Denkmalserie: Sophie und Hans Scholl in Jena

Jena  Stumme Zeugen (25): Denkmal erinnert seit genau 50 Jahren an mutiges Geschwisterpaar.

Das Geschwister-Scholl-Denkmal in Jena.

Das Geschwister-Scholl-Denkmal in Jena.

Foto: Immanuel Voigt

Nachdem es bereits beim letzten Mal um ein Denkmal ging, dass an die Opfer und Verfolgten der kommunistischen Diktatur erinnert, beschäftigt sich der 25. Teil unserer Serie erneut mit einem Gedenkort, der die Nachgeborenen zur Mahnung gegen Diktatur und Krieg aufruft.

Zu finden ist er recht einfach: Von der Innenstadt kommend folgt man den Straßenbahnschienen vom Steinweg über die Camsdorfer Brücke und dann weiter ein kleines Stück die Karl-Liebknecht-Straße entlang. An der Ecke „An der Leite“ steht schließlich das Denkmal für die Geschwister Scholl. Ein kleiner Platz mit einer Bank daneben trennt das Areal vom Fußweg.

Der Stein an sich ist zweigeteilt. Unmittelbar davorstehend ist linker Hand die aus Beton bestehende Skulptur auf einem Sockel zu sehen, die die Geschwister Scholl zeigt. Rechter Hand erblickt man die Tafel mit der Inschrift.

Hans und Sophie Scholl gehörten zum engeren Kreis der im Sommer 1942 in München gegründeten Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Beide stammten aus Württemberg und wuchsen zunächst als Teil der nationalsozialistischen Gesellschaft auf. Hans war begeistertes Mitglied der „Hitler-Jungend“, Sophie ging wie viele in ihrem Alter zum „Bund Deutscher Mädel“. Später kamen beiden immer mehr Zweifel am Nationalsozialismus. Bei Hans Scholl wurde dies vor allem durch seine Fronteinsätze als Sanitätsfeldwebel 1940 in Frankreich und später an der Ostfront noch verstärkt. Hinzu kam nicht zuletzt eine christlich geprägte Ethik die beide an der Legitimität des Nationalsozialismus und an Adolf Hitler zweifeln ließen.

„Mit Sicherheit führt Hitler das Volk in den Abgrund.“

Hans Scholl hatte bereits im Frühjahr 1939 begonnen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Medizin zu studieren. Dort traf er bald auf Gleichgesinnte, die das Nazi-Regime ebenfalls ablehnten und gründete im Juni 1942 zusammen mit seinem Freund und Kommilitonen Alexander Schmorell die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Neben seiner Schwester Sophie konnte Hans Scholl noch weitere Freunde und schließlich auch den Philosophieprofessor Kurt Huber für die Gruppe gewinnen. Insgesamt gelang es ihnen mit sechs Flugblattaktionen nicht nur Hitlers Regime zu kritisieren, sondern auch die Bevölkerung zum offenen Widerstand aufzurufen.

Den Menschen sollte fernab der nationalsozialistischen Propaganda die Augen geöffnet werden, wenn es etwa auf dem fünften Flugblatt heißt: „Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund. Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern!“

Wie wahr diese Worte tatsächlich waren, sollte sich erst gut zwei Jahre später zeigen. Bei ihrer letzten Aktion wurden Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 beim Verteilen von Flugblättern durch den Hausmeister der Uni München ertappt und der Gestapo übergeben.

Nach längeren Verhören kamen die Geschwister und ein weiterer Angehöriger der „Weißen Rose“ vor den „Volksgerichtshof“ in Berlin. Durch den berüchtigten „Blutrichter“ Roland Freißler wurden alle drei im Eilverfahren wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Nur vier Tage nach der Verhaftung wurde das Urteil am 22. Februar 1943 im Gefängnis München-Stadelheim vollstreckt. Später verurteilte Freißler weitere Mitglieder der „Weißen Rose“ zum Tod und sprach teils hohe Haftstrafen aus.

So ist also auch das Denkmal in Jena ein Zeuge für diese mutigen Menschen. Morgen feiert es einen runden Geburtstag und wird 50 Jahre alt. Nicht ohne Zufall wurde es 1968 am 7. Oktober, also am „Tag der Republik“ eingeweiht und sollte damit den „antifaschistischen Charakter“ der DDR unter Beweis stellen.

Zugleich galten Hans und Sophie Scholl als humanistisches und gewissenhaftes Vorbild für die Jugend im östlichen Teil Deutschlands. Die Entstehung des Mahnmals in Jena ist hingegen recht spät, denn die meisten Denkmale, Straßen- und Gebäudebenennungen nach den Geschwistern Scholl, erfolgten in der Frühphase der DDR, bis etwa in die Mitte der 1950er Jahre.

Der Standort entsprach zunächst nicht dem heutigen, sondern lag in unmittelbarer Nähe an der Ecke Geschwister-Scholl-Straße / Karl-Liebknecht-Straße. Der Entwurf und die Ausführung stammten vom Jenaer Künstler Manfred Diez. Im Vergleich zu anderen DDR-Denkmalen hat das Geschwister Scholl Denkmal auch heute noch eine Daseinsberechtigung und wurde nach 1990 richtiger Weise nicht entfernt. Zum einen kommt es ohne Propaganda aus, zum anderen befindet es sich in guter Gesellschaft, da in zahlreichen deutschen Städten an die mutigen Geschwister erinnert wird.

Bis 1999 stand das Denkmal an seinem ursprünglichen Standort. Dort hatten sich mittlerweile allerdings die Eigentumsverhältnisse des Privatgrundstückes geändert. Die Skulptur nebst der Platte mit der Inschrift mussten umziehen und kamen in die Maurerstraße vor das dortige Studentenwohnheim. Hier fristete das Denkmal ein Schattendasein.

Als 2004 erstmals in Wenigenjena ein Ortsteilrat zur Wahl stand, warb Rosa Maria Haschke unter anderem damit für den Posten als Ortsteilbürgermeisterin, den Geschwistern Scholl wieder einen würdigeren Platz zu verschaffen. Nach ihrer erfolgreichen Wahl hielt sie Wort. Am 28. September 2006 zog das Denkmal ein letztes Mal um und kam so an den heutigen Standort. Zuvor hatte es der Ammerbacher Steinmetzbetrieb Kalus fachgerecht saniert.

Gepflegt und betreut wird es heute von der Stadt und von Anwohnern. Übrigens ist unser Denkmal ein später Sieg der Geschwister Scholl über den „Hinrichter“ Freißler. Dieser hatte an der Saale zwar Jura studiert und 1912 auch seinen Doktortitel hier erworben. Heute wird ihm aber in keinster Weise gedacht.

Seit 2007 findet jährlich am Tag der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl eine Gedenkveranstaltung am Denkmal statt.

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