Erfurt: Aus einer Bierlaune wurde eine lange Tradition

Erfurt  Karneval Club Braugold feiert 44. Geburtstag. Gründungspräsident erinnert sich an Anfänge

Der Karneval-Club Braugold 1991: Funkenmariechen, Tanzgarde und Elferrat. Der langjährige Präsident Horst Pohl steht ganz rechts.

Der Karneval-Club Braugold 1991: Funkenmariechen, Tanzgarde und Elferrat. Der langjährige Präsident Horst Pohl steht ganz rechts.

Foto: KCB

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Mit selbst gemachten Orden, Ketten und Kostümen startete 1975 der Erfurter Karneval-Club Braugold in die fünfte Jahreszeit. Am Samstag wird nun in der Alten Parteischule der 44. Geburtstag des KCB mit einer großen Gala gefeiert und auf die lange, turbulente wie fröhliche Geschichte zurückgeblickt.

Von Anfang an mit dabei war Horst Pohl, Gründungs- und langjähriger Klubpräsident und heutiges Ehrenmitglied. Zu jedem Foto der dicken Chronik kann er eine Geschichte erzählen. Die beginnt mit der Entstehung des KCB, der – natürlich am 11.11. – 1975, aus einer Bierlaune heraus als PVF, „Praugold-Vaschings-Ferein“, gegründet wurde. Erst 1982 wurde daraus der Karneval Club Braugold, das B stand zwischen- zeitlich auch mal für Borntal, der Heimat vieler Mitglieder.

In der DDR einen Karnevalverein zu gründen, war gar nicht so schwer wie vermutet, erinnert sich Horst Pohl – vor allem nicht mit der großen Brauerei als Träger im Hintergrund.

Frühschoppen und Prunksitzung

Doch um zünftig Karneval feiern zu können mit allem, was dazugehört, war viel Engagement nötig. „Wenn wir irgendwo feiern und auftreten wollten, haben wir oft erst den Saal renovieren oder gar umbauen müssen.“ Zudem wurden wochenlang die Kostüme genäht und – ebenfalls in Handarbeit – die traditionellen Karnevalsorden hergestellt, etwa aus Messing oder Holz ausgesägt und bemalt. Die berühmten Bierfässchen sind bis heute das Markenzeichen geblieben, noch immer beliebt und begehrt.

Doch dem KCB ging es nicht nur um die eigenen Veranstaltungen, sondern auch um den Erfurter Karneval an sich: 1983 rief er alle Clubs der Stadt an einen Tisch – „daraus entstand der traditionelle Frühschoppen, bei dem alle Erfurter Karnevalsvereine die besten Stücke aus ihren Programmen zeigten. Das dauerte manchmal mehr als sieben Stunden. Die schönsten Szenen wurden dann bei der folgenden Prunksitzung im Kultur- und Freizeitzentrum am Moskauer Platz gezeigt“, erklärt Pohl. „Wer es nicht bis dorthin schaffte, war echt sauer.“

Ein anderer Höhepunkt in der Klub-Geschichte war das mehrtägige Treffen von rund 500 Karnevalspräsidenten aus der ganzen DDR 1985 in Erfurt, das der KCB mit anderen Karnevalclubs der Stadt ausrichtete.

Natürlich gab es in den damaligen Jahren auch Versuche der Stadtbezirksleitung, die bissigen Büttenreden vorab zu zensieren. Doch dabei ließ sich der Karnevalist Pohl nicht zum Narren machen – und gewann die Kraftprobe. Später gab es sogar die staatliche Auszeichnung „Hervorragender Klub“.

Dass der KCB nach 44 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört, zeigt sich bei der Jubiläumsgala am Samstag sowie am 9. Februar zur Festsitzung und am 10. Februar zum Kinderkarneval – alles in der Alten Parteischule bei der Thüringenhalle.

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