeisterin.

Der B-Plan für das Böttcher-Logistikzentrum kann von Anfang Juni bis Mitte Juli zu den Sprechzeiten der Bürgermeisterin im Gemeindebüro eingesehen werden oder in der Verwaltungsgemeinschaft in Kahla sowie unter www.vg-suedliches-saaletal.de(Bekanntmachungen).

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