Dittrichshütte: Mühle umlagert wie zu Volksfest

Dittrichshütte  In Dittrichshütte hat sich der erst kürzlich gegründete Heimatverein an den Mühlentag gewagt – und Erfolg gehabt.

Heinz Möller erklärt Besuchern die Funktionsweise des sogenannten Schrotgangs und des Rüttlers, mit dem die Feinheit des Mahlguts eingestellt wurde. Der 81-Jährige führt seit 1981 Besucher durch das Schaudenkmal.

Heinz Möller erklärt Besuchern die Funktionsweise des sogenannten Schrotgangs und des Rüttlers, mit dem die Feinheit des Mahlguts eingestellt wurde. Der 81-Jährige führt seit 1981 Besucher durch das Schaudenkmal.

Foto: Jens Voigt

Am Schrotgang steht Heinz Möller, angetan mit der traditionellen Müllerkluft. Seit Eröffnung der Dittrichshütter Turmwindmühle als Schaudenkmal im September 1981 führt er die Besucher treppauf und treppab, nach über 3000 Führungen spürt man die Routine. „Und das hier ist der Rüttler“, erklärt Möller, „auf dessen Geräusch geht das Lied von der klappernden Mühle zurück.“

Dagmar Kiemle und Toni Sacher machen gleich mal ein Foto mit dem 81-Jährigen, als Illustration für ihren Thüringen-Bericht in einer der nächsten Ausgaben des Biker-Magazins „Tourenfahrer“. Die Reisejournalisten sind aus der Eifel via Jena bis nach Dittrichshütte gefahren – und somit sehr wahrscheinlich die Besucher mit der längsten Anreise beim gestrigen Mühlentag auf der Saalfelder Höhe.

Und beileibe nicht die einzigen. Dicht an dicht sitzen die Gäste auf den Bänken rund um die Mühle, deren Flügelgerüste sich langsam im sachten Wind drehen; man steht geduldig an nach Bratwürsten, Getränken und Kuchen. Als Kindervergnügen gibt es „Erbsenjagen“ und Hüpfburg; Grundschüler unterhalten mit Liedern und Tänzen. Der Mühlentag ist in Dittrichshütte offenbar ein gut geübtes Dorffest mit weiter Ausstrahlung, die Parkplätze füllen sich schon kurz nach 12 Uhr. Der Kuchen, immerhin ein paar Dutzend Bretter voll gebacken von Frauen aus dem Dorf, „wird den Nachmittag nicht mehr erleben“, sagt ein Helfer, der gerade schüsselweise neue Bratwürste heranschleppt. „Aber voriges Jahr war er schon mittags alle“, ergänzt der Mann.

Soweit also läuft es wie immer, und doch ist es auch eine Premiere: Erstmals führt der „Heimatverein der Höhendörfer“ die Regie, gegründet erst im April und zurzeit 13 Köpfe stark. Eine Reaktion auf die veränderten Bedingungen, jene vor allem, „dass wir jetzt zur Stadt gehören.“ Sagt Vorstandschef Peer Essebier.

Sturm zerstörte vor fünf Jahren die Windrose

Früher, da hätten die Mühlen-Aktivisten um den Ober-Müller Martin Eschrich die nötigen Dinge quasi auf Zuruf mit der Gemeinde geklärt; als Saalfelder Ortsteil aber braucht es klare Strukturen, mehr Rechtssicherheit, auch für Aufträge, Zuschüsse oder Fördermittel, erläutert Essebier. Dafür klappe aber die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auch hervorragend, betont er. So sei bereits der Stromanschluss in deren Auftrag erneuert worden und auch die dringende Abdichtung des Turmdachs der Mühle schon in Auftrag gegeben, auch die Dächer für die ausgebauten Mühlsteine wurden erneuert. Auf mittlere Sicht müssten dann die Bolzen der Flügel nachgezogen oder eventuell ersetzt werden, das Äußere der bis zu 1,20 Meter dicken Wände könnte neuen Putz vertragen; „aber so geht es erst mal“, versichert Essebier. Außerdem habe der Verein ja auch noch die alte Schneidemühle in Braunsdorf zu betreuen, will sich um dörfliches Brauchtum kümmern bis hin zu Kinderfest und Rentner-Weihnacht. „Genug zu tun“, versichert der Chef und bindet sich alsbald die Rost-Schürze um: Bei Bratwürsten und Brätl hat sich jetzt eine größere Wartegemeinschaft aufgebaut.

In ihrer zumindest halbwegs vollen Pracht präsentiert sich die Turmwindmühle von Dittrichshütte erst seit einem knappen Jahr wieder, nachdem dank des Engagements von aktiven Bürgern, Gemeinde und nachfolgend Stadt die vor fünf Jahren von einem Sturm zerstörte Windrose an der Mühle – die einst den drehbaren Kopf und damit die Flügel in den Wind steuerte – erneuert und wieder an Ort und Stelle gehoben worden war. Notwendig geworden war der Ersatz, weil die alte Vorgängerrose unrettbar gebrochen und bereits um 2001 erstmals gesichert worden war. Ihrem eigentlichen Zweck diente sie aber schon vorher nicht mehr: Nach Aufgabe der Mühle im Jahr 1953 waren auch die Haube versteift worden und die Flügel dauerhaft in Richtung der Ortsstraße gerichtet worden. Ab 1974 begann nach Jahren des Verfalls dann der Wiederaufbau als Lehr- und Schaudenkmal, den Heinz Möller dann 1981 mit seiner ersten Führung krönen konnte. Seit gestern ist er nun auch Ehrenmitglied im Heimatverein – und die beiden anderen unermüdlichen Mühlenfreunde Martin Eschrich und Walter Weißleder ebenfalls.