Frisches Wasser für den Pörmitzer Teich

Klack, klack klack - von einer Wiese am Ortsausgang der Gemeinde Pörmitz dringt ein leises Geräusch, dessen Ursache sich nicht sofort erschließt. Unser Widder arbeitet, sagt Bürgermeister Rolf-Ulrich Topel zufrieden.

Dorfbrunnen in Pörmitz

Dorfbrunnen in Pörmitz

Foto: zgt

Pörmitz. Vor zwei Jahren ist ihm die Idee gekommen, das Wasser eines alten Bergbauschachtes für den höher gelegenen Dorfteich zu nutzen. Die Pumpe dafür arbeitet ohne Strom – ein Wasserwidder.

Die Geschichte des hydraulischen Wasserwidders begann 1772, als John Whitehurst in England einen ersten hydraulischen Widder konzipierte, der allerdings noch nicht von selber funktionierte. Der Franzose Joseph Michael Montgolfier entwickelte im Jahre 1796 eine ausgeklügelte Ventilsteuerung, die es ermöglichte, dass der Widder von selbst lief. Er entdeckte die Stoßkraft des Wassers, als er am unteren Ende eines Rohres schnell einen Hahn schloss. Etwas ähnliches kann man beobachten, wenn man beim Gartenschlauch den Wasserhahn ruckartig schließt und die Fließenergie des Wassers den Gartenschlauch zucken lässt. Diese beträchtliche Stoßenergie nutzte Montgolfier für seinen hydraulischen Widder. Das fast wartungsfreie Gerät kann Wasser bis zu 300 Meter hoch pumpen.

"Genau das ist es, habe ich mir gesagt, als ich auf den Wasserwidder stieß", erzählt Rolf-Ulrich Topel. Er war auf der Suche nach einer Möglichkeit, das in Pörmitz anfallende Wasser aus dem ehemaligen Erzbergbau für den im Sommer oft fast ausgetrockneten Dorf- und Löschteich zu nutzen. Der Wasseraustritt liegt aber einige Meter tiefer als der Dorfteich. "Wir haben an eine Turbine gedacht oder an ein Wasserrad, aber der Aufwand war entweder zu groß oder das Gefälle zu gering. Außerdem wollten wir keinen Energieaufwand treiben." Da kam der Widder genau richtig.

Die Möglichkeit der Nutzung des Wassers aus dem alten Bergwerk ist einem Zufall zu verdanken. Im Jahr 2007 brach bei Erntearbeiten unmittelbar hinter dem Ortsausgang von Pörmitz in Richtung Oettersdorf ein Mähdrescher in eine Altabbaukammer ein. Die Bergbehörde des Landes Thüringen leitete daraufhin die Wiederauffahrung des alten Entwässerungsstollens sowie die Beräumung ein. Das Stollenmundloch am Schlangenbach wurde wieder freigelegt. Nun war augenscheinlich, wie viel sauberes, klares Wasser jeden Augenblick in den Schlangenbach abfließt. Nach Messungen sind es ca. 26 bis 40 Liter in der Sekunde. "Ich habe das Wasser prüfen lassen und es wurde Trinkwasserqualität bescheinigt", sagt Topel.

Trotzdem steht heute am Brunnen in der Dorfmitte, zu dem der Widder das Wasser pumpt "Kein Trinkwasser", weil man die Qualität weder überwachen noch gewährleisten könne. Manch einer aus dem Dorf hole sich aber das angenehm schmeckende Wasser aus dem Brunnen, weiß der Bürgermeister.

In der Nähe des hydraulischen Wasserwidders, der im Spätherbst 2009 eingeweiht wurde, hat Rolf-Ulrich Topel eine Lehrtafel anbringen lassen und empfiehlt die Anlage Schulklassen zum Besuch. Gerne erklärt der Bürgermeister die Funktionsweise der zuverlässig arbeitenden Anlage mit einer langen technischen Vorgeschichte.