Das Virus als Partygag? Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Private und dienstliche Erlebnisse rund um das derzeit wichtigste Thema der Welt (3).

Viele Leute feiern offenbar Corona-Partys zu Hause (Archivfoto).

Viele Leute feiern offenbar Corona-Partys zu Hause (Archivfoto).

Foto: Jens Kalaene / dpa

Mittwoch, 18. März 2020: Gestern hatte ich zehn Telefon- und Videokonferenzen zu bewältigen. Wie schafft man das? Frage ich mich auch. Wir Menschen sind erstaunlich belastbar. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Die Nachrichtenflut zum Thema Corona will nicht abreißen. Gleichzeitig wachsen auch unsere Sorgen betriebsintern. Die OTZ berichtet ja nicht nur über finanzielle Probleme weitgehend aller Unternehmen durch die Krise. Offen gestanden müssen wir auch um unsere eigene Zukunft kämpfen. Deshalb können wir sehr gut die Appelle aus der Wirtschaft an die Politik verstehen, die Betriebe finanziell zu unterstützen. Den meisten brechen gerade rasant die Einnahmen weg. Wir gehören dazu.

Gleichzeitig müssen wir aber auch alles tun, um auch unsere Mitarbeiter zu schützen. Die Geschäftsführung der Mediengruppe Thüringen hat deshalb beschlossen, alle Geschäftsstellen zu schließen. Im Gebiet der Ostthüringer Zeitung sind davon Jena und Gera betroffen. Ab Donnerstag sind ohnehin von behördliche Seite zahlreiche Läden geschlossen. Offen bleiben dürfen Lebensmittelläden, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Bau-, Garten- und Tierbedarf sowie der Großhandel.

Gerade heute wird übrigens wieder einmal so richtig deutlich, wie wichtig es ist, dass seriöser und qualifizierter Journalismus erhalten bleibt. Dafür kann ich gleich zwei Beispiele nennen. In Gera muss der Oberbürgermeister dementieren, dass die Stadt die Regale in Supermärkten leerkauft, um Flüchtlinge zu versorgen. Wer hat weshalb ein Interesse daran, solche Lügen im Internet zu verbreiten?

Das zweite Beispiel kommt aus Altenburg/Nobitz. Hier verbreitete ein Unbekannter die erfundene Behauptung, am Flugplatz würden nachts heimlich Flüchtlinge eingeflogen werden. Die OTZ hat recherchiert und schreibt die Wahrheit auf: Der Volkswagenkonzern lagert hier neu produzierte Autos zwischen, die in Mosel hergestellt wurden, dort aber aus Platzmangel nicht aufbewahrt werden können.

Nun ist der Staatsschutz gefordert. Er hat die Ermittlungen aufgenommen gegen den Verbreiter der Lügen. Man kann den Staatsschützern nur die Daumen drücken, dass sie den Übeltäter erwischen. Wäre schön!

Ansonsten fehlt offenbar vielen Menschen die Einsicht für die Bedeutung der Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche. Weil bereits viele Bars und Kneipen oder auch Diskotheken geschlossen sind, feiern offenbar viele Leute Corona-Partys zu Hause, machen sich über die gefährliche Pandemie lustig. Im Stadtpark von Nürnberg beispielsweise, hatten sich etwa 100 junge Erwachsene versammelt und extra tragbare Generatoren mitgebracht, um ordentlich mit Musik und Licht Party zu machen. Die Spaßgesellschaft kann offenbar keine Pause vertragen.

Die Verbreitung des Corona-Virus muss unbedingt verlangsamt werden. Mit einem Impfstoff gegen das Virus ist zwar zu rechnen. Aber wegen der notwendigen Zulassungsverfahren, um beispielsweise Nebenwirkungen auszuschließen, rechnen Fachleute aus der Pharmazie erst für Frühjahr 2021 mit einem Mittel gegen Corona. Solange hilft, mit so wenig Menschen wie möglich Kontakt zu haben.

„Elefand“ für gestrandete Urlauber: Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

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