Weihnachtsbaum für Brandenburger Tor kommt aus Breitenworbis

Breitenworbis.  Eine 15 Meter hohe Tanne macht sich Sonntag auf den Weg nach Berlin. Sie stammt aus dem Garten von Rolf und Monika Eschborn aus Breitenworbis.

Eine 15 Meter hohe Coloradotanne aus Breitenworbis wird in diesem Jahr den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin schmücken.

Eine 15 Meter hohe Coloradotanne aus Breitenworbis wird in diesem Jahr den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin schmücken.

Foto: Johanna Braun

Am kommenden Sonntag ist bereits der erste Advent. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Höchste Zeit also an einen Christbaum zu denken – zumindest für die Stadt Berlin. Seit fünf Jahren kommt der Baum, der den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor schmückt, schon aus Thüringen und in diesem Jahr aus dem Eichsfeld. Nachdem bereits eine Fichte aus Heiligenstadt für den Erfurter Domplatz abgeholt wurde, ist es nun eine Coloradotanne aus Breitenworbis, die ihrerseits in Berlin für weihnachtliche Stimmung trotz fehlender Weihnachtsmärkte sorgen soll.

45 Jahre alter Baum stand in einem Garten in Breitenworbis

Die Firma Tannen Wulf aus Sömmerda kam am Samstagmorgen mit Schwerlastkran und Tieflader nach Breitenworbis, um den 45 Jahre alten Baum zu fällen. Dieser stand auf dem Gartengrundstück von Familie Eschborn. Monika und Rolf Eschborn hatten, dick eingepackt, die Mitarbeiter empfangen. Sie hatten schon länger vor gehabt, die Tanne fällen zu lassen. Man habe ein wenig Sorge gehabt, dass sie aufgrund ihrer leichten Schieflage irgendwann das Gartenhaus beschädigen würde. „Wir haben sie überall angeboten, aber allen war sie zu groß“, sagte Monika Eschborn. Man habe auch mit Thüringenforst in Erfurt in Kontakt gestanden. Dann kam der Anruf, die Tanne solle nach Berlin. Monika Eschborns erster Gedanke: „Meine Güte.“

Die Landesforstanstalt fragt jedes Jahr in den insgesamt 281 Revierförstereien nach, ob sich nicht ein Baum für Berlin finden lasse. „Manchmal kommt der aus Staats-, manchmal aus Kommunal- oder Privatwäldern und zuweilen eben auch von einem Privatgrundstück“, erklärte Horst Sproßmann, Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Medien bei Thüringenforst. Die Anstalt bezahlt den Baum. „Das sind immer so zwischen 500 und 700 Euro.“ Den Transport, also den Mammutanteil der Kosten, übernimmt das Energieunternehmen Lekker aus Berlin.

Für die Auswahl des wohl prominentesten Baums Deutschlands gibt es einige Kriterien

Für die Auswahl des wohl prominentesten Baums Deutschlands gibt es dabei, laut Thüringenforst, einige Kriterien. Es muss zwischen 15 und höchstens 20 Meter hoch sein, ein rundum volles, kegelförmiges Nadelkleid tragen und keinerlei Holzfehler oder Wuchsanomalien aufweisen. Und natürlich muss er mit Kran und Tieflader erreichbar sein.

Nur wenige Meter neben dem Gartenhäuschen machten sich die Mitarbeiter der Firma Tannen Wulf also ans Werk. Dabei war es an Mirek Figura, die Tanne zu erklimmen, um die Kranschlinge zu befestigen. Zusätzlich wurde der Baum an den nahe stehenden, dicken Stämmen einer Hecke angegurtet und zeitweise von fünf Personen gehalten. Als alles in Position war, kam Wolfgang Bierbach mit der Kettensäge. Beim Schnitt selbst riss der Stamm der Tanne ein Stück ein. „Das lag daran, weil er so schräg gewachsen ist, stellt aber kein Problem dar“, sagte Wolfgang Bierbach im Nachhinein.

Alle waren sich einig: Ein toller Baum, perfekt für Berlin

Von ihren Wurzeln getrennt schwebte die 3,2 Tonnen schwere Tanne dann über die Hecke Richtung Tieflader, wo sie verkehrssicher gemacht und auf Fahrbahnbreite gebracht wurde. Viele Bürger aus Breitenworbis wollten sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen und hielten es auf ihren Handys fest. Alle waren sich einig: Ein toller Baum, perfekt für Berlin. Dabei haben Monika und Rolf Eschborn die Tanne gar nicht wirklich gepflegt, wie sie sagten, sie sogar in jungen Jahren einmal umgesetzt. „Es ist eine feuchte Ecke hier unten“, sagte Rolf Eschborn. „Gute Wuchsbedingungen sind das wohl.“

Ursprünglich stammt die Coloradotanne aus den USA und Kanada, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa heimisch. Diese bestimmte Breitenworbiser Tanne kommt aber von gar nicht so weit her, nämlich aus der Forstbaumschule nur einen Steinwurf vom Gartengrundstück entfernt. Ein echtes Eichsfelder Gewächs also. Und das geht am Sonntag auf die Reise nach Berlin und wird derweil auf dem Gelände der Autobahnmeisterei geparkt.

Eine Woche lang wird der Baum geschmückt werden

Am Montag wird die Tanne vor dem Brandenburger Tor aufgestellt. Dann werden sechs Dekorateure fast eine ganze Woche damit beschäftigt sein, sie mit insgesamt 30.000 Lichtern und Hunderten Weihnachtskugeln zu schmücken, bevor sie am kommenden Sonntag, 29. November, im weihnachtlichen Lichterglanz erstrahlen wird. Das Beleuchtungsfest für den Weihnachtsbaum, das traditionell vom Sponser Lekker am 1. Advent veranstaltet wird, muss in diesem Jahr allerdings pandemiebedingt ausfallen.

Großer Weihnachtsbaum für den Erfurter Domplatz kommt aus dem Eichsfeld