Ein großer Tag für Camburg: Über die Saale ein neuer Fußsteg montiert

Camburg  Hunderte Camburger verfolgten die Montage der neuen Saalebrücke. Anerkennung für Bauleute.

Ein großer Tag für Camburg: Die neue Brücke wird über die Saale montiert.

Ein großer Tag für Camburg: Die neue Brücke wird über die Saale montiert.

Foto: Angelika Schimmel

Es ist schon viel Wasser die Saale hinunter geflossen, unter dem alten „Steg“ hindurch, der den alten Teil von Camburg auf der linken Flusseite mit dem Teil auf der Burgseite verbindet.

Öfter stand der kleinen Fußgängerbrücke das Wasser buchstäblich bis zum Hals, „bei Hochwasser gurgelte es schon zwischen den Holzplanken empor. Aber wir Kinder sind trotzdem noch drüber gelaufen“, erinnert sich Erika Schumann. Es war nie das gleiche Wasser und auch nicht immer die gleiche Brücke, unter der die Saale gurgelte. Mindestens vier Varianten des „Steges“ kennt die betagte Camburgerin. Die letzte, auf stählernen „Füßen“ im Flussbett stehende Brücke, hat das Hochwasser im Juni 2013 so stark beschädigt, dass Abriss und Neubau unumgänglich wurden.

Am Mittwoch (22. November 2017) verfolgte Erika Schumann, gemeinsam mit Hunderten Camburgern und extra angereisten Nachbarn aufmerksam, wie Nummer 5 des Steges Gestalt annahm. Schon vor 9 Uhr hatten sich Interessierte auf der benachbarten Friedensbrücke und am Saaleradweg hinter dem Schießplatz die besten Plätze gesichert, um das seltene Schauspiel gut beobachten zu können.

Denn schließlich kann man nicht alle Tage sehen, wie eine 42 Meter lange komplette Brücke an einem Kranhaken langsam über den Fluss schwebt und wie schwerelos auf ihre neuen Widerlage gesetzt wird. Vor etwa zwei Wochen war die stählerne Brückenkonstruktion, die vom Ingenieurbüro Kleb in Erfurt entworfen und in der Stahlbaufirma Hartung in Unterwellenborn gebaute Brücke, in drei Teilen angeliefert worden.

Jedes Segment war 14 Meter lang und 20 Tonnen schwer. „In Unterwellenborn haben wir die Brücke schon einmal komplett aufgebaut, schließlich muss alles passen“, berichtete Stahlbauer Axel Stephan. Das sei der Part von ihm und Vorarbeiter Rico Unfried gewesen. Die seitlichen Bögen mit ihren Fachwerkstreben mussten mit dem die „Fahrbahn“ tragenden Unterbau verschweißt werden.

„Zusammengeschweißt haben das Ganze dann vier Männer im Schichtbetrieb“, erklärt Stephan. Lediglich die Verbindungen zwischen den drei Segmenten wurden provisorisch verschraubt. Für den Transport in die Lackiererei nach Gotha und schließlich nach Camburg konnte die Brücke dann bequem geteilt werden. Die Schraubverbindungen gelöst und fest verschweißt haben die Männer von Hartung und Stephan dann vor Ort auf dem Schießplatz in Camburg.

Schon da seien die Camburger neugierig gewesen, hatten immer wieder vorbeigeschaut und Fragen gestellt. „Das ist für die Stadt offenbar ein großes Ding, diese Brücke“, war Stephans Eindruck. Die gleiche Erfahrung haben auch die Bauleute der Saalfelder Firma Herms Herms Schmidt Ingenieurbau GmbH gemacht. Sie hatten die Aufgabe, den alten baufälligen „Steg“ abzureißen und die neuen Widerlager am leicht flussabwärts verschobenen Standort zu bauen.

„Das gesamte Projekt war schon ziemlich anspruchsvoll“, räumte Bauleiter Dirk Müller ein. Grund sei die Mischbauweise von Stahlelementen und Betonbau. „Das ist nicht ohne, und es muss ja schließlich auf beiden Uferseiten passen“, sagte er.

Doch seine Männer haben da Maßarbeit geleistet. Das zauberte Müller und den anderen Beteiligten um 11.25 Uhr ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Da nämlich ruhte die neue Brücke auf den Zentimeter genau auf ihren neuen, stählernen Lagern an den Saaleufern. Die Hauptrolle in der letzten Stunde der Brückenmontage hatte Thomas Ernstberger übernommen. Er ist Krankfahrer bei der Firma Krug und baut seit 20 Jahren Brücken.

Wie viele es schon sind? „Viele. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, vielleicht 100“, sagte er. „Das hier ist eher eine der kleinen, die Talbrücken an der A 71 waren deutlich größer“, schob er noch nach.

Dann nahm er um 10.24 Uhr den kompletten „Steg“ an vier armstarken Glasfaserschwerlastseilen an den Haken, hob ihn wie schwerelos vom Lagerplatz und drehte ihn über den Fluss. Ohne Ruckeln und Schwanken schwebte die Stahlrohrkonstruktion in die Höhe und wurde exakt über den Widerlagern Zentimeter um Zentimeter sacht abgesenkt. Die letzte Justierung übernahmen Axel Stephan und Rico Unfried mit Hydraulikstempeln, die die Brückenkonstruktion so lange halten, bis die stählernen Lager einbetoniert und fest sind.

„Jetzt steht sie“, freuten sich die Brückenbauer und Bauüberwacher Hartmut Sander vom Ingenieurbüro Kleb gemeinsam. „Es war eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen, und alles hat top funktioniert“, sagte der Fachmann, der seit elf Jahren hierzulande Brücken baut, auch jene an der Thüringerwald-Autobahn.

Zwar könne man jene Brücken nicht mit der Camburger vergleichen, doch „das ist ein wirklich schönes Bauwerk hier. Es passt sich sehr gut in die Umgebung ein“, lobte Sander.

Das finden auch die meisten der Zuschauer. Claudia Furchner findet den neuen Steg „richtig schick. Wenn dann noch Geländer und Lampen drauf kommen, dann sieht das bestimmt richtig gut aus“, meinte die junge Frau. „Kein Vergleich mit der alten Brücke. Die schwankte doch schon, wenn die Kinder mit dem Roller und Laufrad drüber gerollert sind“.

Auch Edith Seifert aus der Schmiedehäuser Straße gefällt der neue Steg „sehr, sehr gut“. „Wir warten schon sehnsüchtig, dass wir endlich drüber gehen können und uns der Umweg über die Friedensbrücke erspart bleibt“, sagte die Seniorin. Am besten sei, dass die neue Brücke nicht mehr wie die alte „mit den Füßen im Wasser steht, die bei Hochwasser doch immer eine Gefahrenquelle waren“.

Bis die alte Dame über die neue Brücke zum Einkaufen gehen kann, werden jedoch noch ein paar Tage für die restlichen Arbeiten vergehen. Doch die Bauleute wie auch Bürgermeisterin Dorothea Storch sind zuversichtlich, dass die Zusage, Silvester könnten die Camburger über den neuen Steg gehen, eingehalten werde.

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