Die OTZ geht bei Töpfermeisterin Mechthild Schinnerling aus Zeulenroda-Triebes in die Lehre

Zeulenroda-Triebes  Am Wochenende ist Tag der offenen Töpferei

Töpfern will gelernt sein. Bei Mechthild Schinnerling in Zeulenroda können sich Besucher am Wochenende beim Tag der offenen Töpferei auch mal selbst an die Töpferscheibe setzen. OTZ-Redakteurin Cordula Fischer hat's schon mal ausprobiert.

Töpfern will gelernt sein. Bei Mechthild Schinnerling in Zeulenroda können sich Besucher am Wochenende beim Tag der offenen Töpferei auch mal selbst an die Töpferscheibe setzen. OTZ-Redakteurin Cordula Fischer hat's schon mal ausprobiert.

Foto: Heidi Henze

Hausfrauen oder Damen nach ihrer Pensionierung, die sich langweilen, belegen an der Volkshochschule einen Töpferkurs. Und wer in seinem Leben Hilfe benötigt, geht zum therapeutischen Töpfern. Für solche Klischees ist in der Werkstatt von Mechthild Schinnerling kein Platz. Das Töpfern ist eine der ältesten Handwerkskünste, das zwar ab und an einen meditativen Charakter haben mag, aber eine körperlich anstrengende, kräfteraubende Arbeit ist. Die OTZ hat’s ausprobiert.

Bauchige Tassen, gerade geschnittene Kannen, Teelichthalter mit Lochmuster, Teller und Untertassen in verschiedenen Größen, Töpfe und Fläschchen, im Verkaufsraum von Mechthild Schinnerling steht das Steinzeug mit der für sie typischen grau-blauen oder braunen Glasur. Auf jedem Zentimeter gibt es etwas zu entdecken. Hübsch anzusehen ist das Geschirr, ohne Schnörkel, ohne kitschige Verzierungen. „Ich tauche die Stücke, so dass die Glasur herunterläuft.“ So sieht jeder Becher, jeder Teller zwar wie aus einem Guss aus, jedes Teil ist aber ein Unikat und immer ein wenig anders. So etwas will ich auch mit meiner eigenen Hände Arbeit herstellen, sehen, was ich geschaffen habe, denn meine tägliche Produktion beschränkt sich aufs Tasten an der Computertastatur drücken. Also will ich ran an die Töpferscheibe.

Mechthild verpasst mir eine Schürze. Sahneschnitte steht darauf. Nun gut, das rote, bedruckte Teil schützt ja nur meine Kleidung vor umherfliegenden Tonklümpchen und Wasser. „Setz dich auf die Töpferscheibe“, sagt Mechthild. Auf? Ja, denn der gesamte Apparat, nicht nur der Drehteller, ist die Töpferscheibe. Mechthild holt einen Klumpen Ton. Den bezieht sie aus dem Westerwald. Er hat die Eigenschaften, die sie benötigt, immer in gleichbleibender Qualität. Sie drückt den Klumpen fest auf den Drehteller. „Gib Gas“, gibt sie mir das Kommando. Mit dem linken Fuß trete ich das Pedal, so dass die Scheibe beginnt zu rotieren. Schnell, immer schneller. Jetzt die Hände mit Wasser benetzen und ran an den Ton. Ich soll den Klumpen rund formen und eine Mulde in die Mitte drücken. Allein das nötigt mir Respekt vor der Arbeit ab, die Mechthild Tag für Tag leistet. Denn ich muss mich weit vorbeugen und merke, wie wenig Kraft ich in Unterarmen und Fingern besitze, die kaum reicht, um den harten Ton zu beherrschen. „Du musst dein ganzes Körpergewicht einsetzen“, sagt Mechthild. Selbst sie müsse gut gefrühstückt haben, wenn sie einen großen Topf herstellen will. Dafür trainiert sie ihre Muskeln und den Rücken. „Pilates“, lautet ihr Rezept. Töpfer seien außerdem anfällig für Rheuma. Und bei aller Kraft und Technik: Viel Sensibilität gehört auch dazu – im Fuß fürs Gasgeben und in den Händen.

Flugs zieht Mechthild die Ränder eines Töpfchens mit eleganten, geschmeidigen Bewegungen kerzengerade nach oben. Mit einem Holzspatel glättet sie die Außenwand. „Gas weg.“ Die Scheibe stoppt. Das ebenmäßige Gefäß löst sie mit einem Draht von der Platte. „Hier hast du Ton. Ich geh mal einen Kaffee machen. Probier’s“, sagt Mechthild und verschwindet. Was bei ihr so spielend leicht aussah, will mir nicht gelingen. Zwar entsteht eine Mulde im Ton, aber der Boden! Er ist uneben, so hügelig wie die Landschaft des Vogtlandes. Und die Wände meines Gefäßes sind hier dick wie ein Daumen, da dünn wie ein Stück Pappe.

„Klappt’s?“, ruft Mechthild, die lächelnd auf einem Tablett mit dampfendem Kaffee gefüllte Tassen aus ihrer Kollektion balanciert. Ein Glück, dass sie es beim Anblick meines kläglich gescheiterten Versuchs nicht fallen lässt. „Kann man noch retten“, sagt sie, legt Hand an und bemüht sich nach Kräften. „Es ist eben ein Einzelstück und selbst gemacht. Da steckst du drin.“ Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, was das unförmige Ding über mein Innerstes verrät. Zumindest schreit es danach, dass ich einen Töpferkurs belegen sollte, falls ich irgendwann ein wirklich brauchbares Gefäß formen will. Vielleicht nicht an der Volkshochschule, sondern bei einem der Töpfer, die ihre Werkstätten zum Tag der Töpferei am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr öffnen wie Mechthild Schinnerling. Ansonsten weiß ich ja, wo ich gutes Steinzeug kaufen kann. Töpfern als Therapie? Das brauche ich wohl nicht, aber einen Kaffee oder Tee aus einer handgetöpferten Tasse schlürfen, kann ja auch ein Seelentröster sein. Meine kurze Lehre bei Mechthild hat mir jedenfalls meine Grenzen aufgezeigt. Tasten sind eher mein Medium als Ton.

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