Denkmalserie: Vierzehnheiligen wurde Wallfahrtsort

Vierzehnheiligen  Stumme Zeugen (17): Am 100. Jahrestag der Doppelschlacht von 1806 wurde das Denkmal festlich enthüllt.

Eine alte Postkarte zeigt den Ort des Denkmals.

Eine alte Postkarte zeigt den Ort des Denkmals.

Foto: Sammlung Voigt

Rund um Jena finden sich zahlreiche Orte, die an die Doppelschlacht bei Jena und Auer­städt von 1806 erinnern. Das Denkmal, mit dem sich der 17. Teil unserer Serie über die stummen Zeugen beschäftigt, steht am zentralen Erinnerungsort in Vierzehnheiligen. Das Dörflein erreicht man von Jena kommend auf unterschiedlichen Wegen recht leicht. Verfehlen kann man dabei das Denkmal kaum, fällt es doch mit seiner imposanten Größe unmittelbar vor der Kirche des Ortes direkt ins Auge des Betrachters.

Am 14. Oktober 1806 tobten in der Schlacht bei Jena gerade hier die heftigsten Kämpfe. Napoleon Bonaparte war es gelungen, die preußischen und sächsischen Truppen zu überrumpeln und ihnen an diesem Tag trotz des zunächst schlechten Wetters die Schlacht aufzuzwingen. Etwa 96 000 Franzosen standen einem gemischten Heer von rund 38 000 Preußen und Sachsen gegenüber. Die verbündeten Truppen hielten für längere Zeit die fast deckungslose Stellung bei Vierzehnheiligen unter dem Dauerbeschuss der französischen Artillerie und Infanterie. Als die Verluste unterdessen immer größer wurden, kam der Befehl zum Rückzug. Die Schlacht bei Jena war damit so gut wie verloren. Die preußisch-sächsische Allianz hatte an diesem Tag etwa 1200 Tote und fast 7000 Verwundete zu beklagen. Weitere 10 000 Mann gingen in Gefangenschaft. Die Franzosen hatten hingegen nur 2650 Tote und 4850 verletzte Soldaten. Am selben Tag ging auch noch die nahezu zeitgleich verlaufende Schlacht bei Auerstedt für die preußisch-sächsische Allianz verloren. Eine tiefe Zäsur für Preußen, die allerdings auch offenbarte, dass es einer dringenden Militärreform bedurfte. Erst sieben Jahre später sollte es gelingen, Napoleon in der „Völkerschlacht“ bei Leipzig entscheidend zu schlagen.

Einweihung mit großem Festakt

Am 100. Jahrestag des Gefechts, vor nun fast schon 112 Jahren wurde das Denkmal am zentralen Erinnerungsort der Schlacht von Jena am 14. Oktober 1906 mit einem großen Festakt enthüllt. Das kleine Vierzehnheiligen mutierte dabei zum Wallfahrtsort für zahlreiche Jenenser und Besucher aus dem gesamten Deutschen Reich. Zugleich hatten sich etliche Persönlichkeiten aus Militär und Adel angekündigt. Über das Großereignis sind jeweils in der „Jenaischen Zeitung“ und im „Jenaer Volksblatt“ ausführliche Berichte zu finden. Nach damaligen Schätzungen kamen rund 10 000 Menschen zum Ort des Geschehens. Zunächst wanderte eine Abordnung, vor allem bestehend aus Angehörigen sächsischer Militärvereine und dem sächsischen Militär am Morgen zum „Sachsengrab“ nach Zwätzen und legte dort Kränze nieder, um der Gefallenen zu gedenken. Anschließend führte der Weg über Rödigen nach Vierzehnheiligen. Viele Jenenser benutzten die „Elektrische“ und stiegen dann über das Mühltal und Isserstedt direkt zum ehemaligen Schlachtfeld auf. Ebenso wird von Omnibuspendlern und vielen Pkws berichtet, die in das kleine Dorf fuhren. Die überwiegende Mehrheit kam aber wohl „per pedes“. Vierzehnheiligen selbst hatte sich für den Besuch besonders herausgeputzt, zahlreiche Häuser waren festlich geschmückt.

Das Denkmal ist in seiner Form bis heute unverändert und wurde vor einigen Jahren saniert. Auf einem mehrstufigen Sockel steht ein großes Kreuz aus schwedischem Granit, an dessen oberen Ende die Jahreszahl 1806 zu lesen ist. Am Querbalken finden sich die Worte „Vergiss die treuen Todten nicht“, ein Zitat Theodor Körners. Zu Fuß des Kreuzes liegen ein Siegeskranz und eine im Fallen begriffene zerschossene Regimentsfahne. Beides Symbole für den Tod der Soldaten, der angeblich nicht umsonst gewesen war. An der Vorderseite ist eine schlichte Tafel mit der Inschrift „Den in der Schlacht bei Jena gefallenen Offizieren und Soldaten“ angebracht. Auf der Westseite sieht man eine Tafel, die die Verluste auflistet, auf der Ostseite eine namentliche Aufzählung der in der Schlacht gefallenen Offiziere. Die Südseite schließlich zeigt wiederum eine Tafel, die davon berichtet, dass von den Offizieren, die 1806 in Jena kämpften, bis zum Jahr 1815 in der „Befreiung des Vaterlandes“ weitere 180 fielen.

Bei einer Wanderung oder einem Ausflug ist das immer noch imposante Denkmal in Vierzehnheiligen sicher einen Besuch wert.

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