Die Drehscheibe Dornburgs im neuen Bauhaus-Töpferei-Museum

Dornburg  Großer Andrang zur Eröffnung des Bauhaus-Werkstatt-Museums, an dem bis zuletzt gefeilt wurde.

Eröffnung des Bauhaus-Werkstatt-Museums in Dornburg. Im ehemaligen Marstall gründete Walter Gropius vor 100 Jahren eine Töpferwerkstatt. Originale Materialien und Arbeitsgeräte sind noch aus der fünfjährigen Schaffensperiode zu sehen.   Im Bild Dornburger Rosenkönigin Lilly.

Eröffnung des Bauhaus-Werkstatt-Museums in Dornburg. Im ehemaligen Marstall gründete Walter Gropius vor 100 Jahren eine Töpferwerkstatt. Originale Materialien und Arbeitsgeräte sind noch aus der fünfjährigen Schaffensperiode zu sehen.   Im Bild Dornburger Rosenkönigin Lilly.

Foto: Katja Dörn

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Es ist die feierliche Einweihung des Bauhaus-Werkstatt-Museums in Dornburg, hundert Gäste drängen sich in den Festsaal des Alten Schlosses, und viele warme Worte werden bereits gesprochen. Ein Zitat bleibt abschließend aber besonders hängen, Museumsleiter Konrad Kessler trägt es in seiner Ansprache vor: „Eine zwar sehr kurze, aber äußerst dynamische Zeitspanne war der Bauhaustöpferei vergönnt gewesen“, ist von Rose Krebs, einer Schülerin Otto Lindigs, überliefert.

Kurz, dynamisch: Diese Beschreibung trifft auch auf die vergangenen Wochen zu, in denen das aufgebaut wurde, was in Dornburg bewundert werden kann. In nur vier Monaten ist im Marstall gegenüber des Rokokoschlosses das Museum zur einzig noch erhaltenen Töpferwerkstatt des Bauhauses eingerichtet worden. Der Eröffnungstermin stand vor wenigen Wochen noch auf der Kippe, eigentlich war einmal von Ostern die Rede, nun ist es der 1. Juni, an dem alle Beteiligten durchatmen können.

„Es musste schnell gehen“, erinnerte Dornburgs Ortsteilbürgermeister Klaus Sammer zum Festakt, verzögerten doch bautechnische Probleme die Errichtung des Anbaus. Aus eigentlich geplanten anderthalb Jahren wurden vier Monate, um die Räume mit kulturhistorisch wertvollen Stücken einzurichten. Noch am Freitagabend ruckelte Sammer mit Museumsleiter Kessler die letzten Feinheiten zurecht.

Das Ergebnis lohnt sich, wenn man vielen Rednern und den ersten Besuchern glauben schenkt. So besticht die Schau besonders durch ihre Lebendigkeit und Authentizität.

Nur fünf Jahre währte die Geschichte der Töpferei ab 1920 in Dornburg. Fünf Jahre aber, in denen es die Bauhäusler unter Töpfermeister Max Krehan schafften, mit ihrer Formensprache international Beachtung zu finden. Ihre Kreativität ist heute greifbar, so finden sich noch Arbeitsgeräte wie die Gipsdrehscheibe, an der Otto Lindig und Theodor Bogler ihre Modelle entwarfen, bewusst sind die Wände auf alt belassen. Beflügelt haben muss die Künstler die Aura des Ortes, ist doch die Aussicht des Saaletals damals wie heute atemberaubend schön.

An die Anfänge der Museumskonzeption erinnert Michael Jurkschat vom Förderkreis Keramik-Museum Bürgel und Dornburger Keramik-Werkstatt. Vor zehn Jahren brachte Wolfgang Philler die Idee ein und war an der Konzeptentwicklung maßgeblich beteiligt. Der Organisator des Bürgeler Töpfermarktes verstarb zu jung, andere Kräfte führten das Angestoßene fort. So hob Jurkschat besonders die Rolle der Stadt Dornburg-Camburg hervor. „Wir sind dankbar, dass sie auch in schwierigen Zeiten am Projekt festgehalten hat“, sagte er.

Denn ein eigentliches Element ist von Außen betrachtet am Marstall nicht zu erblicken: der Anbau. In diesem konnten die modernen, farblich hervorstechenden Ausstellungsräume integriert werden. 1,3 Millionen Euro verschlang allein dieser Bau, den die Stadt durch Unterstützung von Bund und Land finanzieren konnte; eine weitere halbe Millionen Euro war für die Einrichtung des kleinsten Bauhaus-Museums mit nur acht Räumen nötig. Museumsleiter Konrad Kessler ist vollends angetan. „Es entspricht genau den Vorstellungen, die ich hatte, als ich das erste Mal in der Werkstatt war“, resümiert er. Kessler leitet auch das Keramik-Museum in Bürgel, beide Häuser können Gäste jetzt über ein Kombiticket besuchen.

Meine Meinung Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

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